Kajak fahren im Spreewald: Ein Tagesausflug nach Lübbenau

Kajak fahren im Spreewald: Ein Tagesausflug nach Lübbenau

Früher habe ich mit dem Spreewald ausschließlich die Sonntagsausflüge meiner über 80-jährigen Omi assoziiert. Immerhin schwärmt sie wirklich oft von Kaffeefahrten mit dem Kahn über ihre geliebte Spree… Doch der Spreewald kann viel mehr Kaffeefahrt und saure Gurke! Das riesige Netz aus märchenhaften Kanälen durchzieht auf tausenden Kilometern Zauberwälder, Felder und Wiesen und ist damit perfekt geeignet für ausgedehnte (mehrtägige) Paddeltouren & Outdoor-Abenteuer! Und auch, wenn ich vielleicht noch lange keine Kaffeefahrt unternehme, pflichte ich meiner Omi inzwischen bei, wenn sie von dem hervorragenden Essen erzählt, das man auf den Sonnenterrassen in den malerischen Dörfern bekommt. In diesem Beitrag liest Du deshalb, wie Du – auch jetzt, da Übernachtungen noch nicht wieder möglich sind – einen perfekten Tag im Spreewald verbringen kannst – inklusive Camping, Paddeltour & leckerem Essen! 

Das Biosphärenreservat Spreewald

Knapp hundert Kilometer südöstlich von Berlin erstreckt sich auf knapp 500 km2 das Biosphärenreservat Spreewald – eine in Mitteleuropa absolut einzigartige Auenlandschaft bestehend aus Feuchtwiesen, Feldern und Wäldern, die wie ein Labyrinth von unzähligen Fließen der Spree durchzogen werden. Ganze 1575 km umfasst das Fließsystem, das die Landschaft des Spreewalds so unverwechselbar macht. Dabei beherbergt das Gebiet einen unglaublichen Artenreichtum – darunter auch Tiere und Pflanzen, die andernorts bedroht oder sogar schon ausgestorben sind. Beispielsweise leben im Spreewald Weißstörche, See- und Fischadler, Otter, Biber, seltene Libellenarten und sage und schreibe 937 Schmetterlingsarten. Gleichzeitig werden im Spreewald aber auch Traditionen und historisch gewachsene Lebens- und Arbeitsweisen gepflegt – sei es der Anbau der berühmten Spreewaldgurken, die Zustellung der Post per Kahn oder auch die Bräuche der hier lebenden Sorben. Um diese einzigartige Landschaft zu schützen, wurde der Spreewald 1990 zum Biosphärenreservat ernannt und erhielt ein Jahr später auch den UNESCO Titel.

Frühstück am See – der perfekte Start in den Tag

Wir können es immer gar nicht erwarten, wenn wir freitags endlich mit unserem Campervan Emma zu einem neuen Wochenend-Abenteuer starten können. Und auch, wenn die Zeit freitags selten noch für eine Wanderung oder ähnliche Aktivitäten reicht, fahren wir trotzdem immer schon los, um die Nacht draußen zu sein und am nächsten Tag noch mehr Zeit vor Ort zu haben. Deshalb haben wir den Abend vor unserem Ausflug in den Spreewald bereits am Stoßdorfer See in der Nähe von Luckau verbracht. Nachdem die Vögel und Frösche in der Dämmerung ganz schön viel Tumult gemacht haben, sind wir dafür am Morgen in wundervoller Stille aufgewacht, die nur hin und wieder von leisem Vogelgezwitscher unterbrochen wurde.

Während sich also die Sonne langsam über den Horizont schob und den Himmel in gold und rosa tauchte, konnten wir, eingemummelt in eine dicke Decke, in unserer Hängematte frühstücken und die Welt beim Wachwerden beobachten. Von diesem Platz haben wir dann auch nur noch 15 Autominuten bis nach Lübbenau, dem Startpunkt unserer Paddeltour durch den Spreewald, gebraucht.

Oder: Anreise nach Lübbenau mit den öffentlichen Verkehrsmitteln

Wenn Du nicht mit dem Auto unterwegs bist, kommst Du natürlich trotzdem bequem mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nach Lübbenau. Von Berlin fährst Du beispielsweise mit der RE2 der OGED (Wismar – Wittenberge – Berlin – Lübbenau – Cottbus) in 60 Minuten nach Lübbenau. Auch von Dresden aus gibt es mehrere Zugverbindungen, die Dich innerhalb von 2 Stunden nach Lübbenau bringen. Vom Bahnhof in Lübbenau sind es dann nur noch wenige hundert Meter bis zu den Häfen in der historischen Altstadt an der Spree. 

Im Spreewald ein Kajak mieten

Im Spreewald hast Du die Auswahl zwischen unzähligen Bootsverleih-Stationen. Nahezu überall bekommst Du Kajaks oder Kanus – stunden- oder tageweise, je nachdem, wie lang deine Tour werden soll. Je nach Zweck bieten die Verleihstationen auch Boote unterschiedlicher Qualität, sodass Du auch für lange Paddeltouren ein geeignetes Tourenkajak finden dürftest. Zusätzlich bekommst Du von den Verleihstationen in der Regel auch das passende Kartenmaterial (zumindest für Tagestouren) und Hilfe bei deiner Tourenplanung. Es ist allerdings in jedem Fall ratsam – vor allem am Wochenende und in den Ferien – das Boot vorab zu reservieren. Bei 3 Millionen Touristen, die jedes Jahr in den Spreewald kommen, kann es in der Hauptsaison so voll werden, dass spontan kein Boot mehr zu bekommen ist. 

Wir persönlich haben uns nach kurzer Googelei für den Bootsverleih Richter entschieden. Gleich gegenüber liegt ein großzügiger Parkplatz (Tagesticket 4 Euro) ohne Höhenbeschränkung. Die Boote wurden alle wirklich ordentlich gereinigt, sodass man sich nicht in dreckige oder nasse Pfützen setzen muss… noch dazu haben sich die Leute am Verleih sehr lieb um alle Fragen bemüht und uns eine individuelle Tagestour zusammengestellt.

Eine märchenhafte Paddeltour durch den Spreewald

Am allerliebsten hätte ich natürlich gleich eine Mehrtagestour durch den Spreewald unternommen… die Vorstellung am Abend das Zelt aufzuschlagen, am Lagerfeuer zu sitzen und morgens zum Sonnenaufgang wieder loszufahren, hat mich wirklich gepackt. Durch die aktuelle Situation sind die Campingplätze nur leider noch immer geschlossen, sodass ich mich für eine Tagestour von etwa 6 Stunden (mit Pausen) entschieden habe. Wichtig für Dich und deine Planung: Im Spreewald kommt man natürlich nicht genauso schnell vorwärts wie auf breiteren Flussläufen. Die Fließe sind mitunter extrem schmal und verlaufen oft sehr kurvenreich, hin und wieder muss man anderen Paddlern und Kähnen ausweichen und noch dazu ist die Natur so atemberaubend schön, dass man sich an vielen Stellen einfach nur treiben lassen möchte. Unsere Paddeltour sollten wir laut Outdooractive also eigentlich in drei Stunden reiner Paddelzeit gepackt haben… gebraucht haben wir tatsächlich aber fünf. 

Von Lübbenau über die Hauptspree

Der erste Teil unserer Tour führte uns auf einem kurzen Stück durch Lübbenau bis zur Hauptspree und auf ihr einige Kilometer in östlicher Richtung. Zu dieser Zeit waren wir noch ganz allein unterwegs, sodass wir gleich mehrere der putzigen Wasserratten im Wasser entdeckt habe. Der Flusslauf ist an dieser Stelle ein wenig breiter als in den schmalen Kanälen, sodass wir hier noch ziemlich zügig vorangekommen sind.

Wenige hundert Meter, bevor der Kanal nach Leipe führt, sind wir dann in nördlicher Richtung in die Tschummi eingebogen. Ein wirklich süßer Name für einen Kanal, oder!? Dieser war auch ganz besonders hübsch… hier haben wir die ersten Frösche und eine Ringelnatter im Wasser entdeckt, einen Eichelhäher und einen Kuckuck an einem Baumstumpf ganz nah am Ufer und eine weitere Wasserratte, die munter alle Viere von sich gestreckt auf dem Rücken im Wasser lag. 

Gurkenpause am Restaurant Wotschofska

Die Tschummi mündet nach einer kleinen Weile in den Wehrkanal, der fast schnurgerade in nordöstlicher Richtung verläuft. Hier trafen wir dann auch zum ersten Mal auf andere Paddler, mit denen wir ein gemeinsames Ziel teilten: Das Gasthaus Wotschofska mit Anlegestelle direkt am Kanal. Während viele andere Restaurants derzeit komplett geschlossen hatten, gab es im Wotschofska auch jetzt viele leckere Kleinigkeiten zum Mitnehmen. “Zum Mitnehmen” bedeutet hier allerdings nichts anderes, als sich ein sonniges Plätzchen am Steg zu suchen und dort verschiedene Sorten Gurken zu verkosten.

Unter normalen Umständen stehen vor dem pittoresken Fachwerkhaus viele Tische auf der Terrasse und vermitteln ein ganz behagliches Gefühl von gesittetem Sonntagsausflug. Auf der Karte stehen dann Spreewaldtypische Gerichte wie Sorbische Bauernsuppe, Kartoffeln mit Quark & Leinöl, Eierplinsen oder Gurkensuppe und jede Menge deftiges.

Über den Großen Fließ und Bürgerfließ zum Freilandmuseum in Lehde

Nachdem wir am Gasthaus mehr Gurken verputzt hatten als im ganzen letzten Jahr, führte uns der Wehrkanal zu dem wohl schönsten Abschnitt der Tour. Auch auf dem Großen Fließ und dem Bürgerfließ waren wir wieder vollkommen allein unter den riesigen Erlen und Eschen, die mit ihren weit ausladenden Ästen ein leuchtend grünes Blätterdach über den Kanälen spannen. Zu hören war dort nur noch das Rauschen des Windes in den Bäumen, das Zwitschern der Vögeln und das monotone Plätschern des Wassers an unserem Kajak. 

Bevor wir unsere Tour in Lübbenau wieder beendeten, paddelten wir auf den letzten Metern über den Lehder Kanal nach Lehde – einem der historischen Spreewalddörfer, die aussehen, als hätte sie ein Romancier in die Landschaft gemalt, um dem nächsten kitschigen Liebesroman die passende Kulisse zu verleihen. Trotz des Trubels, der in Lehde auf den extrem schmalen Kanälen herrscht, lohnt sich aber ein Abstecher zum Freilandmuseum. Hier erfährt man viele spannendes über die Traditionen und die Geschichte des Spreewalds – sei es bei einem Einblick in die älteste Kahnbauerei, den Gurken- und Meerrettichanbau oder die Dorffeuerwehr, die hier tatsächlich zu Wasser unterwegs ist.

Lehde Lehde ist ein besonders hübscher Ortsteil von Lübbenau und gehört mit seinen 130 Einwohnern zu den ursprünglichsten Dörfern des Spreewalds. Theordor Fontane hat Lehde jedenfalls äußerst treffend beschrieben: „Es ist die Lagunenstadt im Taschenformat, ein Venedig, wie es vor 1.500 Jahren gewesen sein mag, als die ersten Fischerfamilien auf seinen Sumpfeilanden Schutz suchten.“

Lehde

Lehde ist ein besonders hübscher Ortsteil von Lübbenau und gehört mit seinen 130 Einwohnern zu den ursprünglichsten Dörfern des Spreewalds. Theordor Fontane hat Lehde jedenfalls äußerst treffend beschrieben: „Es ist die Lagunenstadt im Taschenformat, ein Venedig, wie es vor 1.500 Jahren gewesen sein mag, als die ersten Fischerfamilien auf seinen Sumpfeilanden Schutz suchten.“

Paddeln im Spreewald: Was Du beachten musst

Dank der Beschilderung an jedem noch so kleinen Fließ und dem guten Kartenmaterial, das wir vom Bootverleih Richter bekommen haben, war es quasi unmöglich, sich zu verirren. Lediglich die vier Verkehrszeichen solltest Du immer im Auge behalten: Ein schwarzer Pfeil auf weißem mit rotem Rahmen gibt eine Fahrtrichtung vor. Entsprechende Kanäle dürfen also nicht entgegen der Fahrtrichtung befahren werden. Die drei anderen Verkehrszeichen warnen entweder vor Wehranlagen (weißes Gitter auf blauem Grund) oder verbieten die Einfahrt. Wichtig zu wissen: Kanus, Kanadier und Kajaks zählen zu den Sportbooten. Wenn also irgendwo ein Verbot für Sportboote herrscht, schließt Dich das also mit ein. Generell gilt, dass die traditionellen Kähne immer Vorfahrt haben. Du darfst aber natürlich in entsprechendem Abstand überholen. 

Darüber hinaus solltest Du unbedingt beachten, dass es ausschließlich an offiziellen Anlegestellen erlaubt ist, aus dem Boot zu steigen, um so die empfindliche Natur und die Lebensräume ihrer Bewohner zu schützen. Aber keine Sorge: Anlegestellen gibt es vor allem in den Orten zuhauf. 

Nach der Paddeltour: Pellkartoffeln mit Leinöl an der Windmühle Straupitz

Übrigens…

Eigentlich sollten die Holländer, als sie im 16. Jh. nach Einladung in den Spreewald kamen, mit ihrem Wissen zur Textilproduktion der Region zu wirtschaftlichem Aufschwung verhelfen. Der Erfolg war mäßig. Stattdessen fanden sie in den wasser- und humusreichen Böden des Spreewalds herausragende Bedingungen für das Gedeihen ihrer Gurkensamen und verhalfen der Region so schließlich doch noch zum erhofften Fortschritt. Heute werden jedes Jahr 34.000 Tonnen Einleger- und Schälgurken von zehn Landwirtschaftsbetrieben im Spreewald geerntet!

Unsere Paddeltour endete am Nachmittag wieder am Bootsanleger des Bootsverleih Richter. Damit wäre unter normalen Umständen noch genug Zeit für einen Bummel durch die Altstadt von Lübbenau gewesen. Weil durch die aktuelle Corona Situation allerdings die Cafés und Restaurants geschlossen waren und in den Häfen nur leere Kähne traurig vor sich hin schunkelten, entschieden wir uns stattdessen lieber für einen Ausflug zur Ölmühle Straupitz. Neben den Gurken zählt Leinöl ebenfalls zu den regionaltypischen Produkten des Spreewalds. Im Frühsommer entstehen so überall da, wo Lein angebaut wird, riesige blaue Blütenteppiche, die den Spreewald nur noch mehr wie eine Bilderbuchlandschaft erscheinen lassen. 

In der Ölmühle Straupitz, wo noch immer auf traditionelle Weise das Leinöl gepresst wird, kann man bei einer kleinen Führung durch die historische Mühle den Prozess kennenlernen – aber natürlich nicht ohne Verkostung. Gleich nebenan im Restaurant gibt es die köstlichen Pellkartoffel mit Quark, Zwiebeln und Leinöl (jetzt auch zum Mitnehmen). Emma sei Dank, hatte ich es beim Essen aber fast noch schöner als auf der Sonnenterrasse des Restaurants. Mit Blick auf grüne Wiesen konnte ich in meinem Bus sitzen und meine Pellkartoffeln genießen. Jummi! 

Mehr Sehenswürdigkeiten & Aktivitäten im Spreewald

Inzwischen habe ich schon gar keine Lust mehr, darüber nachzudenken, was ich wohl ohne Corona-Lockdown gerade tun würde. Allerdings hatte ich meinen Spreewaldausflug schon vor Corona geplant und kann Dir sagen, was man bei einem Ausflug in den Spreewald noch so unternehmen kann:

  • mehrtägige Paddeltouren mit Übernachtung auf Campingplätzen
  • ein Bummel durch die Altstädte von Lübbenau, Lübben, Burg 
  • eine Fahrt mit einem historischen Kahn
  • oder eine oder mehrere Etappen des Gurkenradwegs radeln

Noch mehr tolle Orte und Unternehmungen in Spreewald kennt Inka Chall vom Blog blickgewinkelt. In ihren beiden Büchern „Lieblingsplätze Spreewald“ und „52 kleine & große Eskapaden in Spreewald, Niederlausitz und Fläming“ findest Du jede Menge großartige Tipps für deinen Urlaub im Spreewald.



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