Märchenhaftes Edinburgh: 3 Tage in Schottlands Hauptstadt

Märchenhaftes Edinburgh: 3 Tage in Schottlands Hauptstadt

Märchenhaftes Edinburgh: 3 Tage in Schottlands Hauptstadt

Ein Spaziergang durch Edinburgh gleicht schon fast einer Reise in ein Märchenbuch… All die alten, georgianischen Bauwerke der Altstadt, die vielen rauchenden Schornsteine auf den Dächern, Edinburgh Castle, das majestätisch über der Stadt thront, die vielen, vielen verwinkelten Gässchen und natürlich die fast schon nostalgischen, lauten Pubs mit ihren dunklen Chesterfield Möbeln formen sich zu einer zauberhaften Kulisse, wie man sie bestenfalls noch in einer Geschichte erwartet. Kein Wunder also, dass die Stadt schon so oft Inspiration für herausragende Schriftsteller war – seien es J.K. Rowling Harry Potter Romane, Stevensons Dr. Jekyll und Mr. Hyde, Welshs Trainspotting, Ian Rankings Rebus-Krimis oder die zahlreichen Werke von Walter Scott, Robert Burns oder Sir Arthur Conan Doyle. Wenn Du mich schon ein bisschen kennst, wirst Du ahnen, dass diese Stadt für mich einem kleinen Paradies glich…

Nicht zuletzt deshalb ist dieser Artikel sehr umfangreich. Du findest hier alle Infos zur Anreise und den öffentlichen Verkehrsmitteln, die bestimmt schönste Unterkunft in Edinburgh, Restaurant- und Pub-Empfehlungen und Informationen zu den schönsten Sehenswürdigkeiten in Edinburgh. Mit diesem Artikel kannst Du also deine Reise und Tagestouren durch die Stadt planen, ohne auf die spannenden Hintergrundinfos zu verzichten. 

Anreise nach Edinburgh

Am einfachsten ist es natürlich mit dem Flugzeug nach Edinburgh zu reisen. Von Berlin fliegt man beispielsweise in nur zwei Stunden für weniger als 40 Euro. Solche günstigen Flüge findet man bekanntermaßen bei Airlines wie easyjet oder Ryanair. Trotz der vermeintlich weiten Entfernung und dem dazwischenliegenden Seeweg ist der Zug für diese Reise eine echte Alternative. Von Köln fährt man in gerade einmal fünfeinhalb Stunden mit nur einem Umstieg in Brüssel bis nach London. Die Preise liegen hierfür bei 60 bis 70 Euro im Spartarif. Von London benötigt man dann noch einmal gut viereinhalb Stunden und weitere 60 Euro, um Edinburgh zu erreichen. Mit etwas mehr Zeit lassen sich so also auch wunderbar ein Städtetrip nach London und Edinburgh verbinden. Hätten wir das eher gewusst, wären wir mit Sicherheit nur rückzu geflogen.

Vom Flughafen in die Stadt

Entscheidest Du dich fürs Fliegen, kommst Du vom Flughafen unkompliziert in die Stadt. Direkt vor dem Ausgang fährt entweder direkt die Straßenbahn bis zur Princess Street in der Innenstadt (und weiter zu York Place) oder Du nimmst den Bus Airlink100 von der Bushaltestelle D am Flughafen. Dieser bringt Dich ebenfalls in die Innenstadt und endet an der Waverley Railway Station. Das Bus-Ticket kostet Hin- und Zurück 7,50 Pfund, das Bahn-Ticket 8,50 Pfund. Wir haben uns für die Bahn entschieden, weil uns die noch ein kleines bisschen näher an unser Airbnb gebracht hat als der Bus.

Übernachten in Edinburghs wohl schönstem Airbnb

Airbnb Gutschein

In Edinburgh hatten wir riesiges Glück mit unserem Airbnb. Klar kannst Du auch hier wie in jeder Stadt in Hotels, Hostels und B&Bs übernachten, doch uns war in diesem Fall ein Airbnb doch (wie eigentlich fast immer in Europa) das liebste. So landeten wir am Tag unserer Ankunft in dem wundervollen Apartment des schottischen Malers Stephen Howard Harrison. Und wow, ich sag Dir, das war ein echter Glücksgriff! Nur 15 Minuten Fußweg von der Altstadt entfernt liegt das Apartment im obersten Stock eines Hauses an einer belebten Straße voller Pubs und Cafés.

Und auch das Airbnb selbst war ganz so, wie wir es uns in unseren schönsten Träumen ausgemalt hatten… knarzende Holzdielen, alte Kamine, riesig hohe alte Fenster, durch die der kalte Herbstwind hineinzog, sodass es unter den Decken an der Heizung nur noch kuschliger wurde. Es roch nach der Farbe der Bilder, Holz und alten Teppichen und trotz der hohen Fenster, an denen der Regen perlte, brauchte es das schummrige Licht der kleinen Lampen, um das Herbstgrau Schottlands mit Wärme zu erfüllen.


 

Unterwegs in Edinburgh

In Edinburgh von einem Ort zum anderen zu kommen ist ziemlich easy. Die Altstadt ist nicht all zu groß und auch die umliegenden Sehenswürdigkeiten liegen immer nur kleine Spaziergänge voneinander entfernt. Wenn es also nicht gerade in Strömen regnet, kannst Du Edinburgh easy zu Fuß erkunden. Alternativ ist aber auch das Busnetz sehr gut ausgebaut, sodass Du längere Wege (wie beispielsweise zum Botanischen Garten) auch jederzeit mit dem Bus nehmen kannst. Die Tickets zum Preis von 1,70 Pfund musst Du dafür entweder passend und bar im Bus zahlen oder Du lädst Dir die App „Lothian Buses M-Tickets“ herunter und zahlst dort mit Kreditkarte. Allerdings musst Du in der App Karten für mindestens 10 Pfund kaufen. Die Informationen, welcher Bus wohin fährt findest Du darüber hinaus entweder über den Journey Planner von Lothian Buses oder wie gewohnt via Google. Richtig cool ist auch die App „Transport for Edinburgh“ von Lothian Buses ltd. Die zeigt dir zudem in Echtzeit dank GPS-Ortung an, in wie vielen Minuten welche Linie an der Haltestelle kommt, an der Du dich gerade befindest. Wichtig: Da an vielen Stellen mehrere Linien halten, musst Du sichtbar aus dem Bushäuschen raustreten, wenn sich dein Bus nähert. Sonst halten die Busse nämlich unter Umständen nicht an. 

 

Die schönsten Sehenswürdigkeiten für 3 Tage in Edinburgh

Wir hatten dreieinhalb Tage in Edinburgh, um all die wunderbaren Sehenswürdigkeiten in und um die Altstadt zu erkunden. Dabei haben wir uns wirklich viel Zeit genommen, haben Kaffee- und Teepausen eingelegt, in Buchläden gestöbert, uns intensiv mit den Sehenswürdigkeiten auseinandergesetzt und manchmal einfach nur die Nase auf einer Parkbank in der Sonne gewärmt. Wenn ich jetzt über die Google Map zu unserer Reise und durch die Bilder schaue, hätten wir unser “Programm” – wäre es uns nur ums Sightseeing gegangen – aber auch mit ein bisschen weniger Zeit schaffen können. Nach einer Reise hat man schließlich immer mehr Orientierung als zuvor 😉 Im Folgenden habe ich Dir unsere Unternehmungen ein bisschen sinnvoller zusammengestellt, als wir es tatsächlich getan haben, sodass Du, wenn Du wenig Zeit hast, auch mit zweieinhalb Tagen auskommen müsstest. Ansonsten machst Du es einfach wie wir und trinkst mehr Kaffee 😉 

 

Tag 1: Die Altstadt von Edinburgh

Scott Monument & die Princess Street Gardens

Ich weiß ja nicht, wie es Dir in fremden Städten geht, aber ich habe trotz meines Anti-Mainstream-Mindsets doch immer ein riesiges Bedürfnis, zu allererst die bekanntesten Sehenswürdigkeiten zu sehen. Deswegen begannen wir unsere Reise in Edinburghs Altstadt mit all ihren Postkarten Motiven.

Wenn Du nicht gerade in der Altstadt selbst Quartier beziehst, wirst Du in aller Regel mit dem Bus die Haltestelle “Princess Street” erreichen – die “zentrale Umsteigestelle” zwischen New Town und Old Town. Von hier hast Du bereits einen fantastischen Blick auf die gleichnamigen Gärten, das riesige Scott Monument, die Mauern der äußeren Altstadt und die imposante Burg, die über ihr thront. Es könnte also kaum einen besseren Ort geben, um in Edinburgh “anzukommen”. Mit einem ersten kleinen, romantischen Spaziergang durchquerten wir also die Princess Street Gardens auf dem Weg in die Altstadt. Wenn Du Lust hast, kannst Du dabei auch über 288 Stufen das 60 Meter hohe Scott Monument besteigen. Damit ist das Monument für den schottischen Autor Sir Walter Scott übrigens auch das höchste Monument der Welt, das je einem Schriftsteller gewidmet wurde. Aktuell zahlt man als Erwachsener 8 Pfund für ein Ticket.

Touristentrubel auf der Royal Mile

Hat man die Princess Street Gardens durchquert, sind es nun nur noch wenige Meter bis in die hoch gelegene Altstadt. Über verwinkelte Stufen erreicht man nun die High Street – die große, breite Straße, die auf einer knappen Meile geradewegs durchs die Altstadt bis zu Edinburgh Castle führt. Die Straße, auch Royal Mile genannt, wird gesäumt von Restaurants, hübschen Souvenirläden, jeder Menge drängelnder Touristen, Straßenkünstlern und Dudelsackspielern. Läufst Du jetzt zu Castle Hill, dem Hügel, auf dem auch die Burg steht, wirst Du rechterhand jede Menge sogenannte “Courts” entdecken – schmale Gassen, die in dunkle Hinterhöfe führen.

Überhaupt hat die Architektur durch die dunklen Mauern der alten georgianischen Gebäude einen ganz besonders schaurig schönen Charme, der selbst inmitten der belebten Royal Mile nur zu sehr an die Kulisse düsterer Schauermärchen erinnert. Kaum verwunderlich also, dass Robert Louis Stevenson diese Courts als Kulisse seines “Dr. Jekyll und Mr. Hyde” wählte, zumal hier der berühmte Edinburgher Dieb Deacon Brodie in ähnlicher Manier wie Mr. Hyde im 18. Jahrhundert sein Unwesen trieb und so zu Stevenson Inspirationsquelle wurde. 

Das Writers Museum im Makars Court

Doch ganz egal, ob Du nun so ein Bücherwurm bist wie ich oder eben nicht, lohnt sich an dieser Stelle ein kleiner Abstecher in das Writers Museum auf dem malerischen Makars Court. Diesen erreichst Du von der Royal Mile entweder über den Lady Stairs Close oder den Wardrops Court. Dort befindet sich, ganz versteckt inmitten der grauen Häuserwand, der winzige Eingang zu dem wundervoll hergerichteten Writers Museum.

Auf drei Etagen widmet sich dieses dem Leben und Schaffen der drei schottischen Schriftsteller Robert L. Stevenson, Sir Walter Scott und Robert Burns. Die dunklen, roten Teppiche, die engen Treppen, der Geruch von Büchern und die schummrigen Beleuchtung komplettieren dabei die nostalgische Atmosphäre einer Bibliothek, wie man sie meist nur noch in Geschichten findet.

Edinburgh Castle & St. Giles Cathedral

Nach unserem Besuch im Writers Museum liefen wir die letzten Meter bis zur Burg. Doch so imposant allein der äußere Burgring auch sein mag, waren uns die 20 Pfund für den Eintritt doch zu teuer, sodass wir es bei einem kleinen Blick hinters Tor beließen. 

Auf dem Weg zurück zur berühmten Victoria Street besichtigten wir stattdessen St. Giles Cathedral. Sie ist die Hauptkirche der “Church of Scotland” und eine der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten Edinburghs. Man nimmt an, dass die Kirche bereits 1120 erbaut wurde, bevor sie einem Brand erlag und im Stil der Gotik wiedererrichtet wurde. Anfang des 20. Jahrhunderts erhielt sie zudem einen Anbau – The Thistel Chapel – im neugotischen Stil, die auch heute noch als Kapelle für den Order of Thistle dient. Neben ihrer Größe sind es aber vor allem die beeindruckend schönen Fenster, die einen so spannenden Kontrast zur Schlichtheit der Kirche erzeugen. Die Glasfarben sind so matt, dass ein so sanftes Licht im Inneren der Kirche entsteht, dass man meinen könne, allein dieser Schein wäre imstande, die eisigkalte Luft zu erwärmen. Das Wissen, dass diese Fenster nicht so alt sind wie die restliche Kirche, sondern erst im späten 20. Jahrhundert eingesetzt wurden, raubt der Atmosphäre jedoch ein kleines bisschen die Romantik. 

Victoria Street aka. Winkelgasse

Sie ist das Postkartenmotiv Edinburghs – die berühmte Victoria Street unterhalb der Royal Mile. Wie auf einer Schnur aufgereiht, schmiegen sich hier auf der gewundenen Straße bunte Häuser, schmal und breit, schief und krumm aneinander. Jedem Harry Potter Fan wird hier, bevor er überhaupt die beiden Fanshops erblickt, klar, dass es sich hierbei nur um die Vorlage der Winkelgasse handeln kann. Und tatsächlich sind die Läden mitunter fast so kurios wie in der Welt von Harry Potter – Pubs und Scherzartikelläden, Zauberstäbe im Museum Context oder allerlei Zubehör für Ritter im “The Knights Vault”. Am oberen Ende der Straße kommt man über eine kleine Treppe hoch zu einer Terrasse, auf der man einen fantastischen Blick über die Straße hat.

 

Zu Besuch bei Voldemort auf dem Greyfriars Kirkyard

Spätestens beim Stichwort “Harry Potter” konnte das nächste Ziel unseres Spaziergangs nur noch der nahegelegene Greyfriars Kirkyard sein. Dieser ist bekanntermaßen eine der bedeutendsten Inspirationsquellen für J.K. Rowlings Harry Potter Romane gewesen – immerhin liegen auf dem Friedhof die Namensgeber für Lord Voldemort und Professor McGonagall begraben, während das Gelände selbst den Blick auf “Hogwarts” offenbart. Darüber hinaus gibt es aber noch eine andere Geschichte, für die Greyfriars Kirkyard noch lange vor der Zeit von Harry Potter bekannt wurde:

Neben vielerlei prominenter Edinburgher liegt nämlich auch seit 1858 Polizist John Gray begraben. Er hielt zum Zeitpunkt seines Todes einen kleinen Skye Terrier. Dieser verbrachte laut Überlieferung die übrigen 14 Jahre seines Lebens am Grab seines Herrchens und verließ es gerade einmal für die Mahlzeiten, die er großzügigerweise im nahegelegenen Coffee House bekam. Als auch der Hund dann im Alter von 16 Jahren starb, begrub man ihn bei seinem Herrn – heimlich, denn es war strikt verboten, Tiere auf Greyfriars Kirkyard zu bestatten. Dem Hund und seiner herzzerreißenden Treue zu Ehren errichtete man dann ein Denkmal vor dem Eingang des Friedhofs. 

Auf den Spuren von Harry Potter

An Greyfriar Bobbys Denkmal beginnt zudem am Nachmittag – je nach Saison 12, 14 und/oder 16 Uhr – die offizielle (aber kostenlose) Harry Potter Walking Tour – perfekt also für jeden Harry Potter Fan, um bei dieser geführten Tour durch Edinburgh Old Town auch all die Plätze kennenzulernen, an denen J.K. Rowling Inspiration für ihre Bücher fand und diese schließlich auch schrieb. Es passiert mir wirklich selten, doch dieses Erlebnis hat mich tatsächlich so begeistert, dass ich keine der 90 Minuten der Tour an einen anderen Gedanken verschwendet habe, als an die Welt von Harry Potter.

Harry Potter Edinburgh Trail

Mit liebevollster Inszenierung erzählen die Guide in passenden Umhängen faszinierende und spannende Details zur Entstehungsgeschichte der Romane, die ich so zuvor noch nirgendwo gefunden habe. Und weil meine Augen noch immer zu leuchten beginnen, wenn ich nur daran denke, habe ich den Entstehungsorten von Harry Potter einen eigenen Artikel gewidmet.

 

Tag 2: Edinburghs Osten – von der Southbridge zu Arthur’s Seat

Edinburgh “Nerdvana” – Fanshops an der Southbridge

Unseren zweiten Tag begannen und beendeten wir an der Southbridge, mitten in der Altstadt von Edinburgh. An diesem Tag erkundeten wir jedoch die östlich gelegenen Sehenswürdigkeiten außerhalb des Altstadtkerns. Zu Beginn unserer Tour kamen wir aber kaum umhin, durch den ein oder anderen Laden an der Southbridge zu bummeln. Immerhin ist Edinburgh so etwas wie ein “Nerdvana” für Fantasy Fans. Sicher steht überall Harry Potter im Mittelpunkt der Merchandise Shops, doch gibt es hier an der Southbridge auch einen Laden nur für Game of Thrones und eine Filiale von “The Boy Wizard” mit einer riesigen Erweiterung für Marvel Fans.

Spaziergang zum Holyrood Palace

Nachdem wir uns nach jeder Menge “Oh schau mal das hier!” von den Läden losgerissen hatten, spazierten wir nun ostwärts auf der Canongate einen knappen Kilometer vorbei an Tea Rooms bis zu Holyrood Palace, der offiziellen Residenz der Queen während ihrer Besuche in Schottland. Wenn die Queen und die Königliche Familie nicht gerade in Schottland verweilen, ist es jedoch möglich, den Palast, die Ruinen von Holyrood Abbey und die riesigen Gärten des Anwesens zu besichtigen.

Diese Tour ist unglaublich spannend, da wir so nicht nur erfuhren, wie die Räume des Palastes früher genutzt wurden, sondern auch, welche wichtige Rolle sie heute noch für die Royals spielen: Wo sie essen und was sie essen, welche unsagbar wichtige Rolle dabei sogar das Material des Geschirrs spielen kann, wie die Queen ihre Gäste empfängt und wie so eine Königliche Gartenparty abläuft. Dabei ist aber auch die bewegende Geschichte der Königsfamilie überall so zum Greifen nah, wie ich es bisher kaum irgendwo erlebt habe – sei es der Blutfleck von David Rizzio, den Queen Marys Ehemann vor 400 Jahren aus Eifersucht ermorden ließ oder die sichtbaren Schnitte in den Gemälden, die der Reformation 1559 zum Opfer fielen…

Im Anschluss an diese Besichtigung verwöhnte dann auch noch das dazugehörige Café mit sündhaftem Kuchen und den typisch britischen Sandwichs, die wirklich jedes Mal aufs Neue Verwunderung hervorrufen, wie durchweichtes Toastbrot nur so lecker sein kann. 😀 

Highlands light: Die Besteigung von Arthur’s Seat

Holyrood Palace ist außerdem ein geeigneter Ausgangspunkt, um den bekannten Aussichtspunkt Arthur’s Seat zu erklimmen. Zugegeben, dieser “Spaziergang” war dann doch anstrengender als gedacht. Knapp 30 Minuten brauchten wir tatsächlich, um die 251 Höhenmeter zu überwinden und irgendwie hätte ich mir trotz des erfrischenden Windes hinterher ein T-Shirt zum Wechseln gewünscht… doch immerhin bekamen wir so einen kleinen Eindruck von den schottischen Highlands. Schließlich sagt man auch diesen nach, dass die Berge der Highlands zwar aussehen mögen wie kleine Hügel, einen aber nicht weniger ins Schwitzen bringen als die Alpen. Doch mit oder ohne Schweiß: Der Ausblick, der sich von oben auf Edinburgh offenbart, ist jeden Meter wert – noch dazu, wenn sich wie bei uns auch noch ein Regenbogen bis zum Meer über die Stadt spannt.

Natürlich ist Arthur’s Seat aber nicht nur ein Aussichtspunkt, sondern hat wie viele Orte in Edinburgh eine eigene (Schauer)geschichte zu erzählen. 1836 fanden hier Kinder beim Spielen siebzehn kleine Puppensärge. Es gibt keinerlei Belege, doch Historiker nehmen an, dass diese Särge als Ruhestätte für die Geister der 17 Mordopfer der Serienmörder Burke & Hare dienen sollten. Die beiden Mörder sezierten und verkauften die Körper für anatomische Studien, sodass sie nicht wie üblich zu Grabe getragen werden konnten. Man nimmt also an, dass man ihnen auf diesem Weg die letzte Ruhe schenken wollte. Ziemlich düster, oder!?

The Royal Museum

Nach dem Abstieg und einem wärmenden Tee in Clarindas Tea Room spazierten, ähm, fuhren wir mit dem Bus von Holyrood Palace mit der Linie 35 bis zur Haltestelle des National Museum of Scotland, um dort den restlichen Nachmittag zu verbringen. Schließlich waren unsere Füße ganz schön platt und über Edinburgh breiteten sich dicke Regenwolken aus. Doch glaub mir, das Royal Museum ist weit mehr als ein Unterschlupf bei Regen! Zwar hatte ich zuvor einige Bilder gesehen, doch als ich dann selbst in der riesigen Royal Albert Hall stand, bin ich gar nicht mehr fertig geworden zu staunen.

1888 eröffnete das Royal Museum damals als Museum für Naturwissenschaften, Technik und Kunst. Inzwischen wurde es an das Museum of Scotland angegliedert und bildet zusammen mit seinen Ausstellungen zu Kostümierungen, Flugwesen und Ethnologie das National Museum of Scotland. Und ja, ich weiß, dass “Nachts im Museum” im Naturkundemuseum in New York gedreht wurde, doch waren die Parallelen zu den Ausstellungsräumen nicht zuletzt dank des T-Rex Skeletts so stark, dass es nicht schwer ist sich vorstellen, wie hier nachts alles zum Leben erwacht.

 

Tag 3: Kunst und Natur in Edinburghs Newtown

Nachdem wir uns die ersten beiden Tage sehr intensiv der Altstadt gewidmet hatten, wollten wir nun unseren letzten Tag nutzen, um auch die Newtown kennenzulernen – besonders, nachdem uns unser Gastgeber und Maler Stephen Howard Harrison uns das so sehr ans Herz gelegt hatte.

Scottish National Portrait Gallery

Nach einem richtig guten Frühstück in “The Newtown Fox” begannen wir unseren Tag deshalb in der Scottish National Portrait Gallery. Auch hier sind die Architektur des neogotischen Baus und die imposante Eingangshalle mit ihrem aufwändigen Dekorationsschema, den Wandgemälden und skulpturalen Verzierungen bereits ein Kunstwerk für sich. Kaum vorstellbar, dass die Hallen darüber hinaus 3.000 Gemälde, 25.000 Drucke und 38.000 Fotografien beherbergen!

Und auch, wenn das hundertste Portrait wichtiger historischer Persönlichkeiten doch ein wenig angestaubt daherkommt, sind es vor allem die unterschiedlichen Räume, die den Besuch so spannend machen. Mal sind es riesige, helle Hallen, mal dunkle, fast schon intime Kammern zwischen denen man hin- und her wandelt. Sicher bräuchte man hier weit mehr als einen ganzen Tag, um die gesamte Ausstellung zu sehen, doch ein Stündchen reicht bereits, um wenigstens einen Eindruck zu gewinnen.

Ein Spaziergang durch Newtown zu Dean Village

Nachdem sich nun auch der morgendliche Regen verzogen hatte und der Himmel goldenes Herbstlicht vor uns ausbreitete, folgten wir der Empfehlung unseres Gastgebers und spazierten zunächst über die Dundas Street mit ihren vielen kleinen Galerien zur Great King Street und durch den kleinen Park des Circus Place bis zum Zugang zu Dean Village über die St. Bernard’s Bridge. Dabei kamen wir an unzähligen typisch britischen Wohnhäusern mit ihren bunten Haustüren vorbei und gewannen durch das ein oder andere Fenster einen Einblick in britische Gemütlichkeit.

Mal stapelten sich Töpferwaren in Fenstern, Bücher unter Leselampen, mal konnte wir in Küchen schauen, in denen Pfanne und Töpfe von der Decke hingen, sahen eine alte Frau im Ohrensessel dösen oder beobachteten Katzen, wie sie auf Fenstersimsen balancierten – ganz so, wie es das Bild einer britischen Bilderbuchwohnung verlangt. Das schönste Haus jedoch fanden wir an der Ecke zu India Place – eine kleine Töpferei mit rauchenden Schornsteinen, deren Treppe über und über mit Blumentöpfen bestellt war und aus deren Garten rot leuchtendes Laub hervor schien. 

Ein Dorf in Edinburgh: Dean Village

Über die Treppe der St. Bernard’s Bridge stiegen von der Straße hinab in den Park rund um das Flussbett des Water of Leith, der hier die Vororte Edinburghs quert. Links und rechts war der Fluss an diesem Tag gesäumt von leuchtend bunten Bäumen, die dennoch genug Platz für die Sonne ließen, die uns mit fast schon goldenen Strahlen das Gesicht wärmte.

So spazierten wir entlang des Flusses vorbei an St. Bernard’s Well, einer alten Mineralwasserquelle und unter der Dean Bridge hindurch, bis wir schließlich das Postkartenmotiv an erreichten, wo Dean Path über eine schmale Brücke den Water of Leith quert. Von dort hat man einen wirklich romantischen Ausblick über den Fluss und die umstehenden Backsteinhäuser, die überall von bunten Herbstlaub bedeckt waren.

 

Mehr als 800 Jahre wurde hier dank des Flusses in bis zu 10 Mühlen Getreide gemahlen. Nachdem die Mühlen verschwanden, verkam Dean Village zu einem armen Viertel, bevor man Ende des 20. Jahrhunderts den Erholungswert erkannte, den das dörfliche Tal inmitten der Großstadt hatte. Infolge wurde renoviert und gebaut, sodass heute die alten Behausungen der Arbeiter zu den begehrtesten Apartments der Stadt zählen.

Der perfekte Unterschlupf bei Kälte und Regen: The Royal Botanical Gardens

Da uns an diesem Tag dennoch nicht mehr Sonne vergönnt war, beschlossen wir, unsere Sightseeing Tour in den Royal Botanical Gardens fortzusetzen. (Glaub mir, es ist echt so, wie immer alle behaupten: In Schottland kann die Sonne scheinen und im nächsten Moment fällt der Regen wie aus Eimern) Mit dem Bus fuhren wir von der Haltestelle Drumseugh Place bis zum Royal Botanical Garden, um uns in seinen warmen Hallen vor dem eisigen Herbstwetter zu verkriechen.

 

Ursprünglich wurde der Botanische Garten im 17. Jahrhundert erbaut, um pharmazeutische Pflanzen zu kultivieren. Nachdem der Garten von seiner ursprünglichen Position wegen der zunehmenden Luftverschmutzung 1820 an seinen heutigen Standort bei Inverleith versetzt werden musste, wurde er knapp 40 Jahre später um das hübsche Palm Tree House mit seiner riesigen Glaskuppel erweitert. Bis heute ist dieser Anbau damit das größte seiner Art in Großbritannien. Wenn man genau hinschaut, findet man hinter der Kasse sogar noch die alten, rostigen Wendeltreppen, die inzwischen fast vollständig von den Pflanzen überwuchert werden.

 

Essen und Trinken in Edinburgh

Eine wichtige Sache, die bisher viel zu kurz gekommen ist: Essen und Trinken! Denn schließlich ist Edinburgh für seine Pubkultur bekannt und auch das schottische Essen muss sich meiner Meinung nach entgegen vieler Vorurteile ganz sicher nicht verstecken. Hier findet ihr unsere Empfehlungen für Alt- und Neustadt:

Pubs & Restaurants in Edinburgh Old Town

  • Im Devil’s Advocate kann man in schnieker Pub-Atmosphäre trinken und leckere Kleinigkeiten essen. Die Hauptspeisen sind jedoch ganz schön teuer.
  • “The Milkman” hat wirklich guten Kaffee
  • In Clarinda’s kitschigem authentischem Tea Room lässt es sich Tee trinken und Scones essen wie im Bilderbuch
  • Holyrood 9a: Hier gibt’s richtig gute Burger und Bier!

Pubs & Restaurants in Edinburgh New Town

  • Im Pub “Sir Conan Doyle” gibt es richtig gute Pies 
  • Unser Favorit: Im “The Barony” ist es sehr gemütlich und es gibt leckere Bar Snacks. Probier unbedingt die kleinen Fische mit Knoblauchdip oder die handgemachten Pommes! 
  • Im “The Newtown Fox” bekommst Du Eggs Benedict und anderes Frühstück
  • Das “The Dome” solltest Du unbedingt wegen des Gebäudes und Interieurs erleben! Wenigstens auf ein Bier 😉 
  • Im “The Guilford Arms” erlebt man echte Pub-Atmosphäre 
  • In der Söderberg Bakery verwöhnt mit unglaublich leckerem Gebäck zum Frühstück

Wenn Du typisch britisch/schottisch essen willst, solltest Du folgende Dinge probieren:

Scones: Ein fluffiges Gebäck in Brötchenform mit knuspriger Kruste, wird gereicht mit Marmelade und Sahne 

Pie: Pasteten mit einer Kruste aus Kartoffelbrei. Der Klassiker ist der Sheperds Pie und kommt mit Hackfleischfüllung, es gibt aber auch vegetarische Varianten.

Fish & Chips in Bierteig – wo, wenn nicht hier!? 

Haggis (eine Empfehlung, die ich nur mit verzogenem Gesicht aufliste): Gehackte Schafsinnereien werden mit Rindernierenfett, Zwiebeln, Haferflocken und Kräutern zusammen gemischt und gekocht. Kann man machen, muss man aber nicht 😀

Shortbread: Ein sündhaft leckeres Mürbeteiggebäck, das als “Millionaires Shortbread” sogar noch mit Schokolade und Karamell verfeinert wird

Fudge: Zugegeben, etwas klebrig ist das schon, macht aber viel Freude. Die Grundzutaten Zucker, Butter, Milch und Sahne werden mit weiteren Zutaten vermischt und es entstehen die kleinen Fudge-Würfel in verschiedensten Geschmacksrichtungen

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