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Wandern in den Tiroler Alpen: Hütten-Tour zur Coburger Hütte

Lass mich dir das wichtigste gleich zuerst verraten: Die Coburger Hütte in den Tiroler Alpen und die Wanderung dorthin sind ein absoluter Traum! Noch dazu ist die Hütte nicht nur ein Nümmerchen für eine Nacht, sondern eignet sich auch ganz hervorragend als Ausgangspunkt für weitere Tageswanderungen in luftigeren Höhen – bei Lust und Laune (und passender Ausrüstung) sogar inklusive Klettersteig. Noch dazu ist die Berg- und Tallandschaft der Umgebung so schön und vielseitig, dass man die Hüttentour zur Coburger Hütte mit vielen anderen tollen Unternehmungen verbinden kann. Und weil mein Herz immernoch ganz aufgeregt hüpft, wenn ich an die beiden Spätsommertage denke, die ich dort verbracht habe, habe ich in diesem Beitrag alle wichtigen Informationen für Dich zusammengefasst, damit auch Du diese wundervolle Erfahrung machen kannst. Hier findest Du also alle Infos zur Anreise, eine Beschreibung der Wanderung zur Hütte und was Dich oben erwartet, Tipps zu Wanderungen rundherum und eine Liste an Dingen, die Du für eine Übernachtung auf der Hütte dabei haben solltest.

Steig auf! Über die Ehrwalder Alm zur Coburger Hütte

Neben der Tatsache, dass die Coburger Hütte wirklich traumhaft schön gelegen ist, ist es auch von wirklich großem Vorteil, dass sich die Bergregion gleich hinter der Zugspitze auf österreichischer Seite befindet. Damit ist die Anfahrt ins Tal nur halb so zäh wie in südlichere Regionen und eignet sich hervorragend als Ziel für einen erlebnisreichen Kurzurlaub in den Tiroler Bergen.

Einmal angekommen, beginnt man die Wanderung je nach Zeit und Laune ab der Talstation der Ehrwalder Almbahn. Da wir den Vormittag vor unserem Aufstieg schon anderweitig mit Stand Up Paddling am Heiterwanger See und einem Besuch der highline179 verbracht hatten, schummelten wir mit der Bahn die ersten 400 Höhenmeter zur Bergstation. Alternativ kannst Du aber eben auch in ca einer Stunde den Fahrweg oder den steileren Wiesenweg zur Ehrwalder Alm nehmen. Dennoch hätte ich wahrscheinlich auch mit mehr Zeit die Bahn genommen – nicht nur, weil ich es liebe mit Sesselliften und Bergbahnen zu fahren, sondern auch, weil damit später auch noch genug Zeit für eine Besteigung des Vorderen Drachenkopfes ab der Coburger Hütte bleibt. 

Da wir nach unserem erlebnisreichen Vormittag ganz schön hungrig waren, gönnten wir uns vor dem Start unserer Wanderung an der Ehrwalder Alm unterhalb der Bergstation ein reich belegtes Käsebrot und einen wirklich fantastischen Kaiserschmarrn mit Apfelmus. Gestärkt und fit für die Wanderung konnte es nun endlich losgehen! 

Wandern Tirol Coburger Hütte

Die ersten Kilometer führt der Weg an Bergwiesen und Kühen vorbei auf einem breiten Fahrweg. Später aber, hinter dem Abzweig zum Igelsee (übrigens auch ein lohnenswerter Abstecher bei genügend Zeit mit nur 40 Minuten Gehzeit ab der Ehrwalder Alm) aber führt der Wanderweg wie im Bilderbuch linkerhand durch schönsten Wald über Stock und Stein, bis man nach insgesamt eineinhalb Stunden wieder aus dem Wald heraustritt und die malerisch gelegene Seebenalm unterhalb des Seebensees erreicht. Wenn Du bis dorthin noch nichts gegessen hast, ist auch diese Hütte mit dem fantastischen Ausblick auf die Zugspitze bestens geeignet für eine kleine Jause. 

Das Highlight der Wanderung: Der Seebensee

Von der Seebenalm geht es dann über ein kleines Geröllfeld weiter entlang des Fahrwegs vorbei an einem Bach, einem Wäldchen und Schafen bis zu dem absoluten Highlight der Wanderung – dem Seebensee unterhalb der Coburger Hütte. Schimmernd in allen Grün- und Türkistönen, die die Natur zu bieten hat, liegt der See eingebettet zwischen den hohen schroffen Bergflanken. Wenn Du uns schon ein bisschen kennst und vielleicht sogar auf Instagram folgst, wirst Du wissen, dass es keine drei Minuten gedauert hat, bis wir im Wasser waren. Du kannst dir gar nicht vorstellen, was für ein überwältigendes Gefühl es ist, in solch einem Panorama in das eisigkalte, belebende Wasser eines so schönen Bergsees zu springen! In diesen Momenten fühle ich mich immer so stark und groß, als wäre kein Weg zu weit, aber gleichzeitig auch so ehrfürchtig im Angesicht der schier unfassbar machtvollen Natur, die mich umgibt und beherrscht.

Ein erfrischendes Bad und viele Fotos später nahmen wir schließlich das letzte Stück der Wanderung. In knapp 30 schweißtreibenden Minuten führen nun zahlreiche Serpentinen steil über Geröll den Berg hinauf. Dabei bewegt man sich direkt unterhalb der Hütte und so nah am Berg, dass die Coburger Hütte tatsächlich erst hinter der letzten Kurve wieder auftaucht. Und obwohl die Wanderung – mal abgesehen vom letzten Aufstieg – vergleichsweise noch recht einfach war, war das Gefühl, als ich hinter an dieser Stelle endlich die rettende Hütte erblickte, doch dasselbe wie immer: Ein wunderbares, erleichtertes Kribbeln mit großer Lust nach Radler und Kuchen, ganz so, wie sich Bilbo und die Zwerge wohl fühlten, als Beorn nach ihrem langen Weg den Tisch mit Brot, Butter und Honig deckte.

 

Ankommen auf 1917 m Höhe

Und ganz ähnlich wie Bilbo und den Zwergen erging es uns auch an der Coburger Hütte. Noch bevor wir uns überhaupt dazu kamen, das Panorama und die Aussicht auf die Zugspitze, den Seebensee zur einen und den Drachensee zur anderen Seite zu würdigen, fanden wir uns auf der Terrasse mit frisch gebackenem Beeren-Kuchen und einem erfrischenden Radler wieder. Mit diesem Ritual, das wir beim Ankommen an der Hütte pflegen, begann damit auch offiziell die so geliebte und langersehnte Langeweile an der Hütte. Und das meine ich gar nicht negativ! Ich liebe die Stunden an der Hütte, ohne Handynetz und andere digitale Ablenkungen, ohne die Qual der Wahl aus tausend Dingen, die man noch tun könnte. An der Hütte gibt es nur noch die Berge und das Kartenspiel oder bestenfalls das Buch, das man mit auf den Berg geschleppt hat – und natürlich die anderen Wanderer, die man spätestens beim Abendessen kennenlernt. 

Wandern Tirol Coburger Hütte

Nachdem wir also unser Lager bezogen hatten (yeah, ich hab den Fensterplatz ergattert ;)), lagen ganze sechs Stunden vor uns, die wir mit wundervollstem Nichtstun verbrachten. Erst zum Abendessen wurde es wie gewohnt spannender, als wir bei der allseits beliebten Backerbsensuppe, einem köstlichen Gulasch mit Semmelknödeln und einem Marillenkuchen mit unseren Tischnachbarn ins Gespräch kamen. Doch selbst, wenn man nicht so auf den typischen Hüttenplausch steht, ist spätestens der Sonnenuntergang das perfekte Alibi, um sich wieder allein auf die Terrasse zu verkrümeln. 

Wanderungen rund um die Coburger Hütte

Kannst du dir vorstellen, wie schön es ist, auf einer Hütte aufzuwachen? Die Luft ist eisig kalt, im Schlafsack viel zu warm und von draußen dringt das zarte rosafarbene Licht der ersten Sonnenstrahlen durchs Fenster. Irgendwo schnarcht es dann meistens noch, doch ich kann es an solchen Tagen gar nicht erwarten, aus dem Bett zu kommen, um in aller Ruhe dick eingemummelt auf der Terrasse den Sonnenaufgang zu beobachten. So auch an diesem Tag, als der Himmel hinter der Zugspitze zwischen blassblau, rosa und silbriggold wechselte und sich Berge und Bäume im Seebensee spiegelten. 

Wenn Du mehr Zeit hast als wir und es Dich nach dem Frühstück nicht wieder für andere Unternehmungen ins Tal zieht, ist die Coburger Hütte auch ein idealer Ausgangspunkt für Tagestouren in die umliegende Berglandschaft. Beispielsweise kannst Du bei einer kurzen Tour (ca. eine Stunde one way) den Vorderen Drachenkopf besteigen, in viereinhalb Stunden den Tajakopf umrunden, in zweieinhalb Stunden die Sonnenspitze besteigen oder zwischen vier verschiedenen Klettersteigen wählen, wovon der Klettersteig zur Wankspitze mit dem Schwierigkeitsgrad B sogar für Anfänger geeignet ist. Denk aber daran, auf keinen Fall ohne Ausrüstung auf den Klettersteig zu gehen! Doch ganz egal, wofür Du dich entscheidest, die Hüttenleute können Dir mit Sicherheit ausreichend Infos zu den Wanderungen geben. 

Wichtig: Auch wenn die Wanderung von der Ehrwalder Alm zur Hütte easy und gut ausgeschildert war, solltest Du für weitere Wanderungen entsprechendes Kartenmaterial oder ggf. sogar GPS-Tracks mitnehmen. Ich bestelle meine Karten immer gern bei freytag & berndt.

 

Zurück ins Tal – Und dann?

Wenn Du dich aber nach der Übernachtung wie wir für einen Abstieg ins Tal entscheidest, ist dein Wanderurlaub in Tirol längst noch nicht zu Ende. Die Region bietet dir viele spannende Aktivitäten wie beispielsweise…

  • eine SUP Tour auf Heiterwanger See
  • den Besuch der riesigen Hängebrücke highline179
  • einen “Spaziergang” rund um die Stuibenfälle – mit und ohne Canyoning Tour
  • eine Panoramafahrt über den Hahntennjochpass ins Tannheimer Tal 
  • und/oder die Drei Seen Rundwanderung über den Saalfelder Höhenweg ab dem Neunerköpfle 

In unserem passenden Reise-Guide für Tirol findest Du detailliertere Beschreibungen all dieser Unternehmungen und eine Anregung, wie Du all diese Sachen ganz entspannt und ohne Freizeitstress an vier Tagen erleben kannst.

 

Tipps fürs erste Mal auf der Hütte

Wenn Du zum ersten Mal auf einer Hütte übernachtest, gibt es noch ein paar kleine organisatorische Geheimtipps, die den Aufenthalt noch stressfreier und schöner machen. 

  1. Auf Hütten ist es Pflicht im Schlafsack zu schlafen. Du musst aber nicht den dicken Daunenschlafsack mitnehmen. Für die Übernachtung auf Hütten gibt es spezielle Baumwollschlafsäcke, die viel leichter und kleiner sind und völlig ausreichen, da es immer genügend Decken gibt. Der Schlafsack dient lediglich der Hygiene. Denk nur unbedingt rechtzeitig daran, dir einen zu besorgen, denn wenn Du keinen dabei hast, musst Du entweder einen gegen Gebühr ausleihen oder sogar kaufen. Da aufgrund der Logistik auf Hütten immer alles (zurecht!) etwas teurer ist, gilt das dann natürlich auch für den Schlafsack.
  2. In den Hütten ist es eigentlich fast immer verboten, die Wanderschuhe zu tragen. Die werden bei Ankunft im Schuh- oder Trockenraum gegen die Haus- oder Hüttenschuhe getauscht. Wenn Du nicht auf eklige Pantoffeln aus dem letzten Jahrhundert stehst, die schon tausend Mal getragen wurden, pack dir am besten ein paar leichte Flipflops ein.
  3. Die Coburger Hütte ist eine Hütte des Deutschen Alpenvereins. Wenn Du vorhast öfter auf Hütten zu übernachten, kann es sehr lohnenswert sein, über eine Mitgliedschaft nachzudenken. Nicht nur, weil Du so den Verein in seinen Aktivitäten unterstützt, sondern auch, weil Du so echt eine Menge Geld bei der Übernachtung sparst. Als DAV Mitglied kostet uns die Übernachtung auf der Coburger Hütte beispielsweise nur 13 statt 23 Euro. 
  4. Auf den Hütten gibt es zum Waschen oftmals nur kaltes Wasser und unbeheizte Waschräume. Auf der Coburger Hütte kannst Du zwar gegen Münzeinwurf warm duschen, aber das kann im Zweifelsfall (vor allem dann, wenn Du versuchst lange Haare zu waschen) fast schon teuer werden. Deshalb empfehle ich Dir im Fall von langer Löwenmähne, die lieber vorher zu waschen und dich aufs nötigste zu beschränken – das erleichtert außerdem den Rucksack. 😉 

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