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Mit der Soca durch Slowenien: Ein persönlicher Wanderführer #1

Ganz ehrlich: Eigentlich möchte ich gar nicht richtig verraten, wo Du dieses wunderbare Paradies findest – denn für uns war der Soska Pot – der Soca Trail –  eine einzigartige Erfahrung und unsere Erinnerungen sind wie ein kleiner Schatz, den wir hüten & beschützen, weil so viel Zauber auf ihm liegt. Andererseits möchte ich Dir kaum vorenthalten, wo & wie wir die mit Abstand schönsten Tage des Alpe Adria Trails (und vielleicht auch die schönsten unseres Lebens) verbracht haben und wie Du dieses Abenteuer auch erleben kannst.

Natürlich war es nicht allein der Soska Pot, der unsere Erfahrungen und Erinnerungen hat so intensiv und berauschend werden lassen. Bevor wir die slowenische Grenze überschritten, waren wir bereits knapp 400 Kilometer gemeinsam mit dem Zelt vom Großglockner durch die Alpen bis nach Italien gelaufen, haben Unwetter und Rückschläge überstanden und wundervolle Tage miteinander verbracht. In diesen Tagen waren wir uns einander, aber auch uns selbst so nah gekommen, dass sich jedes gemeinsame Erlebnis viel echter, intensiver und rein anfühlte – als wären wir durch einen grauen Schleier getreten und hätten uns und die Welt zum ersten Mal wirklich gesehen.

Nichtsdestotrotz bietet der slowenische Teil des Alpe Adria Trails eine phantastische Kulisse, die Menschen, die wir trafen waren liebevoll und hilfsbereit, die Natur wild und jeder einzelne Tag ein kleines Abenteuer.

Wir haben für Dich noch einmal ganz genau in unserem Reisetagebuch gelesen und die sechs Etappen mit ein paar kleinen Geschichten und Geheimtipps ergänzt. Vielleicht verbringst Du deinen nächsten Sommer ja in der slowenischen Sonne, mit baumelnden Füßen in der türkisen Soca

Vorab noch ein paar wichtige Infos zum Wandern in Slowenien

Wanderführer & Wanderkarten | Wir haben uns den gesamten Alpe Adria Trail an den Rother Wanderführer gehalten. Die Etappenbeschreibungen sind sehr detailliert und zuverlässig, ebenso wie die Kilometer- und Höhenmeterangaben. Aber: Die Zeit- und Schwierigkeitsangaben im Rother Wanderführer sind nicht für Wanderer mit viel Gepäck und Einsteiger konzipiert. Rechne, wenn Du nicht der neue Reinhold Messner bist, ruhig 3 Stunden auf die angegebene Zeit drauf. Wenn der Rother Wanderführer sagt eine Etappe sei schwierig, dann suche vorsichtshalber, ob es an der Strecke eine Bushaltestelle gibt.

Übernachtung | Im Gegensatz zum österreichischen Teil des Trails kannst Du überall richtig günstig zelten – ganz oft sogar direkt an der Soca. Meistens bieten die Camps auch Shuttelbusse in den nächsten Ort oder zum nächsten Bahnhof an.

Beschilderung | Keine Angst vor unzureichender Beschilderung! Wir haben uns nicht einmal verlaufen.

Wasser | Da alle Etappen an der Soca entlangführen, gibt es keine Probleme mit der Wasserversorgung. Das Wasser ist klar, eiskalt, erfrischend und sauber. Lediglich auf den Etappen nach Trenta und zum Kamp Trnovo hilft eine zweite Wasserflasche weiter, da große Teilabschnitte nicht am Wasser entlang führen.

Verkehrsmittel | Die gesamte Region ist durch ein Busnetz verknüpft. Von jedem einzelnen Etappenziel gibt es im Notfall einen Bus zum nächsten Ort. Trampen ist völlig unproblematisch und von Most na Soci fährt ein Zug nach Venedig oder Triest zum Flughafen.

Wassersport | Das Soca-Tal lebt vom Wassersport-Tourismus – und das solltest Du dir keinesfalls entgehen lassen! Wie wäre es mit Canyoning, Wildwasser-Rafting oder deiner ersten Kajakstunde? In Bovec und Kobarid findest Du jede Menge Anbieter. Such Dir einen, der Dich gut berät und stürz Dich ins Abenteuer!

Canyoning (Soca Rafting): Rutschen, Abseilen, Klettern, Sprünge in die Pools des Canyons & jede Menge Wasserfälle! 

Etappe I Kranjska Gora – Trenta

Länge: 20 km | Höhenmeter: 820 m positiv, 1010 m negativ | Unsere Einschätzung der Schwierigkeit: Mit unserem Gepäck und bei den heißen Temperaturen nicht zu schaffen. | Übernachtung: Natura Eco Camp (Kranjska Gora), Kamp Triglav (Trenta)

Diese Etappe des Alpe Adria Trails war die erste, die wir definitiv nicht geschafft hätten. Gerade als wir in Slowenien ankamen, brach eine Hitzewelle über uns herein – 38 Grad und mehr und das länger als eine Woche. Obwohl wir extra sehr zeitig in Kranjska Gora losgelaufen waren, war es bei dem steilen Anstieg über den Vrsic-Pass bereits zu heiß. Als die Sonne immer höher über den Berg stieg und das Wasser knapp wurde, haben wir nicht mehr lang gezögert und uns per Anhalter über den Pass bis zur Soca-Quelle fahren lassen.

An der Quelle drängelten sich viele Touristen – nicht weiter schlimm für uns, denn die meisten hielten lediglich mit dem Auto und verstopfen nicht den schönen Wanderweg in Richtung Trenta. Dort aber, an dieser Stelle, begann für uns der wohl schönste Teil unserer Wanderung: Von der Quelle folgten wir der Soca die letzten 80 Kilometer unserer Reise. Wir begleiteten sie auf ihrem Weg zu einem wilden, reißenden Fluss, durch tiefblaue Badebuchten, bereiteten mit ihrem Wasser unser Essen, schwammen und paddelten in ihr, sprangen von hohen Brücken in ihre tiefsten Stellen und schliefen jeden Abend völlig erschöpft beim beruhigenden Klang ihres Rauschens ein.

Nachdem wir also endlich unsere Wasserflaschen wieder aufgefüllt hatten, konnten wir die letzten Kilometer der Etappe richtig genießen. Schon hier, etwas oberhalb von Trenta, führen bereits viele der typischen Soca-Hängebrücken über den Fluss. Trenta selbst ist ein winziges Dorf, dass sich malerisch ins Tal fügt. Doch trotz der duftenden, sonnendurchfluteten Apfelhaine und der Wildnis, die uns in Trenta umgab, konnten wir es kaum erwarten, endlich die Wildwasser und Wasserfälle der Soca zu finden, sodass wir am nächsten Morgen zeitig im Nebel aufbrachen, um sie zu suchen.

Etappe II Trenta – Bovec

Länge: 20 km | Höhenmeter:  200 m positiv, 360 m negativ | Unsere Einschätzung der Schwierigkeit: Sehr steinige Wege, aber eine der schönsten Etappen. | Übernachtung: irgendwo am Fluss (In Bovec gibt es aber auch unzählige Campingplätze, Camp Liza & Kamp Toni liegen bspw. direkt am Wanderweg)

Oder: Die atemberaubendste, aufregendste, phantastischste Etappe des gesamten Trails. Als wir am frühen Morgen aufbrachen, lichteten sich bereits die Nebelschwaden, flogen in dünnen Schleiern über das Flussbett und gaben zaghaft nach und nach das Türkis der Soca und den Blick auf die mächtigen Berge des Triglav Nationalparks frei. Bereits wenige Kilometer nach Aufbruch schwoll der Bach zu dem wilden Fluss an, schlang sich durch das weiße Gestein und sprudelte hier und da in kleine Buchten.

Ein Highlight dieser Etappe war der märchenhafte moosüberwucherte Wald, der uns weit über den Fluss führte und – mit ein wenig Fantasie – hin und wieder seine Waldgeister offenbarte 😉 Ab Mittag säumten immer mehr Badebuchten den Wegrand, einige davon so tief, dass viele einheimische Kinder zum Springen & Baden gekommen waren. Da die Etappe trotzdem sehr lang und demnach auch recht anstrengend war, hielten wir auch immer wieder am Flussufer, um uns eine Weile im eiskalten Wasser zu erfrischen. Natürlich nicht ohne den ein oder anderen Sprung von einer der Brücken.

Eine der tollsten Badestellen liegt unterhalb der vorletzten Brücke, bevor man die Campingplätze von Bovec erreicht. Dort ist es vielleicht nicht so romantisch und einsam, dafür gibt es einen kleinen Strand aus feinen Steinen, die Brücke und Felsen, von denen man ins Wasser springen kann und hin und wieder kommen Kajakfahrer vorbei.

Unsere liebste Badestelle

Bovec: Bovec (und Kobarid) sind die Wassersport-Zentren schlechthin. Und ganz nebenbei hat es uns in dem Städtchen so gut gefallen, dass wir beschlossen, ein bisschen länger zu bleiben, um Canyoning zu testen und endlich mal wieder von einem Teller zu essen. Ein kleiner Tipp (für Wanderer): Gostilna Sovdat – sehr leckeres slowenisches Essen & riesige Portionen zum Sattwerden.

Übrigens: Unser Canynoning-Buddy hat uns sehr stolz erzählt, dass an diesem Berg in Bovec Die Chroniken von Narnia gedreht wurden.

Etappe III Bovec – Kamp Trnovo

Länge: 17 km | Höhenmeter: ca. 550 m positiv, ca. 600 m negativ | Unsere Einschätzung der Schwierigkeit: Ohne Hitzewelle unschwierig zu laufen | Übernachtung: Kamp Trnovo

Nach der letzten Etappe war diese eher eine kleine Enttäuschung. Das Flussbett wurde an dieser Stelle sehr breit und erst beim Kamp sprudelte sie wieder wild zwischen den Steinen umher. Vielleicht war es auch die drückende Hitze an diesem Tag, aber ich habe diesen Abschnitt als langwierig und zäh in Erinnerung. Es gab lange Abschnitte ohne Schatten und Rastmöglichkeiten, sodass wir uns schließlich mitten auf einem Geröllfeld ausruhten. Und obwohl die Steine stachen und es kaum möglich war zu sitzen, schliefen wir in wenigen Minuten ein, völlig erschöpft von der Hitze & Anstrengung. Erst als die Sonne ihren höchsten Punkt erreicht hatte, wurde es so unerträglich heiß, dass wir wieder aufwachten.

Meine Erinnerung ist aber vielleicht auch getrübt durch den schweren Unfall, den ein Junge im Kajak hatte, als wir gerade das Kamp erreichten. In kürzester Zeit hatten sich eine große Gruppe Slowenen versammelt, weinten, hielten einander die Hände. Gerührt von der Anteilnahme fragte ich eine Frau, ob sie den Jungen kenne. Sie verneinte, aber es sei nicht dass erste Mal, dass hier ein Unfall geschehe. Sie erklärte mir, dass alle gemeinsam auf den Hubschrauber warteten. „If the helicopter comes, he will get through. If the helicopter comes he is alive.“ Der Helikopter kam und in diesem Moment war es, als wäre nichts geschehen. Es wurden die Tränen weggewischt, man verabschiedete sich und alle gingen wieder zurück an ihre Arbeit.

Ein wichtiger Hinweis zur Etappe: Im Rother Wanderführer verläuft die Etappe bis nach Dreznica. Wir haben unsere Wanderung am Kamp Trnovo unterbrochen, da Dreznica keinen Campingplatz hat, und die Etappe – vor allem mit schwerem Gepäck – definitiv zu weit wäre.

Im zweiten Teil des Wanderführers geht es weiter nach Dreznica, Kobarid, Tolmin und Most na Soci… Zu geheimen Badestellen, zum Forelle Essen in strömendem Regen auf einem Dampfer, zu Wasserfällen und zum letzten Punkt unserer 500 Kilometer langen Reise vom Großglockner nach Slowenien.

Dieser Artikel ist Teil einer gerade entstehenden Serie über unseren Alpe Adria Trail. Trage Dich jetzt für den Newsletter ein, um keinen Artikel zu verpassen.

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