Advent, Advent, ein Lichtlein brennt… diesen Winter habe ich eine ganz besondere Wanderung in der Sächsischen Schweiz unternommen. Hinterm Papststein, am weniger bekannten Kleinhennersdorfer Stein versteckt sich ein kleines Weihnachtswunder. Jedes Jahr in der Weihnachtszeit erstrahlt die Lichterhöhle im warmen Glanz unzähliger Kerzenlichter, während die Landschaft vor ihr in winterlicher Kälte versinkt. In diesem Beitrag verrate ich Dir, wie Du die Höhle findest, was es mit ihren Lichtern auf sich hat und wo Du später die Füße bei leckerem Essen an einem warmen Kachelofen wärmen kannst. Solltest Du bisher noch keine Winterwanderung gemacht haben, findest Du am Ende des Artikels außerdem Tipps zum Wandern bei Kälte und Schnee.

Anreise zum Wanderparkplatz & Routenverlauf

Länge: 6,5 km | Höhenmeter: 440 positiv, 440 negativ | Dauer: 2:30 ohne Pausen | Tour bei Outdooractive

Die Winterwanderung zu den Tafelbergen Gohrisch, Papststein und Kleinhennersdorfer Stein beginnt wenige hundert Meter oberhalb des Kurortes Gohrisch am Wanderparkplatz Galgenschänke. Diesen erreichst Du entweder mit dem Auto von Gohrisch oder Papstdorf kommend oder mit der Buslinie 244a des RVSOE. Die Haltestelle am Parkplatz heißt “Papststein, Papstdorf”. Die Route liegt zu beiden Seiten der Straße und beschreibt eine Acht. Der kleine Bogen der Acht führt zunächst zum Gohrisch, der große im Anschluss zum Papststein und Kleinhennersdorfer Stein. Am schönsten ist die Tour, wenn man sie genau in dieser Reihenfolge läuft. Solltest Du aber den Abend in der Berghütte am Papststein verbringen wollen (der kurze Aufstieg vom Parkplatz aus ist beleuchtet), solltest Du dir den Papststein für den Schluss aufheben und den zweiten Bogen der Acht also lieber andersherum laufen.

Hinauf zum Gohrisch

Eine Besonderheit der Sächsischen Schweiz ist wohl, dass man meist schon mit dem ersten Schritt in die wundersame Landschaft eintaucht und alle Straßen hinter sich lässt - so auch hier am Gohrisch. Nach einem knappen Kilometer durch den Wald erreicht man so auch schon den Zustieg zum Gohrisch. Während an eisfreien und trockenen Tagen der Aufstieg durch die Falkenschlucht sicher noch viel spannender ist, hält man sich bei Schnee besser rechterhand an den einfachen Aufstieg über die ausgeschlagenen Stufen. Beide Wege sind gut beschildert. Etwa 40 Höhenmeter später steht man auch schon auf dem höchsten Punkt des Tafelberges. Auch, wenn man von hier aus bei gutem Wetter sicher eine tolle Sicht hat, zaubern Wolken und Nebel auf dem Gipfel eine mystische Szenerie, in der die knorrigen Bäume wie alte Hände wirken, die den Fels seit Jahrhunderten fest im Griff behalten.

Von der Wetterfahne aus wanderst Du schließlich zu einem kleinen Pavillon auf der Westseite und von dort aus über steile Stufen wieder hinab zum Parkplatz. Die Stufen haben hier kleine Sägezähne, sodass man auch bei leichtem Schnee nicht wegrutschen sollte. Bei viel Schnee und Glätte ist es aber natürlich immer ratsamer, mit Spikes zu laufen. Ich nutze beispielsweise die Snowline SPIKES CHAINSEN CITY*, da sie sehr leicht sind und sowohl über meine schmalen Trailrunning- als auch über meine breiten Wanderschuhe passen. Solang man nicht gerade eine Gletscherwanderung unternimmt, reichen diese meines Erachtens vollkommen aus. 

Weihnachtswunder Lichterhöhle

Normalerweise würde man nun auf der anderen Straßenseite zuerst auf den Papststein laufen - allerdings nicht im Winter, denn dann ist der Zustieg vom Parkplatz zur Hütte beleuchtet, sodass man den heimelich dunklen Winterabend in dem urigen Restaurant verbringen kann und später nur noch den kurzen Abstieg überwinden muss.

Wenn Du darauf Lust hast, folgst Du zunächst dem Forstweg, der dich nach knapp 2 Kilometern von Norden an den Kleinhennersdorfer Stein führt. Entlang der gelben Markierungen hangelst Du dich so Schritt für Schritt nach oben in die zerklüftete Gesteinslandschaft. Ein kleines Stück hinter dem Gipfel solltest Du rechterhand auch den Eingang zu einer großen Höhle entdecken. Tief im Fels befindet sich dort ein Ort, der die Magie, die kindliche Vorfreude und all die Heimelichkeiten in sich birgt, die die Weihnachtszeit erfüllen. Ursprünglich wurde in dieser Höhle Sandstein abgebaut - spätestens aber seit dem 11. Dezember 1924 ist sie in der Weihnachtszeit ein beliebter Pilgerort für Romantiker wie mich. An diesem Tag entstand das erste Foto der Lichterhöhle - hell erleuchtet von Kerzen und Grubenlampen einer Bergsteigergruppe. Mit diesem Foto begründete sich gleichsam ein Weihnachtsbrauch, der bis heute besteht.

Doch wie es sich mit heimlichen Bräuchen so oft verhält, sollte man sich nicht auf sie verlassen. Am besten packst Du deshalb selbst genügend Teelichter ein, denn vielleicht bist Du in diesem Jahr sogar selbst die Person, die das wundersame Adventsritual in der Lichterhöhle fortführt und anderen Wanderern die Überraschung beschert, die Höhle bei ihrer Ankunft erleuchtet vorzufinden. Vergiss dabei auch nicht eine kleine Mülltüte für die abgebrannten Lichter, denn würden wir alle immer nur neue mitbringen, wäre es bei dem entstehenden Müll schnell vorbei mit der Romantik.

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Im Anschluss ist es auch gar nicht mehr weit zum Papststein - und das ist auch gut so. Denn erfahrungsgemäß dauert es eine ganze Weile, bis man sich von der Höhle wieder losreißen kann, sodass Hände und Füße wahrscheinlich nur noch Eisblöcke sind. Neben der spektakulären Rundumsicht, ist es aber vor allem die Hütte, die den Papststein zu einem so beliebten Ausflugsziel macht. In den Wintermonaten servieren die Inhaber in dem urigen Gastraum am Wochenende hausgemachtes Käsefondue nebst einem guten Wein aus der Region - für mich ein ganz besonderes Highlight, das den Winterausflug perfektioniert. Während man also in der Wärme des Kachelofens heißen Käse dippt, beobachtet man aus dem Fenster heraus, wie sich langsam die Dunkelheit über die verschneite Landschaft senkt. Später geht es dann über die beleuchteten Stufen in etwa 10 Minuten zurück zum Parkplatz.

Meine Tipps für Winterwandern

Auch wenn die vielen schönen Schneebilder immer ganz locker flockig daherkommen, sind Wanderungen im Winter doch ein bisschen anspruchsvoller als im Sommer - ganz besonders bei Glätte und Schnee. Doch auch ohne gilt: Je niedriger die Temperatur, desto anstrengender ist die Bewegung. Solltest Du selbst noch keine Erfahrungen haben, empfehle ich Dir, es bei der Routenplanung etwas langsamer angehen zu lassen als sonst. Ich plane bei Temperaturen, die signifikant unter 0°C liegen, nur noch mit etwa 2/3 der Länge und Höhenmeter meiner "normalen" Touren. Ab -15°C ist es bei mir mit der Bergsteigerei dann gänzlich vorbei - das ist alles aber natürlich abhängig von deiner eigenen körperlichen Verfassung. Auf den Wegen in der Sächsischen Schweiz habe ich im Winter zudem grundsätzlich Spikes dabei*, da sich in den Felsschluchten oft die Nässe hält und dann natürlich auch schnell überfriert. Gerade auf den Steinstufen, Stiegen und Leitern wird die Feuchtigkeit ohne Spikes sonst schnell zu einem unnötigen Risiko.

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  1. Bin gerade durch Zufall über Deinen Blog gestolpert und ganz begeistert. So viele wunderbare Inspirationen für mich. Diese Wanderung hat es mir ganz besonders angetan 🙂 Vielen lieben Dank. Ich komme wieder…

    1. Hi Anna, vielen Dank für deine lieben Worte! Freut mich ganz sehr, wenn Du hier Inspiration gefunden hast 🙂 Die Wanderung zu den Lichterhöhlen ist auch tatsächlich eine meine liebsten in der Sächsischen Schweiz…

  2. Ist das eine zauberhafte Tour. Was habe ich mich geärgert, dass ich im Jan./Feb. nicht wandern gehen konnte (gebrochener Zeh). Aber dank deiner Tour freue ich mich jetzt schon riesig auf die nächste Saison und werde die Tour definitiv nachlaufen 🙂 Hoffentlich gibt es dann nochmal genug Schnee um die Sächsische Schweiz zu erkunden.

    1. Ich drück die Daumen! Aktuell sind die Chancen auf Schnee ja (leider) nochmal sehr gut! Das nächste Weihnachten kommt sonst bestimmt 😉 Viel Spaß bei allem!

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