Herbstwandern auf dem Darß: Auf dem Leuchtturmweg zu den Hirschen

Herbstwandern auf dem Darß: Auf dem Leuchtturmweg zu den Hirschen

Herbstwandern auf dem Darß: Auf dem Leuchtturmweg zu den Hirschen

Ich habe sicher vieles für möglich gehalten, aber bestimmt nicht, dass ich eine Wanderung, auf der es keinen einzigen Berg zu erklimmen gibt, mal die spektakulärste nennen würde, die ich je unternommen habe. Aber ganz von vorn: Meine Wanderreise durch Mecklenburg-Vorpommern führte mich natürlich auch nach Fischland-Darß-Zingst und damit in den Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft. Statt bei vorhergesagtem Regen erwachte ich an diesem Tag in der verheißungsvollen Kälte eines wolkenlosen Herbsttages. Es war so zeitig am Morgen, dass sich noch kein einziger Sonnenstrahl hinter dem Horizont hervorgekämpft hatte. Höchste Zeit, den Rucksack zu packen, denn mit etwas Glück würde ich heute Zeuge eines ganz besonderen Naturereignisses werden.

LÄNGE: 12,2KM
DAUER: 3:00 H
HÖHENMETER: 20 POSITIV, 20 NEGATIV

TOUR BEI OUTDOORACTIVE

Ankommen in Prerow: Anfahrt zum Wanderparkplatz

Startpunkt meiner Wanderung ist der Wanderparkplatz an der Ferienanlage “Haus hinter den Dünen” und damit der letzte mit dem Auto erreichbare Ort am Zipfel der Halbinsel, bevor die Ferienhäuschen und Restaurants ganz und gar der Natur weichen. Alternativ hält hier, an der Haltestelle “Parkplatz Bernsteinweg”, aber auch die Darßbahn Prerow – jedoch nicht so zeitig am Morgen. Diese verbindet verschiedene Stationen des langgestreckten Orts mit dem Wanderparkplatz und fährt – zusammen mit ein paar Kremsern – auf einem breiten Forstweg bis zum Leuchtturm am Darßer Ort. Doch das soll mich nicht weiter interessieren, denn schließlich will ich den Leuchtturmweg zu Fuß erkunden.

Zum Sonnenaufgang am Meer entlang

Da ich so zeitig am Morgen unterwegs bin und gerade die ersten Sonnenstrahlen das Meer am Horizont schüchtern funkeln lassen, entscheide ich mich, die Wanderung entgegen ihrer gedachten Laufrichtung zu beginnen. Somit würde ich die ersten Kilometer am Strand entlanglaufen und dem Schauspiel des beginnenden Tages zusehen können, anstatt durch den gerade noch viel zu dunklen Kiefernwald zu stapfen. 

Tatsächlich habe ich den gesamten Strand für mich allein. Während am Himmel die schönsten Rosa- Blau- und Lilatöne wie von der Hand eines Malers ineinander wechseln und mir die frische Meeresbrise um die Ohren weht, sind um mich herum noch unzählige Vögel auf ihrem morgendlichen Streifzug auf der Suche nach ihrem Frühstück. Möwen, Sanderlinge, Dohlen und sogar ein hochfliegender Greifvogel erfüllen die kalte Herbstluft mit ihren Rufen und dem stetigen Klopfen, wenn die größeren Tiere ihre Muscheln auf Steine schlagen, um an ihr nahrhaftes Inneres zu gelangen.

Ein besonderes Erlebnis im Herbst: Die Hirschbrunft im Nationalpark erleben

So paradiesisch allein schon dieser Abschnitt meiner Wanderung ist, habe ich dennoch noch nicht entdeckt, wonach ich eigentlich suche. Erst am Ende des Strandabschnittes, wo der Weg an einem kleinen Leuchtturm vom Sand auf die Holzbohlen führt, kann ich sie hören: Die Rufe der Hirsche. Ich habe also tatsächlich Glück. Mit den Hirschen zusammen entdecke ich auch eine Gruppe Gleichgesinnter, die mir verraten, dass ich mein Ziel erreicht habe. Wie die Hühner auf der Stange stehen mehrere Fotografen in Tarnkleidung mit ihren Kameras und riesigen Objektiven am Weg und schauen abwechselnd durch ihre Ferngläser und Objektive. 

Es ist Hirschbrunft und die Hirsche rufen in unglaublicher Lautstärke nach ihren zukünftigen Rehdamen. Obwohl dieses Naturschauspiel sonst dem normalen Wanderer verborgen bleibt, befinden wir uns hier in einer weglosen und jagdfreien Zone des Nationalparks, was dazu führt, dass sich die Hirsche besonders “unvorsichtig” bewegen. Immer wieder lassen sie sich zwischen den Bäumen und Schilfgräsern blicken, sodass es mitunter nicht mal ein Fernglas braucht, um sie zu entdecken. Die ohnehin schon spektakulär schöne Natur aus Wasser, Schilf, Dünen und windgepeitschten Waldkiefern wird gleichsam zu Bühne und Intendant des einzigartigen Schauspiels. 

Durch die Dünen zum Leuchtturm am Darßer Ort

Als ich mich nach langer Zeit von den Hirschen losreiße, begleiten mich ihre Rufe noch einige Kilometer. Der Weg schlängelt sich hier über Sand und Bohlen durch die Dünenlandschaft, vorbei an Seen und den wenigen niedrig wachsenden Kiefern. Grund für den spärlichen Baumwuchs ist das salzhaltige Grundwasser. Stattdessen dominiert sogenanntes Salzgrasland die Landschaft, dazwischen viele Pflanzenarten, die anderswo in Mitteleuropa unter natürlichen Bedingungen kaum noch vorkommen. 

Am Ende des so idyllischen Holzbohlenweges wartet das Bauwerk, das dem Wanderweg seinen Namen gibt: Der Leuchtturm am Darßer Ort. 35 Meter ragt der rote Ziegelbau aus dem Sand heraus, um wie schon seit knapp 200 Jahren mit seinem Licht den Schiffen bei Dunkelheit und Nebel Orientierung zu geben. Inzwischen jedoch wird das Feuer elektrisch betrieben, die Leuchtturmwärter sind ausgezogen und haben Platz gemacht für das NATUREUM. Auf seinem Außengelände, im Leuchtturm selbst und den umstehenden Gebäuden lassen sich sowohl die Geschichte des Leuchtturms als auch der Naturraum des Darßer Orts entdecken.

Die Tage des Leuchtturms sind gezählt Seit etwa 1952 geht vor dem Darßer Ort jährlich etwa ein Meter Land durch die natürliche Küstendynamik verloren. In etwa 50 Jahren wird das Meer den Leuchtturm erreichen und ihn nach und nach unterspülen. Unter dem Begriff der Küstendynamik versteht man die natürliche Abtragung von Landmassen an einer Stelle und deren Anlandung an einer anderen Stelle der Küste. Im Herbst und Frühling reicht manchmal sogar schon ein starker Sturm, um den Strand am Leuchtturm verschwinden und an einer anderen Stelle wieder anschwemmen zu lassen.

Die Tage des Leuchtturms sind gezählt

Seit etwa 1952 geht vor dem Darßer Ort jährlich etwa ein Meter Land durch die natürliche Küstendynamik verloren. In etwa 50 Jahren wird das Meer den Leuchtturm erreichen und ihn nach und nach unterspülen. Unter dem Begriff der Küstendynamik versteht man die natürliche Abtragung von Landmassen an einer Stelle und deren Anlandung an einer anderen Stelle der Küste. Im Herbst und Frühling reicht manchmal sogar schon ein starker Sturm, um den Strand am Leuchtturm verschwinden und an einer anderen Stelle wieder anschwemmen zu lassen.

Durch den Urwald zurück zum Parkplatz

Vom Leuchtturm aus geht es nun fast schnurgeradeaus zurück zum Parkplatz. Doch auch, wenn der Weg auf der Karte erst einmal wie ein unspektakulärer Forstweg erscheinen mag, ist er alles andere als langweilig. Neben dem Forstweg selbst führt nämlich ein schmaler Wanderweg durch den wildromantischen Darßwald. Da dieser Wald zum Nationalpark gehört, ist er weitgehend unberührt von menschlichen Einflüssen und wächst gerade so, wie Wind und Wetter ihn formen. Während linkerhand des Weges Kiefern wachsen und die Sonne ihre Lichtungen erleuchtet, liegen rechterhand märchenhaft die dunklen Erlenbruchwälder, durchzogen von alten, knorrigen Buchen. Besonders jetzt im Herbst, wenn nur noch wenige Touristen dem kalten stürmischen Wetter trotzen, kann man hier auch tagsüber der geheimnisvollen Stille des Waldes lauschen und Pilze zählen. 


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HINWEIS ZUR TRANSPARENZ/// DIESER BEITRAG ENTSTAND IN KOOPERATION MIT dem Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern e. V.. MEINE PERSÖNLICHE MEINUNG BLEIBT DAVON NATÜRLICH UNANGETASTET. IHR DÜRFT EUCH ALSO DARAUF VERLASSEN, DASS MEINE BEGEISTERUNG GANZ ECHT UND EHRLICH IST. INDIANEREHRENWORT.

 

2 Comments
  • Franzi
    2 Wochen ago

    Liebe Magda,

    mal wieder hast Du mit deiner Tour durch MV die wunderbaren Landschaften souverän eingefangen.
    Ich liebe diese Bilddynamik, da sie wunderbar die aktuelle Herbstzeit widerspiegelt.
    Wir haben uns wohl nur über ein paar Tage in Prerow sowohl als auch auf Rügen verpasst.
    Der Darßer Ort ist immer wieder eine Anlaufstelle, wenn ich auf Fischland-Darß-Zingst unterwegs bin. Es ist bewegend, eben so wie das Meer.

    • Magda
      4 Tagen ago

      Vielen Dank für deine lieben Worte, Franzi. Ich war auch ganz sehr begeistert, die Landschaft in diesen schönen Herbstfarben zu erleben. Ich hoffe, Du hattest eine schöne Zeit am Meer! Alles liebe, Magda

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