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Wandern in Slowenien: 85 Kilometer durchs Soca-Tal

Türkisblaues funkelndes Wasser und versteckte Badebuchten, heiße Sommernächte, das Zelt ganz dicht am Wasser… Ganz ehrlich: Eigentlich möchte ich gar nicht richtig verraten, wo dieses wunderbare Paradies versteckt liegt – denn für mich war der Soska Pot – der Soca Trail –  eine einzigartige Erfahrung und meine Erinnerungen sind wie ein kleiner Schatz, den ich hüte und beschütze, weil so viel Zauber auf ihm liegt. Andererseits möchte ich Dir kaum vorenthalten, wo und wie ich die mit Abstand schönsten Tage des Alpe Adria Trails verbracht habe und wie Du dieses Abenteuer auch erleben kannst. Natürlich bin ich aber nicht nur den eigentlichen Soska Pot von Trenta nach Bovec gelaufen, sondern bin der Soca über 85 Kilometer von ihrer Quelle bis nach Tolmin gefolgt, bevor ich dort meine einmonatige Wanderung schließlich beendete.

In diesem Beitrag findest Du eine Beschreibung der sechs Etappen, einschließlich aller Höhenmeter- und Kilometerangaben, Tipps zur Übernachtung und Hinweise, was Du unterwegs auf keinen Fall verpassen solltest. Solltest Du wie ich im Sommer unterwegs sein empfehle ich Dir auch allerwärmstens mehr als sechs Tage einzuplanen, um ausgiebig zu baden, die vielen wunderschönen Wasserfälle anzuschauen, Canyoning und Kajakfahren zu probieren und deinen eigenen Abenteuer-Wander-Wildnis-Bilderbuch-Sommer zu genießen!

Warum die Wanderung entlang der Soca so besonders war
oder: Warum Du unbedingt das Soca Tal in Slowenien kennenlernen musst

Natürlich war es nicht allein der Wanderweg durchs Soca Tal, der meine Erfahrungen und Erinnerungen so intensiv und berauschend werden lassen hat. Bevor ich die slowenische Grenze überschritt, war ich bereits knapp 400 Kilometer mit dem Zelt vom Großglockner durch die Alpen bis nach Italien gelaufen und hatte auch bereits die ein oder anderen Unwetter und Rückschläge überstanden. In diesen Tagen habe ich viele neue Erkenntnisse über mich und mein bisheriges Leben gewonnen, die mich, vor allem auf den letzten Kilometern meiner Reise, in einem kaum greifbaren Gefühl des Glück und der Erleuchtung durch Slowenien haben wandeln lassen.

Unabhängig davon bietet der slowenische Teil des Alpe Adria Trails natürlich eine fantastische Kulisse zum Wandern! Wenn ich an die Wanderung denke, dann denke ich nicht etwa an die zwickenden Muskeln und den Schweiß, sondern an das türkisblau funkelnde Wasser der Soca, die vielen versteckten Badebuchten und die Sprünge ins Wasser, das spektakuläre Bergpanorama der Julischen Alpen, an den selbstgemachten Honig, den die Imker verkauften, an die frisch gefangene Soca-Forelle, die ich mir in Bovec gegönnt habe, an meine Pausen-Tage, die ich mit Baden am Fluss Nadiza verbrachte, an die Zeltplätze im Wald und am Fluss ganz ohne lästige Parzellen und an die heißen Sommernächte unter diesem in Europa selten gesehenen Sternenhimmel. Und glaub mir, ich könnte ewig so weiter schwärmen…

Wenn Du mehr über das Soca-Tal erfahren möchtest, habe ich einen weiteren Artikel für Dich, in dem ich Dir meine 8 Highlights verrate, die Du – neben der Wanderung – auf keinen Fall verpassen darfst.

 

Wandern im slowenischen Soca Tal: Die wichtigsten Informationen im Überblick

Wanderführer

Ich habe mich während des gesamten Alpe Adria Trails an den Rother Wanderführer gehalten. Die Etappenbeschreibungen sind sehr detailliert und zuverlässig, ebenso wie die Kilometer- und Höhenmeterangaben. Aber: Die Zeit- und Schwierigkeitsangaben im Rother Wanderführer sind nicht für Wanderer mit viel Gepäck und Einsteiger konzipiert. Rechne, wenn Du nicht der neue Reinhold Messner bist, ruhig 2-3 Stunden auf die angegebene Zeit drauf. Wenn im Rother Wanderführer eine Etappe als “schwierig” eingestuft ist, dann informiere Dich über mögliche Ausstiegspunkte oder Übernachtungsmöglichkeiten an der Strecke, falls Du die Etappe doch nicht schaffen solltest.

Übernachtung

Im Gegensatz zum österreichischen Teil des Trails kannst Du überall richtig günstig zelten – ganz oft sogar direkt an der Soca. Meistens bieten die Camps auch Shuttelbusse in den nächsten Ort oder zum nächsten Bahnhof an.

Beschilderung

Keine Angst vor unzureichender Beschilderung! Ich habe mich nicht einmal verlaufen.

Wasser

Da alle Etappen an der Soca entlang führen, dürftest Du keine Probleme mit der Wasserversorgung haben. Das Wasser ist klar, eiskalt, erfrischend und sauber. Lediglich auf den Etappen nach Trenta und zum Kamp Trnovo hilft eine zweite Wasserflasche weiter, da große Teilabschnitte nicht am Wasser entlang führen. Denk aber immer daran: So sauber das Wasser auch ist, Verunreinigungen können immer dazu führen, dass Du dir einen unappetitlichen Keim einfängst (und das kann im Zweifelsfall auch sehr gefährlich werden). Entscheide also unbedingt selbst, ob Du nicht lieber Kohletabletten oder einen Filter benutzen möchtest, um dein Wasser zu reinigen.

Verkehrsmittel

Die gesamte Region ist durch ein Busnetz verknüpft. Von jedem einzelnen Etappenziel gibt es im Notfall einen Bus zum nächsten Ort. Auch Trampen war völlig unproblematisch. Vom letzten Etappenziel, Tolmin, kommst Du außerdem unproblematisch zum Bahnhof nach Most na Soci. Von dort fahren Züge in alle größeren umliegenden Städte in Italien und Österreich, sodass – solltest Du nicht mit dem Auto angereist sein – problemlos weiterreisen kannst.

Wassersport

Das Soca-Tal lebt vom Wassersport-Tourismus – und das solltest Du dir keinesfalls entgehen lassen! Wie wäre es mit Canyoning, Wildwasser-Rafting oder deiner ersten Kajakstunde? In Bovec und Kobarid findest Du jede Menge Anbieter. Such Dir einen, der Dich gut berät und stürz Dich ins Abenteuer!

 

Wandern mit Trekking-Rucksack & Zelt: Meine angepasste Wanderroute

Wie bereits erwähnt, habe ich mich während meiner gesamten Wanderung auf dem Alpe Adria Trail immer an den entsprechenden Rother Wanderführer gehalten, weil die Etappen darin sehr gut und detailliert beschrieben sind. Allerdings sind die Etappen nicht für mittelmäßig fitte Wanderer mit schweren Trekking-Rucksäcken konzipiert (ich bin zu diesem Zeitpunkt regelmäßig 10 Kilometer joggen gegangen und mein Rucksack hat mit Wasser etwa 13 Kilo gewogen). Deshalb war ich immer wieder gezwungen die Etappen anzupassen – ganz besonders im heißen Slowenien. Die folgenden Etappen sind mitunter also etwas verkürzt und enden aber in jedem Fall an einem Campingplatz. Ich kann Dir allerdings versprechen: Es ist überhaupt nicht schlimm, wenn Du Dir für die Strecke etwas mehr Zeit nimmst! Ganz im Gegenteil: Du wirst Dir wünschen, Du hättest dein Ziel bloß nicht so schnell erreicht 😉

  • Etappe I: Kranjska Gora – Trenta
  • Etappe II: Trenta – Bovec
  • Etappe III: Bovec – Kamp Trnovo
  • Etappe IV: Kamp Trnovo – Kobarid
  • Etappe V: Kobarid – Koca Na Planini Kuhinja
  • Etappe VI: Koca Na Planini Kuhinja – Tolmin

> Inzwischen habe ich meine Packliste sehr optimiert und mein Trekking-Rucksack ist um einiges leichter. Hier findest Du meine komplette Packliste fürs Wandern und all die Dinge, die Du zusätzlich brauchst, wenn Du längere Zeit und mit Zelt unterwegs bist.

Etappe I: Kranjska Gora – Trenta

Länge: 20 km
Höhenmeter: 820 m positiv, 1010 m negativ
Meine Einschätzung der Schwierigkeit: Mit meinem schweren Gepäck und bei den heißen Temperaturen kaum zu schaffen.
Übernachtung: Natura Eco Camp (Kranjska Gora), Kamp Triglav (Trenta)

Vrsic Pass: Das Tor zum Soca TalDiese Etappe des Alpe Adria Trails war die erste, die ich definitiv nicht geschafft hätte. Gerade als ich in Slowenien ankam, brach eine Hitzewelle über das Tal herein – 38 Grad und mehr und das länger als eine Woche. Obwohl ich extra sehr zeitig in Kranjska Gora losgelaufen war, war es bei dem steilen Anstieg über den Vrsic-Pass bereits zu heiß. Als die Sonne immer höher über den Berg stieg und das Wasser knapp wurde, habe ich – das muss ich leider zugeben – nicht mehr lang gezögert und habe mich per Anhalter über den Pass bis zur Soca-Quelle fahren lassen.

Die Soca-Quelle oberhalb von Trenta

An der Quelle drängelten sich viele Touristen – nicht weiter schlimm für mich, denn die meisten hielten lediglich mit dem Auto und gingen zur Quelle, sodass der Wanderweg nach Trenta weiterhin wenig belaufen war.

Nachdem ich endlich meine Wasserflasche wieder aufgefüllt hatte, konnten ich die letzten Kilometer der Etappe richtig genießen. Schon hier, etwas oberhalb von Trenta, führen bereits viele der typischen Hängebrücken über den Fluss. Trenta selbst ist ein winziges Dorf, das sich malerisch ins Tal fügt. Doch trotz der duftenden, sonnendurchfluteten Apfelhaine, konnte ich es kaum erwarten, endlich die Wildwasser und Wasserfälle der Soca zu finden.

Edit (12/2018): Heute ärgere ich mich sehr, dass ich die Etappe damals nicht geschafft habe. Wären an diesem Tag nicht mehr als 40 Grad gewesen – ich wäre natürlich auch diese vom ersten bis zum letzten Meter gelaufen. Inzwischen kann ich es kaum erwarten, im nächsten Sommer wieder dort zu sein und meine “Mission” zu vollenden – wenn es sein muss mit einer Übernachtung im Kamp ?? – noch etwas oberhalb von Trenta und etwa 3 Kilometer vor dem eigentlichen Ende der Etappe.

Etappe II: Trenta – Bovec

Länge: 20 km
Höhenmeter:  200 m positiv, 360 m negativ
Meine Einschätzung der Schwierigkeit: Sehr steinige Wege, aber eine der schönsten Etappen.
Übernachtung: In Bovec gibt es mehrere Campingplätze. Der schönste nennt sich Camp Vodenca und liegt etwas oberhalb von Camp Toni, den Du direkt erreichst, wenn Du dem Wanderweg folgst. Wenn Du zu Camp Vodenca willst, musst Du deine Wanderung an dieser Stelle beenden und durch Camp Toni hindurch laufen. Die Leute dort werden Dir sicher gern den Weg zeigen.

Diese Etappe ist der eigentliche “Soska Pot”/Soca Trail und gleichsam auch die mit Abstand schönste, aufregendste und fantastischste Etappe des Alpe Adria Trails. Als ich am frühen Morgen aufbrach, lichteten sich bereits die Nebelschwaden, flogen in dünnen Schleiern über das Flussbett und gaben zaghaft nach und nach das Türkis der Soca und den Blick auf die mächtigen Berge des Triglav Nationalparks frei. Bereits wenige Kilometer nach Aufbruch schwoll der Bach zu dem wilden Fluss an, schlang sich durch das weiße Gestein und sprudelte hier und da in kleine Buchten.

Ein Highlight dieser Etappe war definitiv der märchenhafte moosüberwucherte Wald, der mich hoch über den Fluss führte und – mit ein wenig Fantasie – hin und wieder seine Waldgeister offenbarte 😉 Ab Mittag säumten immer mehr Badebuchten den Wegrand, einige davon so tief, dass viele Kinder zum Springen & Baden gekommen waren. Da die Etappe trotzdem sehr lang und demnach auch recht anstrengend war, hielt ich auch immer wieder am Flussufer, um mich eine Weile im eiskalten Wasser zu erfrischen. Natürlich nicht ohne den ein oder anderen Sprung von einer der Brücken.Die beiden schönsten Badestellen dieser Etappe liegen kurz hinter den Campingplätzen in Lepena und wenige hundert Meter vor Camp Toni in Bovec. Letztere ist vielleicht nicht so romantisch wie die Badestelle hinter Lepena, dafür gibt es einen kleinen Strand aus feinen Steinen und eine Brücke, die Brücke und Felsen, von der man mit ein bisschen Mut ins Wasser springen kann.

Bovec: Bovec ist nicht nur sehr hübsche Städtchen, sondern auch das Wassersport-Zentrum des Soca-Tals. Mir hat es an beiden Orten so gut gefallen, dass ich beschloss, ein bisschen länger zu bleiben, um Canyoning zu testen und endlich mal wieder von einem Teller zu essen. Meine Tipps für einen entspannten Tag in Bovec: Eine Soca Forelle in der Gostilna Sovdat und natürlich Canyoning, Rafting, Kajakfahren und Zipline bei „Soca Rafting“.

Etappe III: Bovec – Kamp Trnovo

Länge: 17 km
Höhenmeter: ca. 550 m positiv, ca. 600 m negativ
Meine Einschätzung der Schwierigkeit: Ohne Hitzewelle unschwierig zu laufen
Übernachtung: Kamp Trnovo

Diese Etappe führt laut Wanderführer eigentlich von Bovec bis in das Dörfchen Dreznica. Allerdings ist diese Etappe wirklich sehr lang und es gibt in Dreznica und nächster Nähe keinen Campingplatz. Deshalb entschied ich mich, diese Etappe bereits nach 17 Kilometern am Kamp Trnovo zu beenden. Doch zugegeben: Diese Etappe ist – einmal abgesehen von Slap Virje kurz hinter Bovec – nach dem atemberaubenden Soska Pot eher eine kleine Enttäuschung. Das Flussbett wurde hinter Bovec sehr breit, der Wald wich kahlen Wanderwegen und erst beim Kamp sprudelte die Soca wieder wild zwischen den Steinen umher.

Kajakfahrer am Kamp Trnovo

Vielleicht war es auch die drückende Hitze an diesem Tag, aber ich habe diese Etappe als wirklich langwierig und zäh in Erinnerung. Es gab lange Abschnitte ohne Schatten und Rastmöglichkeiten, sodass ich mich schließlich mitten auf einem Geröllfeld ausruhen musste. Und obwohl die Steine stachen und es kaum möglich war zu sitzen, schlief ich in wenigen Minuten ein, völlig erschöpft von der Hitze und der Anstrengung. Erst als die Sonne ihren höchsten Punkt erreicht hatte, wurde es so unerträglich heiß, dass ich (zum Glück!) wieder aufwachte. Auch das leergefegte Örtchen am Kamp selbst war nicht sonderlich spannend, sodass ich den restlichen Nachmittag nutzte, um in aller Ruhe am Fluss zu lesen.

Etappe IV: Kamp Trnovo – Kobarid

Länge: 14,6 km
Höhenmeter: ca. 345 m positiv, ca. 385 m negativ
Meine Einschätzung der Schwierigkeit: Ohne Hitzewelle unschwierig zu laufen
Übernachtung: Kamp Rut

Diese Etappe ist ebenfalls eine andere als im Wanderführer beschrieben. Laut diesem würde man jetzt – vom Kamp Trnovo – direkt nach Tolmin laufen ohne dabei durch Kobarid zu kommen. Abgesehen davon, dass auch diese Etappe zu lang und mit über 1000 positiven Höhenmetern zu schwer gewesen wäre, hätte ich so auch Kobarid verpasst – und damit die schönsten Tage meiner Wanderung. Deshalb entschied ich mich, die letzten Kilometer der vorherigen Etappe nach Dreznica zu laufen (die zugegeben nicht viel spektakulärer waren als die Etappe zuvor) und eine ausgedehnte Pause in dem schönen Dorf zu machen, bevor ich die geteerte Straße runter nach Kobarid nahm. Wenn Du in Dreznica bist, solltest Du dir unbedingt die Zeit nehmen durch die engen, verschlungenen Gassen, vorbei am Brunnen, hinauf zur Kirche zu gehen. Von dort hast Du einen wirklich schönen Blick ins Tal und auch die Kirche selbst ist einen Blick ins Innere wert.

Dreznica: Dieses Bild habe ich ein Jahr später während eines Roadtrips aufgenommen

Wenn Du nun die geteerte Straße nach Kobarid nimmst (Du kannst sie, wenn Du eine Karte hast gar nicht verfehlen), kommst Du vorbei am Kamp Koren (einem eher weniger schönen Campingplatz), überquerst die Soca auf der Napoleon Brücke und erreichst das untere Ende der Stadt. Von Dreznica bis zu dieser Stelle sind es etwa 5,5 Kilometer (bergab). An dieser Stelle darfst Du dich nicht abschrecken lassen – die hübsche Stadt liegt einen knappen Kilometer oberhalb. Wenn Du an dieser Stelle noch nicht außer Puste bist, habe ich einen echten Geheimtipp für Dich: Nur 1,6 Kilometer von der Touristinformation entfernt liegt das Kamp Rut – der mit Abstand schönste Campingplatz auf dem ich übernachtet habe. Hinter Wiesen und Bäumen versteckt liegt die kleine, familiäre Anlage mit ihren natürlichen, terassenartigen Campingplätzen genau zwischen den Bäumen. Hier habe ich mich wirklich sehr wohl gefühlt und habe nicht einen Tag bereut, “so weit” außerhalb des Zentrums zu schlafen – auch, wenn ich abends unbedingt eine Stirnlampe brauchte, um im Dunkeln den Weg zu finden 😉  

Auf der Napoleon Brücke kurz vor Kobarid

Kobarid: Auch Kobarid hat mir so gut gefallen, dass ich es nicht übers Herz brachte, gleich am nächsten Tag weiterzulaufen. Im Ort gibt es ein wirklich herausragend gutes Museum zum Zweiten Weltkrieg, nur etwa eine halbe Stunde idyllischen Fußmarsch von Kamp Rut entfernt liegen die hübschen Badestellen an dem deutlich wärmeren Fluss Nadiza und gegenüber des Supermarkts bekommst Du in einem kleinen Biergarten besten slowenischen Wein für 70 Cent pro Glas. Drei gute Gründe also, um etwas länger zu bleiben 😉

 

Etappe V: Kobarid – Koca Na Planini Kuhinja

Länge: 14,5 km
Höhenmeter: ca. 1066 m positiv, ca. 347 m negativ
Meine Einschätzung der Schwierigkeit: Sehr, sehr anstrengend!
Übernachtung: Koca Na Planini Kuhinja

Die Etappe, die nun folgte war eine große Herausforderung. Doch trotz jedes einzelnen schweißtreibenden Höhenmeters habe ich es keine Sekunde bereut nach Kobarid gelaufen zu sein. An diesem Tag musste ich vom Kamp Rut zurück nach Dreznica, wo ich den Alpe Adria Trail verlassen hatte und wanderte von dort bis nach Koca Na Planini Kuhinja, einer kleinen Hütte kurz hinter dem höchsten Punkt der Etappe. Die Etappe, wie sie im Wanderführer beschrieben ist, führt eigentlich von Dreznica bis nach Tolmin, doch diese Strecke wäre durch meinen Umweg nach Kobarid für mich unmöglich schaffbar gewesen.

Von Dreznica führt der Weg die meiste Zeit immer steil bergauf durch Wald zur Italienischen Kapelle. Da auch dieser Tag immer noch sehr heiß war, kann ich Dir von dieser Etappe kaum von mehr erzählen, als meinem Glück, als ich endlich die Kapelle und damit auch (fast) den höchsten Punkt dieser Etappe erreichte. Von dort aus waren es nur noch etwa 2,5 Kilometer bergab zur Hütte. Für gerade einmal 11 Euro (als DAV-Mitglied) bekam ich einen Schlafplatz in dem urigen, kleinen Haus und genoss jede Minute des verbleibenden Tages den fantastischen Ausblick auf das umliegende Bergpanorama.

 

Etappe VI: Koca Na Planini Kuhinja – Tolmin

Länge: 8,3 km
Höhenmeter: ca. 85 m positiv, ca. 902 m negativ
Meine Einschätzung der Schwierigkeit: Unschwierig zu laufen
Übernachtung: Camp Gabrje (Das Camp bietet einen Shuttleservice zum Busbahnhof in Tolmin und zum Bahnhof in Most na Soci an)

Diese Etappe nach Tolmin begann für mich mit Bauchschmerzen. Es war die letzte Etappe meiner vierwöchigen Wanderung. Knapp 500 Kilometer war ich in den letzten 28 Tagen gelaufen – vom Großglockner durch Kärnten, über die italienische Grenze und weiter nach Slowenien, durch das Soca Tal und schließlich zu meinem vorletzten Etappenziel. An diesem Morgen plagten mich viele Gedanken. Ich hatte keine Sehnsucht mehr nach meinem Bett, ich hatte nur noch Angst vor dem, was mich erwarten würde, wenn ich zurück kehrte. Alltag, Materialismus, unerledigte Arbeiten, ich selbst würde dort auf mich warten – und mein Leben, wie ich es vor dem Trail geführt habe. Glaub mir, ich wollte nicht nach Hause. Jeder einzelne Muskel (und vor allem mein Magen) haben sich gesträubt, den ersten Schritt der letzten Etappe zu laufen.

Was folgte, waren einige triste Kilometer, auf denen ich den Wald, durch den ich lief, gar nicht richtig genießen konnte. Erst, als ich fast am Ende der Etappe wieder auf die Soca stieß, erwachte ich aus meinem grauen Gedanken. Hier in Tolmin fließt die Soca inzwischen als starker, breiter Fluss und an manchen Stellen musste ich sogar ziemlich gut aufpassen, dass mich die Strömung nicht mitriss. Ende der kurzen Etappe war das Camp Gabrje, ein Campingplatz direkt am Fluss, etwas außerhalb des kleinen Städtchens Tolmin.

Auf den letzten Metern nach Tolmin

Nachdem ich mein Zelt direkt am Fluss aufgebaut und ein nettes polnisches Paar kennengelernt hatte, das mit mir Runde um Runde Kakerlakenpoker (wtf!?) spielte und mich zum Grillen einlud beschloss ich: Das konnte nicht der letzte Tag gewesen sein.

Mein „Festessen“ nach 500 gelaufenen Kilometern

Vielleicht schüttelst Du jetzt den Kopf, aber ich ließ mein Zelt noch zwei weitere Tage stehen, bevor ich mich schließlich doch losriss und zum Bahnhof nach Most Na Soci fuhr (wo ich mir natürlich nicht eine letzte Fahrt auf der Soca mit einer besonders leckeren Soca Forelle entgehen ließ). Die Zeit bis dahin verbrachte ich mit der Suche nach der schönsten Badestelle, polnischem Kakerlakenpoker und in den Tolminer Klammen, die ich gleich zwei Mal besuchte, einfach, weil es mir dort so gut gefiel.


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