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Der schönste Ort in Kuba: Viñales

Das Valle de Viñales war neben Trinidad mein ganz persönlicher Lieblingsort auf meiner Reise durch Kuba. Hier habe ich ein kleines Stück von meinem Herz gelassen und denke auch jetzt, ein Jahr später, immer noch mit einem Lächeln zurück an den Geruch des Essens, das mir meine Gastfamilie gekocht hat, an die Hitze bei meiner Wanderung durch das Tal, an den Geschmack der Zigarre und an das Geräusch, als hunderte selbstgemachte Holzperlenketten auf dem Markt im Wind geklimpert haben. Klingt zu kitschig? #sorrynotsorry genau so idyllisch war es in Viñales.

Wie Du hinkommst

Nach Viñales kommst Du ziemlich easy mit den Viazul-Bussen. Die Busse fahren zweimal täglich von Havanna nach Pinar del Rio, Las Terrazas und weiter nach Viñales. Solltest Du also Pinar del Rio oder Las Terrazas auf deiner Reise sehen wollen, kannst Du die beiden Orte bequem mit in deine Route einbinden. Von Viñales aus kannst Du mit den Viazul Bussen zurück nach Havanna, aber auch weiter nach Cienfuegos und Trinidad. Allerdings fahren keine Busse von Trinidad nach Viñales. Eine Fahrt von Havanna kostet etwa 12 USD, von Viñales nach Trinidad zahlst Du 37 USD.

Vinales

Casa Kunterbunt

Die Busse kannst Du bequem vorab auf der Website reservieren. Im Kuba-Reiseguide habe ich jede Menge Tipps zum Bus fahren, alternativen Fortbewegungsmitteln und allen anderen wichtigen Themen. Außerdem habe ich einen Beitrag zur optimalen Reise-Route für zwei Wochen in Kuba geschrieben. Dort kannst Du nachlesen, wie sich Viñales am besten einbinden lässt und welche Orte Du noch sehen solltest.

Übernachten in Viñales

In Viñales gibt es keine Hotels. Hier übernachtest Du in den typischen Casas Particulares, also in den Gasträumen der Locals. Wie genau Du die Casas buchen kannst und wie Du sie findest, habe ich detailliert im Reiseguide zu Kuba erklärt.

 

Wanderfolk airbnb

Diese 5 Dinge musst Du in Viñales erlebt haben

#1 Eine Wanderung durchs Valle de Vinales

Die Wanderung durch das Tal von Viñales war eines der schönsten Erlebnisse meiner Reise. Die solltest Du, wenn Du viel sehen möchtest aber auf keinen Fall allein machen, denn dann würdest Du dich mit Sicherheit verlaufen. Einen Guide findest Du ohne Probleme im Touristen-Büro gegenüber der kleinen Kirche (das kannst Du gar nicht übersehen) oder Du fragst die Besitzer deiner Casa Particular.

Die Wanderungen führen auf den vielen verschlungenen Feldwegen über rote, staubige Erde durch das Tal, entlang von Feldern und vorbei an Bergen und kleinen Bauernhöfen. Es ist unglaublich spannend, den Bauern bei ihrer Arbeit auf dem Feld zuzusehen und dabei die unbeschreibliche Landschaft, die Stille und die Hitze zu genießen.

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Tabakpflanzen

Wenn Du Glück hast, erklärt Dir dein Guide sicher auch gern, welche Pflanzen am Wegrand stehen. Eine der Pflanzen (leider habe ich ihren Namen vergessen), die im Tal wächst, duftet, wenn man ihre Früchte anschneidet, als hätte man seine Nase in Marzipan getaucht. Eine andere sieht aus wie winzige Zucchini und schmeckt, als hätte man ein Zitronen-Bonbon auf der Zunge.

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Die Pflanze, die so gut nach Marzipan duftet

Und wenn Du ganz verrückt und kletter-affin bist, kannst Du aber auch am Nachmittag allein oder mit Locals zu dem bekannten Kletter-Spot an der Fledermaus-Höhle losziehen (klingt fast wie aus einer Folge der Drei ???). Dort hängen Kletterer und Locals rum, die die steile Felswand hochklettern und sich dann von oben fallen lassen, um wie an einer Riesenschaukel an den ewig langen Seilen dem Himmel entgegenzuschwingen. Das sah ziemlich spannend und nach verdammt viel Spaß aus! Sollte ich jemals wieder nach Viñales kommen, werde ich die Kletterschuhe einpacken 😉

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#2 Ein Spaziergang durch die Stadt und über den Markt

Mindestens genauso spannend wie die Wanderung ist ein Spaziergang durch die kleine Stadt. Hier in Viñales gibt es keine Hotels und abgesehen von einem kleinen Viazul Büro und dem Markt auch sonst keine touristischen Einrichtungen. Hier gibt es nur das typisch kubanische Leben. Einen Mann, der seinen Esel spazieren führt, Menschen, die mit einem Traktor, der zum Bus umfunktioniert wurde von Arbeit kommen, Ochsen- und Pferdekarren neben Oldtimern, die Pferdebesitzer und Bauern, spielende Kinder und Frauen in Schaukelstühlen vor den bunten Fassaden ihrer Häuser.

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Hier überholt schon mal ein Pferdekarren ein Auto

In einer Nebenstraße stehen Verkäufer, die wunderschöne handgefertigte Souvenirs und Zeichnungen verkaufen. Die typisch kubanischen Souvenirs wie Zigarrenschneider und Zigarrenboxen findest Du hier zwar auch, aber die Unikate überwiegen. Wenn Du also Souvenirs und Schmuck kaufen möchtest, solltest Du es hier tun.

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Linienbus

Am Abend kannst Du in der ein oder anderen kleinen Bar wunderbar essen gehen und Mojitos trinken.

#3 Lass Dich bekochen

Wenn Du allerdings mal auf ein Abendessen in einer Bar verzichten kannst, solltest Du dich unbedingt in deiner Casa Particular bekochen lassen. Ich hatte riesiges Glück und die Besitzer meiner Casa haben mir ein Abendessen angeboten. Ich hatte, wie in Mittelamerika üblich, Bohnen und Reis erwartet und wurde aber mit einem Essen überrascht, das mir ewig in Erinnerung bleiben wird: Es gab Bohnensuppe und Gemüseeintopf, Maniok und frisch gefangenen Fisch, Reis, Obst und Salat.

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Es war schon dunkel, deswegen sieht das Bild leider ein bisschen unappetitlich aus. Trotzdem will ich euch unbedingt zeigen, wie reich gedeckt der Tisch war.

Glaubt mir, ich wäre beinah geplatzt. Es war so rührend, wie viel Mühe sich das Ehepaar, bei dem ich gewohnt habe, mit dem Essen gemacht haben und ich fühle mich, wenn ich mich daran zurückdenke, noch immer demütig, weil dieses Essen so viel besser war als das, was wohl einige Kubaner selbst am Abend auf dem Tisch stehen haben.

#4 Besuche einen Tabakbauern

Ein Besuch bei einem Tabak- und Kaffeebauern darf auf keinen Fall fehlen. Während meiner geführten Wanderung besuchten mein Guide und ich einen seiner befreundeten Tabakbauern. Mitten in der Mittagshitze machten wir also bei frischen Orangen und einem kalten Glas Wasser eine kleine Pause auf dem Hof des Bauern. Er erklärte mir die verschiedenen Arten der Tabakblätter und welche Sorte sich am besten für welche der drei Schicht eignete.

Aus verschieden gefärbten Blättern rollte er Einlage, Umblatt und Deckblatt und schnitt die Zigarre zurecht. Das Mundstück tauchte er schließlich in Honig, und zog sie an. Als Nichtraucher fällt es mir sehr schwer, den Geschmack zu vergleichen, aber die Zigarre schmeckte süß und mild, nicht annähernd, wie eine Zigarette. So gut die Zigarre mit dem Honig aber auch war, alleine hätte ich sie bei der Hitze kaum rauchen können.

Umso mehr habe ich mich gefreut, dass der Bauer seinen Besuchern ein kleines Bündel aus zehn Zigarren verkauft, sodass ich meinen Freunden und mir ein kleines Andenken mitnehmen konnte.

#5 Trink einen Kaffee (Spoiler: Eines meiner schönsten Reiseerlebnisse, das ich je hatte)

Am Abend, nach einer erholsamen Pause nach der langen Wanderung traf ich mich mit meinem Guide wieder, um einen befreundeten Kaffeebauern zu besuchen. Immer wieder hatte mein Guide während der Wanderung von Kaffee erzählt… also war ich neugierig, wie der Kaffee, von dem er so schwärmte, wohl schmecken würde.

Als ich losging, hatte ich keine Ahnung, dass ich gleich eine der wohl schönsten Begegnungen auf dieser Reise machen würde. Es dämmerte bereits und der Himmel war rosa, als wir auf den schmalen Feldwegen auf einer kleines Haus zusteuerten. Es war türkis, und der Eingang war behangen von leuchtend pinken Blüten. Ein paar Meter entfernt standen ein paar Pferde. Das warme Licht brach durch die hellgrünen Blätter der Bäume, fiel auf das Haus mit seiner Wäscheleine und tauchte die ganze Szenerie in eine Wärme, die man bis in Herz spüren konnte.

Noch bevor wir seinen Freund trafen, erhaschte ich einen Blick durch die offenen Türen. Ein Europäer würde das, was ich da sah, wohl als ärmlich bezeichnen, ich nenne es wundervoll einfach. In Kuba hatte ich gelernt, dass die Menschen sehr stolz waren und sich selbst wohl kaum als arm bezeichnen würden. In der Küche, die ich sah, war nichts außer einer einfachen Spüle ein paar Töpfen, Tellern und Pfannen. Und dahinter: Der wohl fröhlichste, freundlichste Mensch, den ich je gesehen habe. Dort stand er, der alte Mann ohne Zähne, in einem offenem Hemd und einem Lachen von einem Ohr zum anderen, das jeden ansteckt und die Sonne zurückbringen würde, ganz egal, wie dick die Regenwolke gerade ist.

Mein Guide erklärte ihm, dass ich gern seine kleine Plantage sehen würde und seinen Kaffee probieren möchte. Mit noch breiterem Grinsen holte er ein paar geröstete Bohnen hervor. Während ich durch die Mango-, Ananas-, Kaffeepflanzen seiner kleinen Plantage hinter dem Haus schlich, mahlte er die gerösteten Bohnen in seiner Kaffeemühle und übergoss das feine Pulver mit Wasser. Heraus kam ein starker Espresso, fast süßlich und so lecker, dass ich ihn heute fast noch schmecke, wenn ich nur daran denke.

Dieses Erlebnis ist eines der einprägsamsten aller Reisen, die ich bisher unternommen habe. Nicht etwa wegen des guten Kaffees, sondern weil ich hier an diesem kleinen Haus, in dem kaum mehr zu finden war, als das, was man gerade zu Leben braucht, einen Menschen getroffen habe, so viel freundlicher und glücklicher als die, die mehr Dinge in einen Koffer packen können, als dieser Mensch besitzt.


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