Zum Mittelpunkt der Erde und zurück: Ein Tagesausflug von Reykjavik zur Snaefellsnes Halbinsel

Zum Mittelpunkt der Erde und zurück: Ein Tagesausflug von Reykjavik zur Snaefellsnes Halbinsel

Zum Mittelpunkt der Erde und zurück: Ein Tagesausflug von Reykjavik zur Snaefellsnes Halbinsel

Nicht umsonst wird die Snaefellsnes Halbinsel auch “Island in Miniatur” genannt. Auf ihr gibt es alles zu sehen, wofür Island bekannt ist: Wasserfälle, Vulkankrater, Berge und Gletscher, Lavafelder, Steilküsten, Basaltformationen, Strände, heiße Quellen und Fischerdörfchen. Der namensgebenden Snaefellsjökull ist im Übrigen sogar der Vulkan, an dem Jule Vernes “Reise zum Mittelpunkt der Erde” begann. Und das beste: Die Snaefellsnes Halbinsel eignet sich mit 2 Stunden Entfernung von Reykjavik hervorragend für einen Tagesausflug. Wenn Du den Golden Circle und die Südküste Islands also schon kennst, verspricht diese Tour einen weiteren spektakulären Roadtrip.

Der Weg von Reykjavik zur Snaefellsnes Halbinsel

Zwischen Reykjavik und der Snaefellsnes Halbinsel liegen in etwa 130 km. Für diese Fahrt bis zur ersten Sehenswürdigkeit (der schwarzen Kirche von Búðir) habe ich in etwa 2 Stunden benötigt. Da ich mir nicht sicher war, wo ich auf der Halbinsel die erste Tankstelle finden würde, habe vorsichtshalber in Borgarbyggð noch einmal vollgetankt. Das war insofern unnötig, da es sowohl an der Straße auf der Südseite eine und auf der Nordseite wenigstens drei Tankstellen in Hellissandur, Snaefellsbaer und Grundarfjörður gibt. Die Gesamtstrecke der Route von Reykjavik zu allen unten genannten Sehenswürdigkeiten und zurück betrug letztlich schlappe 450 km. Da in Island aber bekanntermaßen selbst das Autofahren ein Highlight für sich ist, kam mir der Weg nicht mal ansatzweise so lang vor… noch dazu wurde die Strecke immer wieder durch spektakuläre Sehenswürdigkeiten unterbrochen. Trotzdem solltest Du unbedingt einen ganzen Tag mit ca. 12 Stunden Zeit einplanen. Im Umkehrschluss bedeutet das auch, dass der Tagesausflug zur Snaefellsnes Halbinsel tatsächlich nur in den Sommermonaten funktioniert, wenn es lang genug hell ist. Im Winter braucht es durch die wenigen Sonnenstunden 2 Tage. Dann jedoch findest Du auch auf der dünn besiedelten Halbinsel mehrere tolle Übernachtungsmöglichkeiten.

Steig hinab in den Krater des Sneffels Yocul, den der Schatten des Scartaris vor dem ersten Juli liebkost, kühner Wanderer, und du wirst zum Mittelpunkt der Erde gelangen. “ 

Geheimtipp: Die Gezeiten checken

Viele Natursehenswürdigkeiten der Snaefellsnes Halbinsel liegen direkt am Meer oder stehen in unmittelbarer Verbindung zum Wasser. So ist beispielsweise die Stimmung am Steinbogen von Gattklettur bei Ebbe nicht ansatzweise so dramatisch wie bei Flut. Es lohnt sich also zuvor ein Blick auf die aktuellen Gezeiten, um die Tour ggf. nach ihnen zu richten – besonders dann, wenn Du fotografierst. 

 

Stop 1: Búðakirkja

Würde man nicht immer wieder auf die Bilder der schwarzen Kirche stoßen, würde man Búðir auf der Landkarte wohl gänzlich übersehen. Gerade einmal ein Hotel und die schwarze Kirche gibt es im “Ort”, hinter ihnen die scheinbar endlosen Weiten des Lavafelds von Búðahraun. Was dem Ort an Infrastruktur fehlt, macht er mit seiner surrealen Traumlandschaft wett. Erhaben ragt die kleine Kirche aus der zerrissenen Erde auf und schwimmt der Blick erst einmal dahin, ist es gar nicht schwer, zwischen den gezackten Steinen die isländischen Fabelwesen zu erkennen. 

Die Kirche, wie man sie heute sieht, wurde erst 1987 wieder aufgebaut, nachdem der ursprüngliche Bau von 1703 aufgrund mangelnder Gemeindemitglieder dekonstruiert wurde. Tatsächlich war es sogar das Engagement eines einzelnen Kirchenmitglieds, das dafür sorgte, dass die kleine Kapelle zusammen mit ihren Relikten zurückgebracht wurde. 

 


Stop 2: Die Klippen von Arnarstapi

Nur wenige Minuten Fahrt von Búðir entfernt erhebt sich eine wilde Steilküste mit spektakulären Felsformationen, Höhlen und Basaltsäulen. Die vielleicht spannendste Stelle – der Basaltbogen von Gatklettur – befindet sich dabei gleich am kleinen Fischerdörfchen Arnarstapi. Während bei Ebbe das Ufer trocken liegt, schlagen bei Flut die Wellen wild zwischen den Bogen. Achte wenn Du da bist auch unbedingt auf die Felswände. In ihnen nisten hunderte, wenn nicht sogar tausende Vögel.

Eine Wanderung zwischen Arnarstapi und Hellnar

Länge: 6,8 km
Dauer: 1.45 h
Höhenmeter: 50 positiv, 50 negativ
Tour bei Outdooractive

Weil natürlich nicht nur der Basaltbogen, sondern die ganze Küste traumhaft schön sind, lohnt sich an dieser Stelle eine kurze Wanderung nach Hellnar. Die beiden Küstenorte werden über 3,5 km von einem schmalen Pfad verbunden, der sich immer entlang der Klippen durch schwarzes Lavagestein schlängelt. Hin- und zurück benötigt man etwa 1,5 Stunden – Stehenbleiben, Staunen und Fotografieren sind da jedoch noch nicht eingerechnet.

Tipp: In Arnarstapi gibt es rund um den Parkplatz mit dem Café Stapinn, dem Restaurant Arnarbaer, dem Arnastapi Center und dem Imbisswagen Monsvagninn gleich vier charmante Möglichkeiten, um gemütlich zu sitzen und Fish & Chips zu essen. Das Café Fjorhusid in Hellnar serviert Fischsuppe und köstlichen Skyrkuchen.

 

Stop 3: Die Klippen von Lóndrangar

Wenn Du dann noch nicht genug hast von der Steilküste (und wer kann davon schon genug bekommen!?), bietet sich wenige Kilometer weiter bei Lóndrangar ein weiterer spektakulärer Blick. Statt Basaltbogen gibt es hier jedoch ehemalige Vulkanschlote zu sehen, die wie Nadeln szenisch über dem Meer aufragen. 

 

Stop 4: Der Snaefellsjökull Nationalpark

Wenn Du vielleicht schon andere Beiträge von mir kennst, wirst Du bestimmt meine andere große Leidenschaft neben dem Reisen kennen: Bücher und Literatur. Du kannst dir jedenfalls nicht vorstellen, wie sehr ich aus dem Häuschen war, dass ich mich hier auf der Snaefellsnes Halbinsel die ganze Zeit an dem Ort befand, an dem Jule Vernes “Reise zum Mittelpunkt der Erde” begann!  Tatsächlich war es nämlich der weithin sichtbare Snaefellsjökull, den Professor Lidenbrock und sein Laborgehilfe Axel bestiegen, um dort einer geheimnisvollen Botschaft vom Mittelpunkt der Erde nachzugehen.

Der Snaefells ist 5.000 Fuß hoch. Er schließt mit seinem zweifachen Kegel eine trachytische Kette ab, die sich von dem übrigen Gelände der Insel absondert. Von dem Punkt unserer Abreise aus konnte man nicht sehen, wie seine beiden Spitzen auf dem grauen Hintergrund des Himmels hervortraten. Ich gewahrte nur, dass dem Riesen eine enorme Schneekappe über die Stirn gerückt war.

Snaeffelsjökull bedeutet wortwörtlich so viel wie “Schneeberggletscher”. Unter dem strahlend weißen Gletscher befindet sich der gewaltige Stratovulkan Snaefells, der nach wie vor zu den aktiven Vulkanen des gleichnamigen Vulkansystems zählt. Man konnte feststellen, dass der Zentralvulkan 700.000 Jahre alt ist und in den letzten 10.000 Jahren etwa 30-40 mal ausgebrochen ist. Sein letzter Ausbruch fand jedoch 250 n. Chr. statt und liegt damit 1800 Jahre zurück.

Mit etwas mehr Zeit als die Tagestour von Reykjavik lässt, gäbe es im Nationalpark einiges zu entdecken und zu tun. Beispielsweise:

  • ein Spaziergang zum Djúpalónssandur Beach, in dessen schwarzem Sand noch imm die Wrackteile eines gestrandeten Schiffes liegen
  • ein Besuch der Lavahöhle Vatnshellir Cave
  • ein Abstecher auf den kleineren Vulkankrater des Saxhóll (auf einem befestigten Weg über eine Treppe)
  • oder eine geführte Gletscherwanderung auf den Snaefellsjökull 
Ein Gletscher verschwindet Wie die meisten Gletscher verliert auch der Snaefellsjökull zunehmend an Eis. Innerhalb der letzten 100 Jahre ist er von 22km2 auf 12km2 zusammengeschrumpft. Im Sommer 2012 war der Gipfel zum ersten Mal seit Beginn der Geschichtsschreibung eisfrei, und nun fürchtet man, der Gletscher könne irgendwann ganz verschwinden. Aktuell liegt die Dicke des Eises im westlichen und östlichen Bereich noch bei 40 bzw. 50 Metern, an anderen Stellen wird bereits ein sogenanntes Downwasting erwartet, bei dem das Eis gänzlich abschmilzt, da die betreffenden Stellen vom restlichen Gletscher und damit vom “Eisnachschub” abgeschnitten werden.

Ein Gletscher verschwindet

Wie die meisten Gletscher verliert auch der Snaefellsjökull zunehmend an Eis. Innerhalb der letzten 100 Jahre ist er von 22km2 auf 12km2 zusammengeschrumpft. Im Sommer 2012 war der Gipfel zum ersten Mal seit Beginn der Geschichtsschreibung eisfrei, und nun fürchtet man, der Gletscher könne irgendwann ganz verschwinden. Aktuell liegt die Dicke des Eises im westlichen und östlichen Bereich noch bei 40 bzw. 50 Metern, an anderen Stellen wird bereits ein sogenanntes Downwasting erwartet, bei dem das Eis gänzlich abschmilzt, da die betreffenden Stellen vom restlichen Gletscher und damit vom “Eisnachschub” abgeschnitten werden.

 

Stop 6: Ingjaldsholskirkja und das Street Art Capital Hellissandur

Wenn Du dich zu Beginn schon für die Búðakirkja begeistern konntest, wird Dir ganz bestimmt auch die Ingjaldsholskirkja bei Hellissandur gefallen! Wie schon bei ersterer ist es aber auch in diesem Fall gar nicht unbedingt die Kirche selbst, die so spektakulär ist, sondern ihre Lage in der Landschaft. Wie ein schwarzes Band liegt die Straße auf den Hügeln und führt immer geradewegs vor der gewaltigen Bergkulisse auf die Kirche zu. Ganz besonders eindrucksvoll muss dieses Bild im Sommer sein, wenn auf den Wiesen davor zu hunderten die leuchtend lilafarbenen Lupinen blühen. Neben ihrer fotogenen Lage ist die Ingjaldsholskirkja übrigens die älteste Steinkirche des Landes.

Wenn Du einmal an dieser Stelle bist, lohnt sich auch ein Abstecher nach Hellissandur. Auch wenn der Ort nicht unbedingt zu den romantischen Fischerdörfchen des Landes zählt, findet sich hier viel großflächige, bunte Street Art an den Wänden, die dem Ort letztlich auch seinen Titel “Street Art Capital of Iceland” gaben. Wenn Du bis dahin noch keinen Kaffee hattest, bekommst Du den nebst sündigen Kuchen im gemütlichen Café Gilbakki. 

 

Stop 7: Svöðufoss

Während sich am Seljalandsfoss und Skogafoss an der Südküste die Reisebusse entlang schieben, ist der Svöðufoss nach wie vor ein echter Geheimtipp. Vielleicht liegt dieser glückliche Umstand aber auch einfach daran, dass man doch ein kleines Stückchen laufen muss, um ihn überhaupt zu erreichen. Doch ich schwöre euch, der Weg lohnt! 40 Meter donnert das Wasser vor einer Wand aus Basaltsäulen den Fels hinab, während man selbst in unmittelbarer Nähe von oben ins Wasserbecken schaut.

Um zum Wasserfall zu gelangen folgt man zunächst einem gut sichtbaren Fußweg vom Parkplatz zum Aussichtspunkt, der entgegen aller Erwartungen jedoch noch ein gutes Stück entfernt ist. Um den Wasserfall zu erreichen hält man sich an dieser Stelle linkerhand auf dem Trampelpfad. Dieser führt einen gleich zweimal nacheinander über einen Fluss. Da der Fluss jedoch sehr flach ist und große Steine in ihm liegen, ist es nicht weiter schwer, ihn zu queren. Nach einem letzten kleinen Stück bergan, erreicht man den Wasserfall. Die ganze “Tour” dauert in etwa 30 Minuten one way.

Tipp: Da ich selbst in offenem Gelände eher ängstlich bin (auch wenn das an dieser Stelle absolut nicht nötig ist, da der Trampelpfad gut erkennbar ist), tracke ich meinen Weg immer mit Apps wie komoot. So kann ich im Zweifelsfall auch einfach auf gleichem Weg wieder zurück und muss keine Angst haben mich zu verirren. Meinen Track teile ich an dieser Stelle aber bewusst nicht, da der Weg über eine Schafweide führt und ich es den Landeigentümern überlassen will, die Wegführung ggf. zu verändern.

 

Stop 8: Der Bergpass von Búðir nach Brimilsvellir

Je nachdem, wieviel Zeit Dir noch bleibt und wie gern Du Auto fährst, lohnt sich an dieser Stelle ein Abstecher auf den Bergpass zwischen Brimilsvellir und Búðir. Dieser verbindet als eigentliche Hauptstraße die Nord- und Südseite der Snaefellsnes Halbinsel und bietet einen atemberaubenden Blick von oben in die Berglandschaft und auf die Küste. Wirklich jede Kurve eröffnet eine neue Kulisse, die einem die Gewalt der Natur und die eigene Größe drastisch bewusst werden lassen. Am Scheitelpunkt angekommen, kannst Du vorsichtig wenden und den Weg wieder hinab fahren.

 

Stop 9: Kirkjufell

Willkommen am beliebtesten Postkartenmotiv Islands! Und wirklich: Mehr Island in einem Bild gibt es wohl kaum: 463 Meter ragt der ikonische Kirkjufell aus dem Meer heraus, während vor ihm zwei Wasserfälle den Hang hinab rauschen. Schon von Weitem fällt der Berg durch sein keilförmiges Aussehen auf. Je näher man kommt, desto deutlicher wird, wie steil seine Abhänge sind. Tatsächlich wurde er während der Eiszeit geformt, als er als ein sogenannter “Nunatak” zwischen den Eismassen förmlich zusammengequetscht und geschliffen wurde. Einzig und allein seine Spitze ragte oben aus dem Eis heraus. 

 

Stop 10: Die heißen Quellen Landbrotalaug

Wenn Du schon die Artikel zu meiner Islandreise im Winter kennst, wirst Du wissen, wie sehr mich die vielen natürlichen heißen Quellen begeistert haben. Deshalb konnte ich es auch kaum erwarten, in den heißen Quellen der Landbrotalaug zu baden – ganz nach dem Motto “Das Beste kommt zum Schluss.” Umso größer war die Enttäuschung, als ich feststellen musste, dass die Landbrotalaug nun geschlossen war. Normalerweise würde man hier in einer weiten Ebene in einem kleinen runden Becken in ca. 40 Grad heißem Wasser baden und den Blick auf die Berge des Snaefellsnes Halbinsel genießen. Schon allein die Recherche für den Artikel macht mich immer noch ganz traurig, dass mir dieses Erlebnis leider verwehrt blieb.


Island – ein Abenteuer im Sommer und im Winter! Hier findest Du alle Artikel für deine Reiseplanung:

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