Wandern mit Alpakas: Die ultimative Entschleunigung

Wandern mit Alpakas: Die ultimative Entschleunigung

Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass mir die letzten Monate nicht zugesetzt hätten. Existenzsorgen, Ängste, Einsamkeit… mein sonst so optimistisches und sonniges Gemüt leidet sehr unter den Corona Bad Vibes. Umso größer ist der Wunsch nach Zeit, in der ich mal so richtig abschalten kann – einer der vielen Gründe, weshalb ich gerade noch mehr wandern gehe als ohnehin schon. Ob gute Recherche oder Schicksal – bei der Suche nach neuen Touren habe ich den Oberlausitzer Alpakaland e.V. und Familie Hanspach gefunden: Sie betreibt auf ihrem urigen Vierseitenhof in der Nähe von Görlitz eine kleine Alpakazucht mit aktuell 17 Tieren und bietet neben Seminaren, Hofführungen und Ferienwohnungen auch Wanderungen mit ihren Alpakas an – ein angeblich meditatives Erlebnis, echter Balsam für die Seele. Damit war klar: Ich musste ausprobieren, was es mit den Alpakawanderungen auf sich hat, in der Hoffnung, dass ich bei den Tieren tatsächlich die Ruhe finden würde, die ich gerade so sehnlich suche.

Obwohl hohe Erwartungen ja leider nur allzu oft enttäuscht werden, sollte dieses Erlebnis all meine Vorstellungen übertreffen. Linda Hanspach nimmt sich für ihre Gäste alle Zeit der Welt, um sie bei der Hofführung mit den Alpakas bekannt zu machen. Große Kulleraugen, das sanfte Schnurpsen des Heus in ihren Mäulern, ihr aufmerksames, aber ruhiges Wesen… wenn man nicht gerade über ihre Drolligkeit lachen muss, kann man in der Gegenwart der Alpakas und der Wärme der Scheune fast in Trance verfallen. Doch wie kommt es, dass ausgerechnet diese doch recht albernen Tiere eine so beruhigende Wirkung auf uns Menschen haben? Und what the hell, wer hat sich eigentlich ausgedacht mit Alpakas wandern zu gehen? Linda hat mir einen Einblick in das Phänomen “Alpakas” gewährt und mir zusammen mit Arya und Lunah genau das Abschalt-Erlebnis geschenkt, das ich so sehr gebraucht habe:

Linda, warum sollte man ausgerechnet mit einem Alpaka wandern gehen?

Linda Hanspach betreibt gemeinsam mit ihrer Familie das Alpakaland in der Oberlausitz

Alpakas sind nicht nur unglaublich niedlich, sondern haben auch eine ganz besondere, fast schon meditative Wirkung auf den Menschen. Man sagt diesen sanftmütigen und sensiblen Tieren nach, dass sie dem Menschen tief in die Seele blicken. Sie spiegeln uns sofort unser Verhalten und unsere Emotionen, wie Freude, Aufregung, Angst oder Ungeduld. Sie interessieren sich weder für Vergangenes, noch für zukünftige Ereignisse. Sie möchten, dass der Mensch, der sie führt, 100%ig im Hier und Jetzt ist – was uns wiederum hilft, Arbeit, Alltag und Probleme während der gemeinsamen Zeit einfach mal links liegen zu lassen. Nicht ohne Grund sind Alpakas anerkannte Therapietiere. Natürlich dauert es ein paar Minuten, bis sich Mensch und Tier aufeinander eingestimmt und Vertrauen aufgebaut haben. Dann aber kann man gemeinsam die Natur genießen und entspannen. Ich erkenne das daran, dass die Leine locker durchhängt und die Menschen nicht mehr viel reden. Auch unser Körper reagiert auf die Tiere: Die Schwingung der Alpakas lässt unsere Herzfrequenz sinken, wir werden ruhiger und ausgeglichener. Es ist Balsam für die Seele!

Kannst Du bei den Menschen, die zum Alpakaland kommen eine Veränderung während der Wanderung beobachten?

Meist sind es die Frauen, die eine Tour buchen, während die Männer sogar eher Angst vor den Tieren haben. Ganz häufig stelle ich aber fest, dass sich auch die Männer ab der Hälfte der Tour auf die Tiere einstellen und sogar richtige Freundschaften mit ihrem Begleiter schließen. Am Ende möchten sich die Gäste oft gar nicht mehr von ihrem Alpaka trennen… man kann richtig sehen, wie ihnen das Herz aufgegangen ist. Ganz besonders deutlich wird das bei Kindern: Wenn ein Kind nicht ruhig und achtsam mit einem Alpaka umgeht, wird sich das Alpaka nicht so verhalten, wie es sich das Kind vorstellt. Kinder, die zu Beginn unruhig und wuselig sind, sind also quasi dazu “gezwungen” sich zu beruhigen, um mit dem Tier umgehen zu können.

Nice to know: Das Alpaka Alpakas sind eine südamerikanische, domestizierte Kamelform, die schon seit 3000 v.Chr. vorwiegend wegen ihrer Wolle gezüchtet werden. Ihre nächsten Verwandten sind Guanacos, Vicunjas und Lamas. Wie alle Kamele sind auch Alpakas soziale Herdentiere. Heute gibt es etwa drei Millionen Tiere, vorwiegend in Peru, Bolivien Chile. In Europa werden sie erst seit wenigen Jahren als Hobbytiere gehalten. Für die Inkas jedoch hatten sie eine besondere Bedeutung: Die hochwertige Wolle wurde als das “Vlies der Götter” verehrt, entsprechend groß waren die Herden. Die Eroberung Perus durch die Spanier und ihre mitgebrachten Schafe veränderten jedoch die Zucht. Es bestand kein Interesse daran, die einheimischen Tiere zu erforschen, sodass sich das einstmals göttliche Tier zum Nutztier der armen Bevölkerung entwickelte und zwischenzeitlich sogar fast ausstarb. Erst mit der Unabhängigkeit der Staaten Südamerikas erkannte man erneut den Wert des Alpakas. Seither wird die Wolle in alle Welt exportiert.

Nice to know: Das Alpaka

Alpakas sind eine südamerikanische, domestizierte Kamelform, die schon seit 3000 v.Chr. vorwiegend wegen ihrer Wolle gezüchtet werden. Ihre nächsten Verwandten sind Guanacos, Vicunjas und Lamas. Wie alle Kamele sind auch Alpakas soziale Herdentiere. Heute gibt es etwa drei Millionen Tiere, vorwiegend in Peru, Bolivien Chile. In Europa werden sie erst seit wenigen Jahren als Hobbytiere gehalten. Für die Inkas jedoch hatten sie eine besondere Bedeutung: Die hochwertige Wolle wurde als das “Vlies der Götter” verehrt, entsprechend groß waren die Herden. Die Eroberung Perus durch die Spanier und ihre mitgebrachten Schafe veränderten jedoch die Zucht. Es bestand kein Interesse daran, die einheimischen Tiere zu erforschen, sodass sich das einstmals göttliche Tier zum Nutztier der armen Bevölkerung entwickelte und zwischenzeitlich sogar fast ausstarb. Erst mit der Unabhängigkeit der Staaten Südamerikas erkannte man erneut den Wert des Alpakas. Seither wird die Wolle in alle Welt exportiert.

Wie weit könnte man mit einem Alpaka wandern? 

Theoretisch wäre es ohne Probleme möglich, mit Alpakas Halb- oder Ganztagestouren zu machen. Da das Erlebnis für Mensch und Tier aber sehr intensiv ist und man sich wirklich auf das Alpaka konzentrieren muss, begrenzen wir unsere Wanderungen auf etwa eine Stunde – nach meiner Erfahrung eine perfekte Zeit. Danach kann man noch so lange man möchte auf dem Hof bleiben und bei Kaffee und Kuchen an der Weide sitzen und die Tiere beobachten.

Wäre es theoretisch möglich, ein Alpaka ähnlich wie einen Esel auch als Lasttier für Gepäck zu nutzen?

Alpakas werden nicht als Lastentiere genutzt, auch in den Anden wurden sie nur wegen ihrer Wolle gezüchtet. Wenn es um das Tragen von Gepäck geht, werden eher Lamas eingesetzt. Sie sind deutlich größer und etwa 100 kg schwerer.

Alpakawolle: Das Vlies der Götter Alpakafasern zählen zu den wertvollsten Naturfasern der Welt. Schon vor einigen tausend Jahren wurden sie von den Vorfahren der Incas verarbeitet, wobei die fertigen Garne nur den Herrschern vorbehalten waren. In ihrem ursprünglichen Lebensraum, den Anden, müssen die Tiere extreme Temperaturschwankungen von -30°C nachts und 20°C tagsüber ausgleichen - was natürlich nur mit einem entsprechenden Vlies möglich ist. Durch diese einmaligen Thermoeigenschaften und die hohle Faser der Wolle, besitzen Alpakaprodukte eine hohe Isolation: Bei Kälte speichern die Fasern die Körperwärme, während sie sie bei hohen Temperaturen nach außen abstößt. Im Gegensatz zu Merino ist Alpakawolle außerdem antiallergen und steht ihr in puncto Geruchsneutralisierung keinesfalls nach. Diese Eigenschaften macht Alpakasocken nicht nur zur idealen Winter- sondern auch zur denkbar besten Wandersocke.

Alpakawolle: Das Vlies der Götter

Alpakafasern zählen zu den wertvollsten Naturfasern der Welt. Schon vor einigen tausend Jahren wurden sie von den Vorfahren der Incas verarbeitet, wobei die fertigen Garne nur den Herrschern vorbehalten waren. In ihrem ursprünglichen Lebensraum, den Anden, müssen die Tiere extreme Temperaturschwankungen von -30°C nachts und 20°C tagsüber ausgleichen - was natürlich nur mit einem entsprechenden Vlies möglich ist. Durch diese einmaligen Thermoeigenschaften und die hohle Faser der Wolle, besitzen Alpakaprodukte eine hohe Isolation: Bei Kälte speichern die Fasern die Körperwärme, während sie sie bei hohen Temperaturen nach außen abstößt. Im Gegensatz zu Merino ist Alpakawolle außerdem antiallergen und steht ihr in puncto Geruchsneutralisierung keinesfalls nach. Diese Eigenschaften macht Alpakasocken nicht nur zur idealen Winter- sondern auch zur denkbar besten Wandersocke.

Zum Alpakaland e.V. Onlineshop

Worauf muss man während der Wanderung im Umgang mit den Alpakas achten?

Wenn ich mit den Alpakas zu den Gästen komme, weise ich zuerst darauf hin, dass man die Tiere nicht ohne „Vorwarnung“ anfassen sollte – vor allem nicht im Vorbeigehen am Hinterteil, da es sein kann, dass das Alpaka dann reflexartig austritt. Im Anschluss begrüßen wir die Alpakas und streicheln sie, wenn sie bereit sind, am Hals (nicht am Kopf- das mögen Alpakas gar nicht). Wenn Kinder dabei sind, ist es auch wichtig zu erklären, dass sie sehr ruhig auf die Tiere zugehen sollen. Sind wir dann unterwegs, nehmen wir die Leine in beide Hände, für den Fall, dass sich das Alpaka mal erschreckt und zur Seite springt. Wenn das Tier nach einer Weile entspannt ist, kann man die Leine sogar locker durchhängen lassen. Dabei kann man natürlich auch mit seinem Alpaka sprechen… das hilft Mensch und Tier sich besser aufeinander einzustellen und zu einem Team zu werden. Am besten ist es immer, wenn ich merke, dass der Fokus der Menschen ganz und gar auf ihrem Alpaka liegt und sie nicht mehr über alltägliche Dinge sprechen – denn dann ist es wirklich möglich, die beruhigende und meditative Wirkung zu spüren, die das Wandern mit Alpakas so besonders macht.

Erlebnisse auf dem Alpakahof des Alpakaland e.V.

Detaillierte Infos und alle Angebote findest Du unter oberlausitzer-alpakaland.de

  • Alpaka-Wanderungen
  • Hofführungen inkl. Kuchentafel an der Alpakaweide für Gruppen
  • Urlaub auf dem Alpakahof [Ferienwohnungen]
  • Alpaka-Erlebnistage 
  • Tierpatenschaften
  • Grundlagen- u. Zuchtseminar für alle, die selbst mit dem Gedanken spielen, Alpakas zu halten oder bereits Alpakas haben

Hinweis zur Transparenz: Dieser Beitrag entstand eigeninitiativ und ohne finanzielle Gegenleistung des Oberlausitzer Alpakaland e.V. Linda war jedoch so großzügig, mich auf unsere gemeinsame Wanderung einzuladen – eine ganz besonders liebe Geste, gerade in Zeiten von Corona. Vielen Dank!

2 Comments
  • 4 Monaten ago

    Was für ein aufschlussreicher und toll geschriebener Bericht. Ich liebe Alpakas und verarbeite auch besonders gerne die Wolle dieser besonderen Tiere. Niedlich sind sie wirklich. Und dass sie so beruhigend auf Menschen wirken, war mir nicht bekannt. Ein Klasse Beitrag. Lieben Dank dafür.

    • Magda
      4 Monaten ago

      Hi Nicole, lieben Dank für deine netten Worte! 🙂 Ich freu mich riesig, dass Dir der Beitrag so gut gefällt und Du trotz deiner „Wollkenntnisse“ sogar noch etwas neues mitnehmen konntest. Liebe Grüße, Magda

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