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Tiflis [Tbilisi]: 4 Tage in der Hauptstadt Georgiens

Tiflis Tbilisi

Tiflis [Tbilisi], die wundervolle Hauptstadt Georgiens: Diese Stadt hat mich sehr berührt und ist mir mit all ihren Kontrasten wirklich nachhaltig im Gedächtnis geblieben. Es ist unglaublich schwer das Land zu beschreiben, noch schwerer aber, die Hauptstadt zu erfassen, in der jeder erdenkliche Gegensatz, den das Land am Kaukasus zu bieten hat, auf kleinstem Raum aufeinanderprallt. Armut und Reichtum, Moderne und Tradition, Oreo-Kekse neben lebenden Gänsen auf dem Markt, orientalische Bazarkultur neben H&M, schnieke Luxusapartments neben zerfallenen Häusern, unzählige Kirchen neben Strip Clubs, Überbleibsel des Kommunismus, Tristesse und Kriegserinnerungen neben den bunten Fassaden des Bäderviertels, der Chinkali-Stand neben Dunkin Donuts. Glaub mir, diese Aufzählung ist schier unendlich. Wenn Du mehr über Georgien lesen möchtest, findest Du in meinem Reiseguide viele spannende Hintergrundinformationen.

Hier, in diesem Beitrag, findest Du aber erst einmal alle wichtigen Informationen zur Stadt: Wie Du hinkommst, wie Du dich innerhalb der Stadt fortbewegen kannst, wo Du übernachten und essen kannst und welche großartigen Sehenswürdigkeiten Tiflis zu bieten hat. Im letzten Punkt findest Du eine Liste mit tollen Tagesausflügen von Tiflis aus und eine kleine Beschreibung meines Ausflugs zum Kloster David Gareja [Dawit Garedscha].

Anreise: So kommst Du nach Tiflis [Tbilisi]

Wenn Du nicht schon in Georgien bist, erreichst Du Tiflis mit dem Flugzeug von den meisten deutschen Flughäfen. Da es nach Tiflis aktuell aber nur Gabelflüge (meist über Istanbul) gibt, empfehle ich Dir wärmstens, deine Reise mit WizzAir in Kutaisi zu beginnen. WizzAir fliegt Kutaisi bspw. von Berlin direkt an. Was Du in Kutaisi alles sehen kannst und warum sich die Reise dorthin so sehr lohnt, kannst Du im passenden Beitrag nachlesen.

Solltest Du trotzdem im Tiflis landen, findest Du vor dem Flughafen problemlos ein Taxi, das dich in die Innenstadt bringt. Achte aber darauf, dass Du nicht mehr als 25 Lari für eine Fahrt bis zum Bereich des Rustaweli-Boulevard bezahlst.

Typischer Autobahnverkehr auf dem Weg in die georgische Metropole

Wenn Du dich schon in Georgien aufhältst, erreichst Du Tiflis täglich von nahezu jedem Ort aus. Solltest Du von Batumi oder Kutaisi aus anreisen, lohnt sich eine Fahrt mit dem Zug, andernfalls bringen Dich die Marschrutkas (meist) zum Didube-Bahnhof etwas außerhalb der Innenstadt. Der Bahnhof ist jedoch an das Metro-Netz angebunden, sodass Du easy die Innenstadt erreichst.

 

So lang solltest Du in Tiflis [Tbilisi] bleiben

Dieses Thema bringt mich immer wieder in einen fürchterlichen Zwiespalt: Auf der einen Seite möchte ich selbst nicht von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit springen und schon gar niemanden ermutigen das zu tun. Andererseits bin ich mir natürlich darüber bewusst, dass die Urlaubstage oftmals eben einfach knapp sind (auch unsere, wenn Michael und ich zusammen reisen). Solltest Du also auch nur wenig Zeit haben, empfehle ich Dir drei Tage für die Stadt selbst und jeweils einen weiteren Tag für jeden Tagesausflug. Solltest Du ein paar mehr Tage zur Verfügung haben, wird Dir auch in fünf und sechs Tagen ganz sicher nicht langweilig.www.airbnb.de/c/magdal8

 

 

Übernachten in Tiflis [Tbilisi]

Während im restlichen Georgien die touristische Infrastruktur nur wenig vorhanden ist, kannst Du in Tiflis wie gewohnt schnieke Hotels, Hostels und Airbnbs im Überfluss buchen. Wir haben uns auch hier für ein Airbnb entschieden, weil es jedes Mal so spannend ist, schon am ersten Tag einen so intimen Einblick in das Leben der Einheimischen zu bekommen.

Unser Airbnb lag im hübschen Viertel Sololaki, dem Jugenstil-Viertel gleich neben der Altstadt. Ein bisschen sieht es dort aus, wie in einem sowjetischen Paris – bröckelnder Putz an reich verzierten Villen, Rost an schwungvoll gestalteten Balkonen, aufgerissene Fußwege zwischen malerischen Gassen. Wir haben uns in diesem Viertel zu jeder Zeit sehr sicher gefühlt und hatten mit unserem Airbnb einen tollen Ausgangspunkt für alle Spaziergänge und Ausflüge zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt.

 

Unterwegs in Tiflis [Tbilisi]

In Tiflis von A nach B zu kommen ist ziemlich easy. Viele Strecken kannst Du problemlos erlaufen, für alle weiteren Wege (vor allem zum Derzerter Bazar, zu den Bahnhöfen und in die Neustadt) kannst Du die Metro nutzen oder im Zweifelsfall ein Taxi nehmen. Auch, wenn die Abstände der Metro-Haltstellen um einiges größer sind als in anderen europäischen Großstädten, waren die Fußwege nie zu lang, um alle Orte zu erreichen, die wir sehen wollten. Die Busse, die ein weitaus engeres Netz haben als die Metro, haben wir nie benutzt, da es durch die russischen Schriftzeichen wirklich schwer ist, die richtige Linien und Haltestellen zu finden.

Reiseguide GeorgienGanz wichtig: Für Bus und Metro brauchst Du in jedem Fall eine Metrokarte, die Du für 2 Lari an allen Metrohaltestellen bekommst. Dort kannst Du an den orange-weißen Automaten oder bei den netten Verkäufern am Schalter Guthaben aufladen. Eine Fahrt mit der Metro kostet 50 Tetri, eine Fahrt mit der Seilbahn 1 Lari. Die Metrostationen sind in den meisten Fällen auch in lateinischer Schrift ausgewiesen, sodass Du überhaupt keine Probleme haben solltest, Dich zurechtzufinden.

 

Essen und Trinken in Tiflis [Tbilisi]: Ein kleiner Foodguide

Nachdem das uns das restliche Georgien zwar mit sehr leckeren Gerichten überrascht hat, hatten wir, als wir nach Tiflis kamen, trotzdem ausreichend Chinkali gegessen, um uns wieder sehr über Salate, Suppen, Fisch, Gemüse und neue georgische Leckereien zu freuen. In Tiflis findest Du jedenfalls alles, was dein Herz begehrt: Vegane Restaurants, leichte Küche, traditionell georgisches und im Zweifelsfall auch einen Donut.

Café PurPur

Ganz besonders haben uns diese Cafés und Restaurants gefallen: 

  • Café Pur Pur (Kaffeetrinken inmitten eines Blumenmeers)
  • Art-Cafe HOME (unterhalb des Betlemi Viertels mit einer tollen Rooftop-Bar)
  • Cafe Leila (sehr sehr leckere Suppen und Salate in kitschig, romantischer Atmosphäre)
  • Chela Furnicular (Das Restaurant am Mtasminda Park serviert richtig leckere Forelle)
  • Restaurant EZO im Stadtviertel Sololaki (regionale und saisonale georgische Küche)
  • Restaurant Barbarestan in Neu-Tiflis (traditionell georgische Küche in angenehm kleinen, sehr hübsch angerichteten Portionen)

Die Altstadt

Wow, wo soll ich anfangen und wo soll ich aufhören!? Wenn ich an die Altstadt von Tiflis denke, denke ich vor allem, an die hölzernen Balkone und bunten Mosaike an den Fassaden des Bäderviertels, die unzähligen kleinen, versteckten Kirchen, die Gärten, Treppen und Backsteingebäude des Betlemi-Viertels, den Geruch der Schwefelbäder, die Jugendstilvillen von Sololaki und die Katzen, die sich auf den Dächern und Fenstern räkeln, als wären sie nur dafür da, das Stadtbild den letzten romantischen Feinschliff zu geben.

Ein ganz besonders schönes Haus ist natürlich das des Puppentheaters und bestimmt hast Du schon einige Bilder davon gesehen. Hier kannst Du übrigens wirklich laufende Aufführungen besuchen und Dich für kurze Zeit vom Zauber des Puppentheaters in eine völlig fantastische Welt entführen lassen.

Schwefelbäder

Einen bedeutenden Teil der Altstadt bilden die berühmten Schwefelbäder mit ihren Mosaikfassaden und runden Türmchen. Nimm Dir hier unbedingt ein bisschen Zeit, um durch die Gassen zu streifen und um selbst eines der Bäder zu besuchen. Hier ist es möglich für vergleichsweise wenig Geld ein privates Schwimmbecken zu mieten und sich in dem warmen, wohltuenden Wasser, umgeben von der aufregenden Architektur der orientalisch anmutenden Bäder zu entspannen.

Eines dieser Schwefelbäder ist das Chreli Abano. Für 40 bis 500 Lari pro Stunde kannst Du dort private Bäderäume in jeder erdenklichen Größe mieten. Von den traditionellen Massagen rate ich Dir, solang Dir noch keine Hornhaut auf dem Rücken gewachsen ist, jedoch unbedingt ab, denn die sind in den meisten Fällen so grob, dass sie wohl eher Tortur als Wellness sind.

 

Betlemi Viertel

Einer meiner liebsten Orte in Tiflis ist das Betlemi Viertel der Altstadt. Die Betlemi-Treppen und damit der Zugang zu dem hoch gelegenen Viertel mit seinen Kirchen und Gärten liegt ein bisschen versteckt im Stadtviertel Sololaki an der Straße Lado Asatiani. Von dieser siehst Du bereits die untere Betlemi Kirche, an der die Stufen vorbei zur oberen Betlemi Kirche führen.

Einmal oben angekommen, hatten wir von den Gärten der Kirche einen großartigen Blick auf die Stadt. Ganz besonders bezaubernd ist aber die Architektur der alten und krummen Holzhäuser, die links und rechts der engen verschlungenen Gassen stehen und trotz ihrer bunt bemalten Fassaden und kunstvollen Glasfenster anmuten wie gebrechliche alte Frauen und Männer, denen ein Stock fehlt, um sich im Wind zu halten.

Dieses Viertel war lange Zeit der Wohnort zumeist jüdischer Handwerker. Ein ganz besonderes Bauwerk ist der Ateschgah Tempel, ein persisch-zoroastrischer Feuertempel aus dem 5. Jahrhundert, der deshalb lange Zeit als Moschee genutzt wurde. Heute zählt er zu den wenigen erhalten gebliebenen Feuertempeln.

 

Mtstsminda Park

Wenn Du einmal im Sololaki Viertel unterwegs bist ist es auch nicht mehr weit zur Furnicular, der Seilbahn, die zum Mtatsminda Park führt. Von dort oben hast Du nicht nur einen atemberaubenden Ausblick über die ganze Stadt, sondern Du findest dich außerdem in einem fast surreal wirkenden, alten Freizeitpark wieder. Glaub mir, diese Atmosphäre wird dich ganz sicher an den Beginn mancher Horrorfilme erinnern.

Auch, wenn viele Bereiche und Fahrgeschäfte 2009 restauriert und erweitert wurden, ist dieser 100-jährige Park (zumindestens in der Nebensaison) so ausgestorben wie eine Geisterstadt. Doch genau diese Gegebenheiten prägen erst den morbiden Charme, der über dem Park schwebt wie ein Geist über seinem Spukschloss. Fahrgeschäfte, die darauf warten endlich bewegt zu werden, knarzende Schaukeln, verlassene Geisterhäuser und eine Achterbahn, die einsam für jede einzelne Person fährt, die sich bis ans Ende des Freizeitparks verirrt.

 

Derzerter Bazar

Wenn Du schon den ein oder anderen Artikel von mir gelesen hast, kennst Du wahrscheinlich meine große Liebe für Märkte. Ich finde es immer unglaublich spannend zu sehen, was die Menschen in fremden Ländern essen, welche Gewürze sie benutzen, zu beobachten, wie die Leute einkaufen und wie sie miteinander sprechen und Dinge zu finden, die mir als Tourist sonst wahrscheinlich verborgen bleiben würden.

Auch hier auf dem Derzerter Bazar gab es so viele interessante Szenen zu entdecken: Ein Sägenschleifer, der in Akkordarbeit stumpfe Sägen in einer selbstgebauten Maschine schliff, alte, fast gebrechliche Männer, die mit der Kraft eines Elefanten schwere Schubkarren vor sich her schoben, Transporter bis zum Anschlag gefüllt mit Kohl, müde Gesichter der Verkäufer, die scheinbar schon Lebzeiten darauf warten, endlich eine Wagenladung Kartoffeln zu verkaufen, riesige Kräuterberge, die manchmal nur noch die Gesichter der Frauen dahinter erkennen lassen, geschickte Hände, die in Sekundenschnelle Walnüsse aus ihrer Schale holen ohne auch nur ein winziges Teil zu brechen, eimerweise bunte Gewürze, Gänse und Hühner, die in Scharen vor ihren Käfigen stehen und in Pfützen baden…

Der König von Tbilisi: Mein liebstes Bild aus Georgien

Wenn ich an den Bazar denke, schlägt mein Herz viel höher – ganz bestimmt nicht der Armut wegen, die hier überall so sehr erkennbar wird, sondern wegen des schieren Reichtums an wunderbaren Lebensmitteln, der Lebendigkeit des Markttreibens und des so intimen und authentischen Einblicks in das Leben der Menschen, den uns der Derzerter Bazar geschenkt hat.

 

Dry Bridge Flohmarkt

Mindestens genau so spannend (wenn auch auf eine ganz andere Weise) wie der Derzerter Bazar ist der Flohmarkt an der Dry Bridge. Hier geht es um einiges ruhiger zu, dafür findest Du aber kuriose und manchmal auch verstörende Dinge. Während am vorderen Teil des Marktes hauptsächlich Künstler ihre Bilder anbieten, findest Du im hinteren Teil jede Menge Schmuck und Nippes aus georgischen Haushalten. Porzellanfiguren, Geschirr, Silberbesteck und Schalen, Felle, Grammophone, aber auch Messer, Waffen und Kriegsüberbleibsel.Letztere fand ich – zugegeben – sehr verstörend. Georgien war lange Zeit geprägt von Kriegen, die das Land in tiefe Armut gestürzt und unzähligen Menschen das Leben gekostet haben. Trotzdem bieten Dir hier viele Verkäufer stolz Hitler- und Stalin-Portraits an, die sie sofort aus der Tasche ziehen, sobald sie ein deutsches Wort vernehmen, schwenken alte SS-Ausweise, halten dir jeglichen Nippes mit eingravierten Hakenkreuzen unter die Nase oder haben sogar blutbefleckte Gasmasken auf ihren Decken liegen. Am Nachbarstand findest Du nicht selten eine John Lennon Platte oder Schmuck, verziert mit der Hand der Fatima.Dieser Kontrast hat mich lange Zeit beschäftigt und bis heute habe ich noch keine Antwort darauf gefunden, wie sich die Begeisterung für Kriegsüberbleibsel mit der Geschichte des Landes vereinbaren lässt.

 

Neu-Tiflis und Fabrika

Das Stadtviertel Neu-Tiflis ist ein Überbleibsel deutscher Auswanderer. Wenn Du hier aus der Metrostation Marjanishvili steigst, wirst Du die Stadt kaum wiedererkennen. Vor allem die Aghmashenebeli Avenue ist auf Hochglanz poliert und “pinterestable” Bars säumen die Straße. Doch auch hier bleibt der Kontrast nicht aus. Spätestens wenn Du einen Blick in die Seitenstraßen wirfst, findest Du wieder den altbekannten Anblick bröckelnder Fassaden.

In diesem Viertel versteckt sich ein ganz besonderer Ort, eine Oase der Moderne, weit ihrem Land voraus. Die Fabrika, ein alter Gebäudekomplex aus Backsteinbauten, beherbergt Hipster-Tiflis: Ein schniekes Hostel samt einem Café, das aussieht, als wäre es allein für Instagram gebaut, (vegane) Restaurants und Bars (ja, hier bekommst Du Mate!), Ateliers und Designer-Buden, Pop-Up-Stores und Coworking Space.

Dieses ganz besondere Buch „Dreams“ ist eines der 8 handgefertigten Exemplare des georgischen Künstlers Vakho Khetaguri und zeigt Portraits georgischer Menschen und erzählt von ihren heimlichen Träumen.

Während sich Dir Georgien zwei Straßen weiter wie gewohnt “rückständig” präsentiert, erlebst Du hier ein bisschen Berlin auf kleinem Raum. Und zugegeben, ein bisschen gut tat es bei aller Liebe für fremde Kulturen schon, sich für zwei, drei Stunden in diesem Umfeld zu bewegen. Nachdem ich mich zwei Wochen lang zuvor bei der Besichtigung jeder Kirche verschleiern musste, einige auch gar nicht betreten durfte, weil ich keinen Rock sondern Hosen trug und Männer partout nicht mit mir, sondern nur mit Michael gesprochen haben, war es eine große Erleichterung, mich in gewohnter Freiheit zu bewegen. Diese Erfahrung hat einmal mehr verdeutlicht, wie dankbar wir jeden Tag für unser fortschrittliches Mitteleuropa sein können.

 

Ausflüge

Tiflis ist ein großartiger Ausgangspunkt für die verschiedensten Tagesausflüge in die nähere Umgebung. Wir haben “nur” das Kloster David Gareja an der aserbaidschanischen Grenze besucht, allerdings habe ich weitere Ausflugsziele für Dich gesammelt.

Von Tiflis aus erreichst Du an einem Tag bspw:

  • Kloster David Gareja
  • Kloster Mtskheta
  • Gori, die Geburtsstadt Stalins
  • die Felsenstadt Uplistsikhe

Ausflug von Tiflis [Tbilisi] zum Kloster David Gareja [Dawit Garedscha]

Der Ausflug zum Kloster David Gareja war so abenteuerlich und spannend, dass Du ihn auf deiner Reise auf keinen Fall verpassen solltest. Das Kloster liegt mitten in einer wüstenartigen Berglandschaft an der aserbaidschanischen Grenze. Die Marschrutka “Gareji Line” bringt Dich in zweieinhalb Stunden von Tiflis durch eine weite Graslandschaft in die Berge im Süden des Landes.Während Du am Anfang noch hin und wieder ein paar Häuser siehst, weichen diese mit zunehmendem Weg der schier unendlichen Ebene. Die Marschrutka kommt dort wegen der unzähligen Schlaglöcher nur noch sehr langsam voran. Die fast surreale Atmosphäre, die durch die verlassene Wüste, das Schaukeln des Transporters und der Hitze entsteht, steigert die (An)spannung ins Unermessliche.

Wenn Du schon gar nicht mehr daran glaubst, taucht schließlich mitten in den Bergen, fast plötzlich das Kloster zum Vorschein, eng angeschmiegt an die Bergflanke. Das Kloster ist noch immer bewohnt und trotz der Anspannung der Fahrt, hat mich die friedliche Atmosphäre im Inneren in kürzester Zeit ganz an dem Ort ankommen lassen. Wenn Du vielleicht auch einen kleinen Faible für Fantasy-Bücher hast, wirst Du es vielleicht auch fast Magie nennen, die über dem Kloster liegt und es hätte mich kaum verwundert, wäre der Löwe Graograman hinter der nächsten Biegung aufgetaucht (Michael Ende: Die unendliche Geschichte).

Das georgisch-orthodoxe Kloster ist das älteste des Landes und steht auf der Vorschlagsliste des UNESCO-Kulturerbe. Teile des Klosters sind direkt in den Fels geschlagen, ähnlich den Felsenstädten in Achalziche. Ganz besonders hat mich jedoch fasziniert, dass in diesem Kloster seit dem 6. Jahrhundert Menschen leben, die gelernt haben, die Kargheit und Abgeschiedenheit des Ortes zu überwinden. Das Wasser beispielsweise wird mit ausgeklügelten Bewässerungssystemen gesammelt und ermöglicht den Bewohnern sogar Tiere zu halten. Auch die Architektur und die Bepflanzung sind so überlegt, dass viele Teile des Klosters im Schatten liegen und nicht der sengenden Sommerhitze ausgesetzt sind.

Wegen dieser wirklich merklich wärmeren Temperaturen solltest Du dir unbedingt genügend Wasser einpacken. Zieh auch auf jeden Fall feste, knöchelhohe Schuhe an. Rund um das Kloster leben viele giftige Schlangen, die dich auf den Wegen überraschen können.
Auf dem Rückweg hält der Fahrer an einem charmanten Hostel, wo Du leckeres georgisches Essen bekommst.


Mehr Georgien? Wir waren knapp 10 Tage in Georgien unterwegs und haben noch viele andere spannende Orte erlebt. Hier findest Du alle Beiträge, die Du für deine Planung brauchst:

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2 Comments

  • Reply
    Inka
    1. November 2018 at 20:17

    Mega! Ich setz das nun sofort auf meine Reiseliste, das sieht einfach großartig aus und klingt sehr spannend. Danke für Deinen Einblick.
    LG /inka

    • Reply
      Magda
      3. November 2018 at 16:42

      Hey Inka, freut mich, wenn Georgien jetzt auf deiner Reiseliste steht! Das war neben Kuba und Island wirklich eine meiner allerschönsten Reisen! Ich hoffe, dass sich das Missverständnis mit den Preisen geklärt hat. 😉 Liebst, Magda

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