2 In Europa/ Reisen/ Rumänien

Rumänien: Cityguide für Brasov [Kronstadt] & Ausflüge

Rumänien Reisen

Wir wählten Brasov als erste Station gleich nach unserer Ankunft in Rumänien. Das beschauliche Städtchen mit seinen knapp 250.000 Einwohnern liegt etwa zwei Stunden Autofahrt nördlich von Bukarest, geschützt umgeben von der Bergkette Pistavarul, angeschmiegt an ihren Hausberg Tampa. Obwohl die historische Innenstadt wirklich recht klein ist, haben wir hier dennoch drei Nächte verbracht, um nicht nur die hübsche Stadt selbst, sondern vor allem die vielen umliegenden Ausflugsziele zu erkunden: In weniger als 30 Kilometern Entfernung liegen Schloss Bran (die vermeintliche Heimat Draculas), der Nationalpark Piatra Craiului, Burg Rasnov und das Bärenreservat “Libearty Sanctuary”. Der perfekte Ausgangspunkt also, um die Tage in den alten Schlössern und der Natur Transsilvaniens zu verbringen und sie anschließend bei leckerem Essen in einem der vielen guten Restaurants ausklingen zu lassen.

Übernachten in Brasov

Während Brasovs Altstadt wirklich sehr malerisch ist und an verschneiten Winterabenden fast schon romantisch genannt werden darf, ist die umliegende Stadt das genaue Gegenteil. Und auch, wenn ich normalerweise gern off the path unterwegs bin, ist es in dieser Stadt wirklich nicht fancy außerhalb der historischen Altstadt zu übernachten – dort gibt es außer Platten nichts zu sehen. Entsprechend findest Du in der Altstadt aber zahlreiche günstige Hotels und private Unterkünfte, die Du wie gewohnt über Booking oder Airbnb buchen kannst.

Brasov

Unser Airbnb, das “Petit Castle”, wie unser Gastgeber Liviu es liebevoll nennt, möchte ich Dir ganz besonders empfehlen: Liviu hat die beiden großen, hellen Räume sehr schick eingerichtet, Heizung und Warmwasser funktionierten einwandfrei (was in Rumänien nicht immer und überall selbstverständlich ist) und es gibt sogar eine kleine Küche mit allem nötigen Krimskrams, um gemütlich am Morgen zu frühstücken. Durch die unmittelbare Nähe zur historischen Innenstadt war dieses Airbnb eine wirklich gute Wahl, um sich in Brasov gleich ein bisschen “zu Hause” zu fühlen.

www.airbnb.de/c/magdal8

 

Unterwegs in Brasov: Diesen Orten solltest Du unbedingt Aufmerksamkeit schenken

Da Brasov nicht nur geschützt an der Bergkette Postavarul, sondern auch am Kreuzpunkt alter Handelsstraßen liegt, galt ihr Standort im 13. Jahrhundert als der ideale Punkt für die Gründung einer mittelalterlichen Festung. 1235 gründete der Ritterorden deshalb die Stadt Corona (kurz darauf Kronstadt genannt). Die erste Siedlung entstand in dieser Zeit laut Überlieferung etwa dort, wo heute noch die Schwarze Kirche steht. Wie viele andere rumänische Städte wechselte die Stadt durch verschiedenste Eroberungen häufig ihren Namen. Nachdem die Stadt zwischen 1950 und 1960 sogar in “Orasul Stalin” (Stalinstadt) umbenannt wurde, erhielt sie nach der Rumänischen Revolution und dem Sturz des Diktators Ceaușescu einen ihrer älteren Namen “Brasov” zurück, der heute in großen Lettern ganz im Stile Hollywoods auf dem Hausberg Tampa thront.

Heute ist die Stadt vor allem geprägt durch ihre malerischen Gassen, die einladenden Restaurants und Teestuben, die Buchhandlungen und die vielen hübschen Souvenirläden, die neben den obligatorischen Dracula-Tassen auch traditionelle rumänische Handarbeit verkaufen.

In der Librăria Humanitas am Marktplatz von Brasov

Wenn Du in Brasov bist, wirst Du dich auf jeden Fall schnell zurecht finden. Den Mittelpunkt der Stadt bilden noch immer der Marktplatz Piata Sfatului und das Rathaus in seiner Mitte. Solltest Du während deiner Stadttour in schlechtes Wetter kommen, lohnt sich auch unbedingt ein Besuch im Geschichtsmuseum im Rathaus. Darin befindet sich unter anderem ein sehr interessantes Modell des alten Brasov mit allen ursprünglich vorhandenen Bastionen und dem Verlauf der alten Stadtmauer. Einige Teile der Stadtmauer, die Stadttore und der Weiße und Schwarze Turm sind aber noch immer erhalten. Letztere sind neben dem Hausberg Tampa ebenfalls ein wirklich guter Aussichtspunkt, um dir die Stadt aus der Vogelperspektive anzuschauen.

Am Eingang zur Strada Sforii

Sehr niedlich und nennenswert ist außerdem die Strada Sforii. Das “Schnurgässchen” wurde zwischen den Straßen Poarta Schei und Cerbului zur Feuerbekämpfung gebaut und ist mit 1,11 m Breite die drittengste Straße Europas. Heute wird das Gässchen als Kunstgalerie genutzt, in der die 27 Fenster der Gebäude als Rahmen für die Werke junger Künstler aus Brasov dienen.

Die Schwarze Kirche

Der mit Abstand interessanteste Ort der Stadt ist – wenn Du mich fragst – aber die Schwarze Kirche. Obwohl ihr Name im ersten Moment fast schon etwas okkultistisch anmutet, ist dieser nur das offensichtlichste Zeugnis der spannenden, aber auch grausamen Stadtgeschichte. Ihr volkstümlicher Name geht auf den Stadtbrand im 17. Jahrhundert zurück, der nicht nur die Mauern schwarz färbte, sondern sogar die Glocken schmolz. Doch dieser “Sturm” war nicht der erste, den die Kirche überstand. Noch während ihres Baus im 15. Jahrhundert zerstörten die Türken während der Türkenkriege den unfertigen Bau. Nachdem ein ungarischer König die Kirche später wieder aufbauen ließ, stürzte ihr Dach in zwei aufeinanderfolgenden Jahrhunderten durch Erdbeben ein. Nachdem die Kirche schließlich ein weiteres Mal rekonstruiert wurde und sich Stadt und Kirche von den Erdbeben und der Pestepidemie erholte, war es schließlich der Angriff der Österreicher, der der Kirche zu ihrem heutigen Namen verhalf. Nach ihrer Zerstörung dauerte es fast 200 Jahre, bis die Kirche so, wie wir sie heute sehen können, wieder neben dem Marktplatz stand.

Vor der Schwarzen Kirche

Wenn Du heute die Kirche besuchst, findest Du in ihrem Kirchenschiff die größte Sammlung orientalischer Teppiche außerhalb der Türkei und die größte mechanische Orgel Rumäniens mit etwa 4000 Pfeifen. Dank ihrer Geschichte und ihrer Größe gilt sie damit auch als das bedeutendste Kultgebäude Rumäniens.

 

Unterwegs über Brasov: Auf dem Hausberg Tampa

Ein besonderes Highlight bei einem Besuch in Brasov ist natürlich die Fahrt mit der Seilbahn auf den Hausberg Tampa. Von oben hast Du einen wirklich fantastischen Blick über die Stadt! Von der Innenstadt erreichst Du die Talstation der Telecabina Tampa in der Aleea Tiberiu in etwa 15 Minuten. In drei Minuten bringt die Seilbahn ihre Fahrgäste schließlich für 10 Lei auf 967m Höhe.

Alternativ ist es aber auch möglich in etwa einer Stunde den Berg über einen gut beschilderten Waldweg (Markierung rotes Dreieck) nach oben zu laufen. Der Weg führt gleich an der Talstation in den Wald.

 

Essen in Brasov: Meine persönlichen Empfehlungen

Im Café La Vatra Ardealului

Wie bereits erwähnt, gibt es in Brasov eine wirklich große Auswahl an einladenden Restaurants, Cafés, Bäckereien und Teestuben. Wir hatten während unserer Reise insgesamt vier Abende Zeit, um einige zu testen. Folgend also unsere Favoriten:

  • La Ceaun, Piata Sfatului 11-12
    Deftiges rumänisches Essen in modern-uriger Atmosphäre, Tipp: Probier hier unbedingt die Papanasi (süße Topfenknödel)
  • Bäckerei Luca, Strada Republicii
    Dir werden in Brasov die vielen Bäckereien mit ihren Straßenverkäufen auffallen. Bei Luca haben wir die leckersten Baguettes und die besten Kirsch-Strudel bekommen
  • Dr Jekelius – Pharmacy Café, Strada Michael Weiss 13
    Die alten Apothekenschränke aus Holz mit ihren vielen Schubladen zaubern eine gemütliche Atmosphäre
  • Delicious Raw, Strada Michael Weiss 12
    Sehr leckere vegane Salate, Suppen, kleine Gerichte und Kuchen
  • La Vatra Ardealului, Strada George Barițiu 14
    Kleines französisch anmutendes Café mit einer riesigen Auswahl an süßem Gebäck
  • Café Central, Strada Apollonia Hirscher 18
    Perfekt, um am Abend noch ein Bier zu trinken
  • Cucinino Pasta Bar, Strada Diaconu Coresi 6
    Die perfekte Wahl, wenn Du großen Hunger hast

 

Ausflüge rund um Brasov

Ausflug I: Schloss Bran

Ich hoffe inständig, dass ich Dich jetzt nicht enttäusche, aber ich muss Dir an dieser Stelle unbedingt erzählen: Schloss Bran ist nicht die Heimat Draculas. Vlad III. Draculea (der “Pfähler”) war laut Überlieferung wohl lediglich drei Tage auf der Burg, Bram Stoker wohl nie. Die Burg “am Rande eines grandiosen Abgrundes” ähnelt lediglich der Beschreibung im Roman und wurde deshalb zur Heimat Draculas erklärt.

Rumänien ReisenNichtsdestotrotz ist dieses Schloss vor allem in der Nebensaison einen Besuch wert. Ich betone die Nebensaison so sehr, da Schloss Bran durch den entstandenen Dracula Kult mit aktuell etwa 560.000 Touristen pro Jahr die meistbesuchteste Sehenswürdigkeit Rumäniens ist. Das führt dazu, dass die Erzählungen unserer Freunde, die im Sommer auf Schloss Bran waren, so gar nichts mit der Idylle zu tun haben, die wir an einem kalten Wintermorgen im November erlebt haben.

Doch einmal abgesehen von den Touristen ist Schloss Bran das mit Abstand schönste Schloss, das wir während unserer Reise durch Rumänien besichtigt haben. Sicher wird man enttäuscht, wenn man auf Gruselkabinette und Folterkeller hofft, doch lässt man den Gedanken an Dracula fallen, erwartet einen die umwerfende Wohnwelt der rumänischen Königin Maria mit unzähligen Einrichtungsgegenständen, die eigens nur nach ihren Wünschen gefertigt wurden. Und zumindest die märchenhaften “Geheimgängen”, die einige der Zimmer miteinander verbinden, bringen wenigstens ein kleines bisschen Grusel, wenn Du so gar nicht darauf verzichten willst. 😉

 

Ausflug II: Rasnov (Burg & Höhle)

Die Stadt Rasnov (Rosenau) liegt auf halber Strecke zwischen Brasov und Bran und ist mindestens genauso viel Aufmerksamkeit wert wie das kultige Schloss Bran. Oberhalb der Stadt liegt die gut erhaltene mittelalterliche Burg Rasnov. Je nach Lust, Laune und Wetter hast Du gleich unterschiedliche Möglichkeiten die Burg zu erreichen. Unterhalb der Burg (aber außerhalb der Stadt), befindet sich ein großer Parkplatz, von dem aus im 10-Minuten-Takt Traktoren mit überdachten Anhängern für 5 LEI pro Perso nach oben auf den Berg fahren. Diese Variante ist vor allem dann bequem, wenn Du wie wir Pech mit dem Wetter hast.

Bei gutem Wetter und vor allem in der Hauptsaison, wenn viele Leute die Burg besuchen, ist es wesentlich angenehmer, das Auto einfach in Rasnov stehen zu lassen und entweder mit der Standseilbahn (12 LEI hin- und zurück) zur Burg zu fahren oder die 2 km eben zu Fuß zu gehen. Oben angekommen erwartet Dich für 12 LEI Eintritt eine wirklich gut erhaltene Kirchenburg aus dem 13. Jahrhundert – die größte Festungsanlage Südtranssilvaniens. Viele der Gebäude werden auf Hinweisschildern erklärt, sodass Du hier einen interessanten Einblick in die Geschichte der Kirchenburg erhältst.

Etwa 1,5 Kilometer weiter entlang der Straße 1E in Richtung Brasov liegt zudem die Tropfsteinhöhle Valea Cetatii. Zugegeben, die ist, wenn Du bereits andere Tropfsteinhöhlen gesehen hast, wahrscheinlich nicht unbedingt einen Besuch wert, da sie zum einen sehr klein ist und zum anderen während den 20-minütigen Führung auch wenig erklärt wird. Solltest Du allerdings noch keine Tropfsteinhöhle gesehen haben, ist es der Aufstieg vom Parkplatz zum Eingang definitiv wert, einen Blick hineinzuwerfen. Für 15 LEI bekommst Du so einen vergleichsweise günstigen Einblick und ein paar grundlegende Informationen zur Entstehung der Tropfsteine.

 

Ausflug III: Libearty Sanctuary Zarnesti

Der Besuch der Libearty Sanctuary war rückblickend für mich eines der bewegendsten Erlebnisse während unserer Reise durch Rumänien. Das Reservat fand seine Notwendigkeit in der miserablen Gesetzgebung in Rumänien, die es noch bis 2005 erlaubte, wilde Bären zu fangen und sie zur Belustigung der ausländischen Touristen auf Privatgrundstücken zu halten. Ich muss wohl kaum erwähnen, dass man hierfür natürlich keine ausgewachsenen Bären fing, sondern die Mütter der Jungtiere erschoss, um die Jungtiere zuerst als Kuscheltiere zu missbrauchen, bevor man sie später, wenn sie gefährlich wurden, in winzige Käfige sperrte und schließlich vergaß. Diese Praxis führte dazu, dass lange Zeit im ganzen Land Bären hinter Hotels und Restaurants ein trauriges Leben fristeten und darauf warteten, endlich ihren Qualen zu entkommen.

Cristina Lapis, Aktivistin und Vorsitzende der „The Millions of Friends“ Association, fand 1998 einen dieser Bären halb verhungert und krank in einem dreckigen Käfig in der Nähe von Schloss Bran. Dieser Tag, an dem sie die Bärin Maya fand, war der Beginn der bewegenden Geschichte des Reservats. In den kommenden vier Jahren fuhr Cristina gemeinsam mit ihrem Mann jeden Tag 60 Kilometer, um Maya in ihrem “Gefängnis” zu füttern und sie mit den notwendigen Vitaminen zu versorgen. Sie versprach ihrer Bärin, sie aus ihrem Käfig zu retten. Leider gelang es ihr nicht und Maya starb 2002 an den Folgen ihrer Depression. Ihr nicht gehaltenes Versprechen die Bärin zu retten, war für Cristina schließlich die Motivation für den Bau des Reservats.

Seit seiner 2005 nahmen die Aktivisten mehr als 100 Bären auf dem 69 Hektar großen Gelände auf. Aktuell leben 100 Braunbären, aber auch einige Wölfe auf dem Gelände und lernen hier ihre neue Freiheit kennen. Und glaub mir – es lässt sich kaum beschreiben wie skurril es aussieht, wenn einige der Bären – umgeben von schönstem Wald – noch immer wie besessen Pirouetten drehen, einfach, weil das ihr bisher einzig bekannter Lebensinhalt war.

Wenn Du das Reservat besuchst, achte auf die geänderten Öffnungszeiten im Winter und ärgere Dich nicht über die vergleichsweise hohen Eintrittspreise von 50 LEI (zzgl. 50 LEI Fotoerlaubnis). Diese werden 1:1 in den Ausbau des Reservats und den Unterhalt der Bären investiert. Kleiner Tipp: Bei der jeweils letzten Führung am Tag hat der Guide mehr Zeit, um zu erzählen und auf Fragen einzugehen.

***SO KANNST DU HELFEN***

Mich haben die Geschichten der Bären und das unermüdliche Engagement der Mitarbeiter so bewegt, dass ich im Anschluss wirklich das Bedürfnis hatte, dieses Projekt zu unterstützen. Wenn es Dir ganz ähnlich geht, vielleicht sogar ohne, dass Du selbst dort warst kannst Du helfen, indem Du

WICHTIG

Rund um Brasov leben sehr viele Bären. Nachdem es seit 2005 illegal ist, Bären für Touristen zu halten, haben einige Rumänen neue Möglichkeiten gefunden ihre Bären zur Attraktion zu machen. Bei “nächtlichen Exkursionen” werden die Touristen in Autos nah an Bären herangefahren, die in Mülltonnen wühlen. Dass das nichts mit Ökologie oder “natürlichen Bären-Beobachtungen” zu tun hat, wenn man diese Bären dann mit der Taschenlampe aufscheucht, muss ich Dir wahrscheinlich kaum erklären – zumal die Bären oftmals zum Zweck dieser Beobachtungen mit Futter angelockt und so in eine unnatürliche Abhängigkeit gezwungen werden. Ich bitte Dich daher inständig lieber zur Libearty Sanctuary zu fahren und gemeinsam mit mir darauf zu hoffen, dass auch diese irgendwann nicht mehr nötig sein wird.


Du planst deine Reise nach Rumänien? Diese Artikel sind bereits erschienen oder werden in Kürze veröffentlicht:

You Might Also Like

2 Comments

  • Reply
    Rasvan Lalu
    21. Dezember 2018 at 20:07

    „Nachdem es seit 2005 illegal ist, Bären für Touristen zu halten, haben einige Rumänen neue Möglichkeiten gefunden ihre Bären zur Attraktion zu machen.“

    armselige Kritik

    • Reply
      Magda
      29. Dezember 2018 at 14:03

      Hi Rasvan, kannst Du erklären wie genau Du das mit der „armseligen Kritik“ meinst? Danke. Viele Grüße, Magda

    Leave a Reply

    *