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Wandern an den Plitvicer Seen – Tipps gegen die Tourimassen

Die Plitvicer Seen waren nur ein Stop auf unserem Sommer-Roadtrip durch Österreich, Slowenien und Kroatien. Bevor wir zu den Seen fuhren, waren wir fünf Tage auf der Halbinsel Istrien unterwegs. Da ich aber als Kind schon einmal mit meinen Großeltern in Plitvice war und mich nur zu gut an die märchenhafte Landschaft aus Kaskaden, Wasserfällen, üppigem Grün und glasklaren Seen erinnern konnte, nutzten wir die Gelegenheit um jetzt, 20 Jahre später, zu diesem wundervollen Ort zurück zu kehren – denn schließlich konnte ich Kroatien nicht ruhigen Gewissens verlassen, ohne meiner liebsten Freundin diesen magischen Ort gezeigt zu haben. Und glaub mir, die Plitvicer Seen zählen zu den Orten der Welt, die kein Instagram-Filter jemals schöner machen könnte, als sie sowieso schon sind!

Leider ist allerdings auch hier in den letzten 20 Jahren viel passiert. Das Naturschutzgebiet steht glücklicherweise noch immer unter strengem Schutz, doch sind inzwischen gerade in der Hauptsaison so viele Touristen unterwegs, dass man sich auf manchen schmalen Wanderwegen anstellen muss, bis man endlich an der Reihe ist, um den nächsten Wasserfall zu bestaunen. Die Fotowut mancher Selfiestick-schwingender Fashion-Touristen verlangsamt den Prozess nur zusätzlich. Das ist natürlich sehr schade und der Eindruck, dass viele Menschen anscheinend nur angereist sind, um ihr Instagram-Profil zu verschönern, versaut unter Umständen schnell das Naturerlebnis, das man sich erhofft.

Aus diesen beiden Gründen – weil die Plitvicer Seen so atemberaubend schön sind und weil sie inzwischen ganz schön überrannt werden – findest Du in diesem Artikel Reise-Tipps für deinen Ausflug mit Infos zu Übernachtungsmöglichkeiten, den Wanderwegen im Park, Tipps, um die besagte Touristenflut möglichst zu umgehen und Wanderungen im umliegenden Gebirge mit spektakulären Ausblicken auf die Seen.

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Märchenland Plitvicer Seen

Das Gebiet um die Plitvicer Seen sind der älteste und größte Nationalpark Kroatiens. Und wirklich – ich habe nicht übertrieben – gleicht seine Landschaft einer verwunschenen Märchenwelt. Erste Erwähnungen fand das Gebiet mit seinen 16 Seen, 7 großen und unzähligen kleinen Wasserfällen bereits im 17. Jahrhundert. Seit 1949 ist das Gebiet Nationalpark und steht seit 1979 als UNESCO Weltnaturerbe unter zusätzlichem Schutz.

Der Nationalpark liegt in der Karstlandschaft Mala Kapela, einem Gebirgszug des Dinarischen Gebirges. Normalerweise versickert hier jegliches Wasser im porösen Kalk. Im Bereich der Plitvicer Seen verhindert jedoch eine undurchlässige Gesteinsschicht das Durchsickern des Wassers. So konnten sich in den Kaskaden das Wasser der Seen sammeln. Tektonische Hebungen und Senkungen prägten zudem die einzigartige Wasserwelt, deren Wasserfälle den höchstgelegenen See auf 636 m mit dem tiefsten auf 503 m verbindet. Zwischen den Wasserfällen funkelt das türkisfarbene Wasser und ist dabei so klar, dass man sich einbilden könnte, die Forellen würden nicht schwimmen, sondern fliegen. Doch erst das üppige Grün links und rechts der Seen macht das Bild der verwunschenen Welt perfekt. Mit Ruhe und Glück kann man dann sogar die Eisvögel beobachten, die hier leben. Kein Wunder also, dass die Plitvicer Seen auch ein sehr beliebtes Film- und Fotomotiv sind. 1962 wurde hier unter anderem “Winnetou und der Schatz im Silbersee” gedreht.

 

Praktische Informationen für deinen Trip zu den Plitvicer Seen

Anreise zu den Plitvicer Seen

Entlang der Küste auf dem Weg zu den Plitvicer Seen

Die Plitvicer Seen liegen unweit der der nordwestlichen Grenze Bosniens in einer bergigen Region im Landesinneren von Kroatien. Von Rovinj aus haben wir die Route entlang der Küste gewählt und haben die Seen so von Süden über Mihaljevac erreicht. Für diese Strecke haben wir etwa vier Stunden reine Fahrzeit benötigt. Auf dem Weg haben wir aber in den Bergen noch mehrfach bei Straßenhändler angehalten, um Honig zu kaufen oder die Aussicht zu genießen. Insgesamt haben wir wohl etwa 5 Stunden gebraucht.

Übernachten an den Plitvicer Seen

Sonnenuntergang am Haus Turkalj

Im Sommer gibt es rund um die Plitvicer Seen eine Vielzahl an Übernachtungsmöglichkeiten in Hotels, Pensionen und auf Campingplätzen. In den kalten Monaten hat jedoch ausschließlich das Hotel Jezero geöffnet. Dabei gilt: Je näher Du an den Seen bist, desto geringer sind deine Chancen spontan eine Unterkunft zu bekommen. Zum Glück hatten wir bereits am ersten Tag in Istrien gemerkt, dass wir die Hochsaison in Kroatien ziemlich unterschätzt haben und buchten uns kurzfristig ein Zimmer im hübschen Haus Turkalj in Grabovac, etwa 12 Kilometer hinter den Seen. Da auch die umliegende Landschaft sehr schön ist, musst Du keine Angst haben, hier in unansehnlichen Hotelburgen zu landen. Solltest Du Campen wollen, findest Du auf dem Campingplatz Korana und im Kamp Borje (Vrelo Koreničko 3, 53230 Korenica) einen Stellplatz.

Wetter

Bei einem Besuch der Plitvicer Seen darf man keine hohen Erwartungen ans Wetter haben. Im Gegensatz zu den heißen, sonnigen Küstenregionen verzeichnet das Gebiet des Nationalparks nur 55 Sonnentage im Jahr. Deshalb solltest Du nicht ohne Pullover und Regenjacke starten – auch, wenn es früh noch so scheint, als würde es ein warmer Sommertag werden.

Im Nationalpark

Der Nationalpark verfügt über zwei Eingänge und den Nebeneingang Flora. Die Parkplätze sind gut sichtbar ausgeschildert. Der Ticketverkauf beginnt ganzjährig 7.00 Uhr, die Tore zum Park öffnen neuerdings erst eine Stunde später. Die Tickets sind teuer und kosten je nach Saison für einen Erwachsenen zwischen 60 und 250 Kuna – also im Sommer umgerechnet etwa 33 Euro. Ich bin überzeugt, dass ich Dir kaum erzählen muss, dass es bei 1,3 Millionen Besuchern pro Jahr wichtiger ist denn je, sich penibelst an die Parkregeln zu halten. Das heißt in diesem Fall: Nicht baden, nicht angeln, kein Feuer entzünden, Hunde an die Leine nehmen, nicht von den Wegen abweichen, keine Pflanzen anfassen, keine Tiere füttern und – selbstredend – keinen Müll im Park liegen lassen. Da es nur an den Restaurants und an der Bootsanlegestelle Mülleimer gibt, solltest Du gegebenenfalls auch eine Mülltüte einpacken.

Essen im Park

Im Park gibt es mehrere Restaurants und Bistros. Doch auch hier gilt, dass Du dich im Hochsommer teilweise auf wirklich lange Wartezeiten einstellen musst. Deshalb ist es hier wirklich am besten, wenn Du dir deinen eigenen Proviant (und genügend Wasser!) einpackst und lieber auf dieses Erlebnis verzichtest 😉 In der Nebensaison stelle ich es mir wiederum sehr schön vor, gemütlich an den Holzbuden einen Kaffee zu schlürfen.

 

 

Tipps, um die Menschenmassen zu umgehen

In der Nebensaison reisen

Natürlich kannst Du deine Reise gleich cleverer planen als wir und die Plitvicer Seen einfach in der Nebensaison besuchen. Damit dürftest Du den Ferien-Tourismus bestmöglichst umgehen. Wenn Du aber nicht gleich in “Un-Monaten” wie Februar oder November fahren möchtest, werden dennoch viele Reisebusse unterwegs sein.

Zeitig losgehen

An den Plitvicer Seen gilt eindeutig “Der frühe Vogel fängt den Wurm”, denn die wenigsten stehen eben gern 6 Uhr morgens auf und auch die Reisebusse sind dann noch nicht angekommen. Ab 7.00 Uhr werden an allen drei Eingängen die Eintrittskarten verkauft, betreten darf man den Park seit neuestem aber erst ab 08.00 Uhr (wir durften schon 7 Uhr loslaufen). Um diese Uhrzeit ist noch wenig los, sodass Du dann noch gut mit vorankommen dürftest.

Auf Busse und Boote verzichten

Im Park fahren auf drei Strecken Boote und eine Bahn, die die drei Eingänge miteinander verbindet. Diese werden natürlich von Familien und Busreisenden gern genutzt, weil sie die Wanderung um die Seen erheblich abkürzen und erleichtern. In der Hochsaison habe ich am Bootsanleger Schlangen von mehreren hundert Metern gesehen. Das beste ist also, Du ignorierst Boote und Bahnen und wanderst einfach selbst. So umgehst Du die langen Wartezeiten und kannst die Zeit viel lieber dafür nutzen, um auf den Wanderwegen zu laufen, die nur von den wenigsten Besuchern benutzt werden. Auf diese Weise siehst Du außerdem noch sehr viel mehr von den Plitvicer Seen, als Du von den vielbelaufenen Hauptwegen sehen würdest!

Wähle ein reines Wander-”Programm”

Die Website des Nationalparks schlägt viele unterschiedliche Routen entlang der Plitvicer Seen vor. Nach meinen Erfahrungen lege ich Dir das “Programm K” (grün) wärmstens ans Herz. Dieses führt dich auf einer Wanderung von 18 Kilometern in 6-8 Stunden natürlich über die bekannten und schönen Wege im Eingangsbereich bis weit in den Norden der zerklüfteten Seen. Da diese Route an Eingang 1 (der meistgenutzte) beginnt und endet, hast Du den Vorteil, dass Du den beliebtesten Teil der Wege rund um die unteren Seen zeitig früh und spät am Nachmittag gehen wirst – also dann, wenn dort am wenigsten los ist. Außerdem erreichst Du auf dieser Tour im Gegensatz zu den meisten kürzeren Wegen den Aussichtspunkt “Tomicev pogled”, von dem aus Du ein atemberaubendes Panorama über den Ciginovac-See und den Prosce-See hast. Auf dem Rückweg kommst Du dann entlang der oberen Seen, die zumindest im nördlichen Teil auch eher weniger besichtigt werden. Der Weg am Ostufer des Kozjak Sees, der die oberen und unteren Seen verbindet, war am Nachmittag verhältnismäßig wenig voll, da die meisten Leute dann bereits den Rückweg mit Parkbahn und Booten antreten.

Durch die atemberaubende Landschaft und die unzähligen Wasserfälle, an denen man wieder und wieder anhält, um sie zu bewundern, kamen uns die 18 Kilometer sehr viel kürzer vor, als sie tatsächlich waren. Solltest Du am Ende dennoch kaputt sein, kannst Du von P1 am oberen Ende des Kozjak-Sees entweder mit dem Boot zurück fahren oder Du nimmst die Bahn ab Station 2. So sparst Du dir ein kleines Stück des Weges.

 

Mehr Wanderungen an den Plitvicer Seen

Das Berggebiet rund um die Plitvicer Seen bietet natürlich noch viel mehr Wanderungen, die das touristische Seengebiet verlassen und darüber hinaus tolle Aussichtspunkte von außerhalb bieten. Die Wege führen zumeist durch die dichten Wälder und schon im August bekamen wir einen kleinen Vorgeschmack auf das atemberaubende Farbenspiel, das einen hier im Herbst erwartet.

Kleine Wanderung im Osten der Seen: Gebirgsweg Medvedak

Länge: 9200 m | ca. 3 – 4 Stunden

Der kleine Gebirgsweg Medvedak führt gut ausgeschildert vom Parkplatz Hladovina an Eingang 2 zu Eingang 1. Dabei wandert man aber nicht entlang der Seen, sondern auf der gegenüberliegenden Seite der Bundesstraße D1 in östlicher Richtung in das waldreiche Hochtal Medvedak. Der Weg verbindet auf seiner Strecke von Süd nach Nord die drei Gipfel von Ostri Medvedak (889m), Tupi Medvedak (868m) und Turcic (801m). Ostri Medvedak ist eher eine Ansammlung von Steinen, doch vom Tupi Medvedak und Turcic hat man einen wirklich spektakulären Ausblick auf große Teile der Seen. Die passende Wanderkarte bekommst Du natürlich an den Eingängen. Besonders nach der langen Fahrt von Rovinj zu den Seen war diese kurze Wanderung das perfekte Nachmittagsprogramm, um die müden Beine zu bewegen und das Gebiet schon einmal von außen kennenzulernen.

Kleine Wanderung und große Wanderung im Westen der Seen: Wanderweg Plitvica und Corkova Uvala

Plitvica Länge: 9,1 km | ca. 3,5 Stunden /// Corkova Uvala Länge: 21 km | ca. 7 h

Diese beiden Wanderungen teilen sich sich einige Abschnitte des Weges und haben den gleichen Start- und Endpunkt. Beide beginnen an der Bus/Bahn-Station 3 an den oberen Seen und enden am Bootsanleger P3 am oberen Ende des Kozjak Sees. Auf dieser Seite der Seen führen die Wege durch üppige, grüne Wälder, über Gebirgswiesen und zu vielen Aussichtspunkten, von denen man das beeindruckende Panorama auf die grün und blau glitzernden Seen genießen kann.

Nach den ersten eineinhalb Stunden trennen sich die Wege an einem ausgeschilderten Wegpunkt. Von hier aus beschreibt der längere von beiden einen großen U-förmigen Bogen über das Dorf Corkova Uvala und verbindet sich nach einem steilen An- und Abstieg nach etwa 15 Kilometern wieder mit dem Weg Plitvica. Von dort aus führen beide wieder gemeinsam die letzten 2,3 Kilometer entlang eines Baches bis zum großen Wasserfall und dem Bootsanleger P3.

Da wir ehrlich gesagt nach unserer 18 Kilometer langen Wanderung am Vortag etwas faul waren, entschieden wir uns an diesem Tag für den kürzeren von beiden. Doch schon dieser bot so viele großartige Aussichtspunkte, dass wir gar nicht böse waren, dort ein wenig mehr Zeit zu haben, um bei belegten Broten und Fanta den Blick auf die Seen buchstäblich und sinnbildlich auszukosten.


Alle Beiträge zum Bilderbuch-Roadtrip durch Österreich, Slowenien und Kroatien:

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