Wandern in der Sächsischen Schweiz: Durch die märchenhaften Schwedenlöcher zur Bastei

Wandern in der Sächsischen Schweiz: Durch die märchenhaften Schwedenlöcher zur Bastei

Wandern in der Sächsischen Schweiz: Durch die märchenhaften Schwedenlöcher zur Bastei

Die Bastei ist neben der Festung Königstein wohl so ziemlich das Highlight in der Sächsischen Schweiz. Doch wie es sich mit Highlights häufig verhält, wollen so ziemlich alle Besucher dieses auch sehen – immerhin sind die Architektur und die Geschichte der Felsenbrücke wirklich spektakulär und noch dazu hast Du von dort oben einen grandiosen Ausblick über das Elbtal. In die Sächsische Schweiz zu kommen und die Bastei zu verpassen wäre also so ziemlich dasselbe wie nach Mailand zu fahren und den Dom zu ignorieren. Doch so atemberaubend schön das ganze Felsmassiv um die Bastei auch ist, ist es deshalb eben auch extrem überlaufen. 

Deshalb verrate ich Dir in diesem Beitrag meine fast schon geheime Wanderroute, die Dich zwar zur Bastei bringt, sonst aber die Menschenmassen geschickt meidet. Noch dazu führt Dich diese Wanderung durch die magischen Schwedenlöcher – eine verwunschene Schlucht, in der es ganz leicht ist, an Feen zu glauben – über Wiesen und Felder und schließlich zu dem Felsmassiv Gamrig mit seinen vielen Plateaus, auf denen es sich wunderbar picknicken lässt.

Anfahrt zum Startpunkt in Porschdorf

Die meisten Leute, die zur Bastei kommen, parken entweder gleich wenige hundert Meter entfernt am großen Bastei Parkplatz oder nehmen direkt den Aufstieg aus dem Ortszentrum von Rathen – entsprechend viel ist dort natürlich los. Meine Lieblingsroute beginnt jedoch schon ein kleines Stück weiter entfernt in Porschdorf und lässt den Besucherstrom zumindest zu Beginn links liegen. 

Wenn Du mit dem Auto anreist, kannst Du in Porschdorf kostenlos am Parkplatz an der Frinztalmühle parken. Nur wenige Meter entfernt befinden sich aber auch der Bahnhof Porschdorf (Pirna) und die Bushaltestelle Porschdorfer Einkehr, sodass Du auch bequem von Bad Schandau aus mit dem Zug oder der Buslinie 253 des RVSOE zum Startpunkt gelangst. 

Highlights auf der Rundwanderung zur Bastei

Länge: 17,5 km

Höhenmeter: 560 positiv, 560 negativ

Dauer: 5:30 Stunden ohne Pause

ROUTE UND GPS DATEI BEI OUTDOORACTIVE

Hach, ich muss zugeben, ich bin immer noch ein bisschen stolz, dass ich diese tolle Route auf der Karte entdeckt habe! Denn jedes Mal, wenn ich Besuch von Freunden bekomme, die nicht in Sachsen groß geworden sind und wir gemeinsam Ausflüge planen, ist eine Wanderung zur Bastei fast schon obligatorisch. Doch einfach nur oben am großen Parkplatz zu parken oder sich am Wochenende mit unzähligen Menschen von Rathen aus über die Stufen nach oben zu schieben, war mir dann doch etwas zu uncharmant – vor allem bei dem Gedanken wie atemberaubend schön die Landschaft ist, die um die Bastei ringsrum liegt! Deshalb habe ich nach einer Route gesucht, die noch viel mehr Facetten der Sächsischen Schweiz zeigt. 

Über Wiesen und Felder zum Amselsee

Die Wanderung beginnt deshalb schon ein paar Kilometer vor Rathen und führt zunächst über schönste Wiesen und Felder von Porschdorf nach Waltersdorf und weiter zum Felsmassiv Gamrig. Dort gibt es zwar auch einen großen Wanderparkplatz, doch würde ich nie auf die erste Kilometer bis dorthin verzichten wollen. Obwohl Porschdorf selbst nicht besonders einladend aussieht, läuft man dort gleich hinter dem Ortsausgang über saftig grüne Wiesen und durch ein zauberhaft schönes, sumpfiges Tal, in dem sich der Pfad durch ganze Teppiche dicht gewachsenen Wassernabels schlängelt. Besonders im Frühling, wenn dann auch noch weiße Blütenteppiche zwischen all dem Grün hervorragen und die zarte Morgensonne die Szenerie schimmern lässt, ist dieses kleine unscheinbare Tal so voller Magie! 

Leider führt der Weg immer schon viel zu früh aus dem Tal hinauf nach Waltersdorf. Von dort ist es dann jedoch auch gar nicht mehr weit bis zum Gamrig, wo später der Rückweg der Rundwanderung wieder auf den Hinweg trifft. Da früh die Sonne noch nicht über die Bäume reicht und das Felsmassiv im Schatten liegt, hebe ich mir den Abstecher zum Gamrig gern für den Nachmittag auf und laufe lieber zügig in Richtung der Schwedenlöcher. Auf dem Weg dorthin gelangst Du auch an den malerisch gelegenen Amselsee. Gerade im Sommer ist dieser See auch ein wirklich schönes Ausflugsziel, um dort ein Ruderboot zu leihen und gemütlich vor dem Wald- und Felspanorama umher zu schippern. 

Magische Schwedenlöcher: Zu Besuch bei den Feen & Elfen des Elbsandsteingebirges

Wenige hundert Meter hinter dem Amselsee liegt der Einstieg zu den Schwedenlöchern und damit auch der Beginn eines stufenreichen, steilen Aufstiegs zur Bastei. Im Gegensatz zum Aufstieg aus dem Ortszentrum sind die Schwedenlöcher aber viel spektakulärer! Besonders früh, wenn noch wenige Wanderer unterwegs sind und es ganz still ist, ist es gar nicht schwer, hier an Feen und Geister zu glauben… über viele Stufen führt der Weg durch dichten Wald auf einen fast schon abenteuerlichen Pfad, der sich dann durch enge Felsspalten windet. Links und rechts türmen sich moosbewachsene, leuchtend grüne Sandsteinformationen auf, während das Licht, das hier und dort in die Schlucht dringt, Schattengespenster an die Wände zaubert. Immer wieder muss man sich durch schmale Spalte schieben oder über Planken gehen, während jede Biegung eine neue Märchenbuchkulisse offenbart. 

Übrigens: Die Schwedenlöcher erhielten ihren Namen, als schwedische Soldaten im Dreißigjährigen Krieg das Dorf Rathewalde zerstörten und sich die Bewohner mit ihrem Hab und Gut in der wilden, engen Schlucht in Sicherheit brachten. Auch später, während des Großen Nordischen Kriegs von 1706, der Befreiungskriege 1813 und in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs diente die Schlucht immer wieder als Zufluchtsort. Erste Wege wurden im 18. Jahrhundert zur Holzgewinnung angelegt, die touristische Erschließung erfolgte erst Ende des 19. Jahrhunderts, obwohl im selben Zeitraum ein paar hundert Meter weiter an der Bastei schon ein festes Gaststättengebäude, eine Fernsprechanlage und eine Wasserhochdruckleitung gebaut wurden, um den Besuchern gerecht zu werden.

Das Wander-Highlight der Sächsischen Schweiz: Unterwegs auf der Bastei

Wenn ich dann oben aus der Schlucht ins Licht trete, ist das jedes Mal ein ganz ähnliches Gefühl, wie wenn ich die letzte Seite eines Harry Potter oder Herr der Ringe Romans gelesen habe, das Buch zuklappe und langsam wieder in der Realität ankomme – denn hier, oberhalb der Schwedenlöcher beginnt der ganze Trubel um die Bastei. Gleich gegenüber des “Ausgangs” befindet sich die Pavillionaussicht, die Du dir auf keinen Fall entgehen lassen solltest! Von dort braucht es dann auch keine Karte mehr… hier reicht es, sich im Strom der Besucher bis zur Bastei tragen zu lassen – und wirklich, die ist einfach nur spektakulär. 76,5 Meter lang ist die Brücke, die hier zwischen den bizarren Felsentürmen mit sieben Bögen die tiefe Schlucht überspannt. Während Du rechterhand einen wirklich atemberaubenden Weitblick über das Elbetal hast, bieten die verschiedenen Aussichtsplattformen links alle eine neue Perspektive auf die Brücke und die umliegenden Felsen. 

Ganz besonders spannend (nur aktuell leider geschlossen, Stand 04/2020) ist die Felsenburg Neurathen gleich am anderen Ende der Brücke. Sie wurde bereits im 13. Jahrhundert errichtet und ist die größte mittelalterliche Felsenburg der Sächsischen Schweiz. Die Gebäude waren aus Holz und sind deshalb natürlich nicht mehr erhalten, doch kann man heute noch ausgehauenen Räume, Durchgänge, Balkenfalze und die Zisterne erkennen. Einige Teile der Burg wurden sogar als Freilichtmuseum rekonstruiert. Ein Ticket kostet aktuell (Stand 04/2020) 2 Euro.

Bastei(brücke) & Felsenburg Neurathen Lange bevor die Bastei touristisch erschlossen wurden, dienten die Felsen als natürliche Burgmauer für die Felsenburg Neurathen. 1289 wurde die Burg erstmals schriftlich erwähnt, wann sie tatsächlich errichtet wurde ist unklar. Gebaut auf dem Plateau, das an der breitesten Stelle gerade einmal 100 m breit ist, war sie von den steilen, bis zu 60 m tiefen Schluchten vor Angriffen geschützt. Nichtsdestotrotz ging die Burg 1469 nach mehreren Kämpfen aus dem Besitz böhmischer Adelsgeschlechter an den sächsischen Kurfürsten über. Die breiteste Schlucht, die die Burg umgibt, ist die Mardertelle, die heute von der Basteibrücke überspannt wird. Ursprünglich war die Basteibrücke, als sie 1826 für touristische Zwecke gebaut wurde, jedoch nur eine Holzbrücke. 1851 wurde sie dann wegen des steigenden Besucherverkehrs gegen die heutige Brücke aus Sandstein ersetzt, die nun auch zur Felsenburg Rathen führt. Damals gab es bereits eine kleine Gastronomie, die in zwei Rindenhütten Brot, Butter, Bier, Branntwein, Kaffee und Milch anbot.

Bastei(brücke) & Felsenburg Neurathen

Lange bevor die Bastei touristisch erschlossen wurden, dienten die Felsen als natürliche Burgmauer für die Felsenburg Neurathen. 1289 wurde die Burg erstmals schriftlich erwähnt, wann sie tatsächlich errichtet wurde ist unklar. Gebaut auf dem Plateau, das an der breitesten Stelle gerade einmal 100 m breit ist, war sie von den steilen, bis zu 60 m tiefen Schluchten vor Angriffen geschützt. Nichtsdestotrotz ging die Burg 1469 nach mehreren Kämpfen aus dem Besitz böhmischer Adelsgeschlechter an den sächsischen Kurfürsten über. Die breiteste Schlucht, die die Burg umgibt, ist die Mardertelle, die heute von der Basteibrücke überspannt wird. Ursprünglich war die Basteibrücke, als sie 1826 für touristische Zwecke gebaut wurde, jedoch nur eine Holzbrücke. 1851 wurde sie dann wegen des steigenden Besucherverkehrs gegen die heutige Brücke aus Sandstein ersetzt, die nun auch zur Felsenburg Rathen führt. Damals gab es bereits eine kleine Gastronomie, die in zwei Rindenhütten Brot, Butter, Bier, Branntwein, Kaffee und Milch anbot.

Von der Bastei aus nehme ich schließlich die Treppen zurück nach Rathen – diesmal allerdings nicht die Schwedenlöcher, sondern die ewig lange Treppe, die durch den Wald direkt ins Ortszentrum nach Rathen führt. Auf diese Weise kommt man außerdem am Ende des Abstiegs direkt an der Eisbude vorbei, an der so leckeres Softeis gibt – denn mit einem Eis in der Hand merkt man in der Regel gar nicht mehr, wie weh die Füße nach den gefühlt drölfzigtausend Stufen tun 😀 

Picknick unter Kiefern am Gamrig

Bevor es jedoch ab Waltersdorf denselben Weg zurück nach Porschdorf geht, wartet noch der aufgeschobene Abstecher zum Gamrig. Der Gamrig ist mit seinen 253 Metern Höhe ein sehr beliebter Kletterspot und vor allem deshalb so interessant, weil das Felsmassiv völlig frei in der Landschaft steht und wie ein Turm in den Himmel ragt. Ich liebe diesen Ort vor allem deshalb so sehr, weil auch viele höher gelegene Stellen von der Rückseite leicht ohne Kletterausrüstung erreichbar sind. Mit ein bisschen Trittsicherheit erreichst Du so kleine Plateaus, die am Nachmittag in der warmen Sonne liegen – perfekt also für eine ausgedehnte Pause samt Nickerchen und Picknick. Wenn es doch einmal zu heiß ist, findest Du aber auch schattige Plätze unter den Waldkiefern, die hier sogar weit oben an den Fels klammern. 

Übrigens…

Das bekannte Bild „Wanderer über dem Nebelmeer“ von Caspar David Friedrich zeigt links vom Wanderer das Felsmassiv des Gamrig.

Meist verlasse ich meinen Lieblingsplatz am Gamrig erst spät am Abend, sodass das Licht gerade noch reicht, damit ich rechtzeitig den Weg zurück nach Porschdorf finde. Und glaub mir, ich kann es kaum erwarten, dass ich das nächste Mal wieder Mate schlürfend mit einem Buch unter meiner Lieblingskiefer sitzen kann…


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