
Für mich fühlt sich der Frühling erst richtig nach Frühling an, wenn ich wieder in die Oberlausitz fahre. Sobald die ersten warmen Sonnenstrahlen den Winter verscheuchen, zieht es mich in diese besondere Ecke Sachsens, wo zwischen sanften Hügeln, Wäldern und kleinen Dörfern noch erstaunlich viel Natur zu finden ist. Überall, in den Parks, den Auenwäldern und in den Gärten der Umgebindehäuser breitet sich ein farbenfrohes Meer aus Blumen aus. Gerade rund um Ostern zeigt sich hier auch die lebendige sorbische Kultur, wenn die Osterreiter durch die Orte ziehen – eine Tradition, die man so nur in dieser Region erlebt. Gleichzeitig steckt die Gegend voller Geschichte und Besonderheiten – gleich vier UNESCO-Stätten liegen in der Oberlausitz, die zeigen, wie vielfältig Kultur und Landschaft hier sind. Vielleicht ist es genau diese Mischung aus Natur, Tradition, alten Sagen und überraschend viel Kultur auf engem Raum, die mich im Frühling immer wieder hierher zurückbringt.




Meine 5 liebsten Sehenswürdigkeiten in der Oberlausitz für Sonnentage
1. Ein Streifzug durch die Buchwindröschen im Lasker Auenwald
Parken: Sportplatz in Laske | Spazierwege auf der gegenüberliegenden Straßenseite im Wald
Geradezu unscheinbar möchte man ihn nennen, den kleinen Wald am Rand von Laske inmitten der riesigen Felder. Wüsste man also nicht genau, dass sich zwischen seinen Bäumen ein Paradies verbirgt, würde man vermutlich einfach vorbei fahren. Tatsächlich ist der Lasker Auenwald aber das einzige Stück Wald im Bereich der Klosteraue, das die Urbarmachung des Gebiets seit dem Mittelalter unbeschadet überstand. Deshalb findet man hier noch heute den ursprünglichen Eichen- und Hainbuchenwald, der von zahlreichen Fließen durchzogen wird. Zwischen ihnen stehen aber auch Linden und Flatterulmen, Bergahorn und Schwarzerlen. Zu ihren Füßen wachsen zu tausenden die bildprägenden Buschwindröschen in einem Teppich ganz aus Weiß und Grün.
Tritt man während an der Ostseite des Waldes aus ihm heraus, wird man über die Felder hinweg den markanten Turm der Ralbitzer Sankt-Katharinen-Kirche entdecken. Wie auch Laske (sorbisch: Łazk) gehört Ralbitz (sorbisch: Ralbicy) zum sorbischen Kernsiedlungsgebiet. So wird allgemein jener Raum in der Oberlausitz und des südlichen Brandenburgs bezeichnet, in denen das westslawische Volk der Sorben autochthon ist und die Mehrheit der Einwohner Sorbisch als Muttersprache spricht.



2. Zu Besuch bei Krabat, der berühmtesten Sagenfigur der Oberlausitz
Der Dreißigjährige Krieg ist gerade vorbei. Krabat, ein Betteljunge aus Hoyerswerda, zieht durchs Land auf der Suche nach Arbeit. Eines Nachts erscheint ihm im Traum die Mühle im Koselbruch. Fast als hätte sie ihn gerufen, findet er beim Meister eine Stelle als Lehrjunge. Schnell wird ihm klar, dass der düstere Müller mehr lehrt als nur das Mühlhandwerk. Die Zauberkräfte, die seine zwölf Burschen von ihm lernen, fordern jedoch einen hohen Preis… Ob sich Krabat rechtzeitig aus den Fängen des Meisters retten kann, bevor auch ihm das grausame Schicksal droht?





Seit Jahrhunderten wird in der Oberlausitz die sorbische Sage des Krabat erzählt. Auch wenn sich die Rahmenhandlungen je nach Überlieferung unterscheiden, so haben doch spätestens Měrćin Nowak-Njechorński und Otfried Preußler Krabat fest im Koselbruch verankert. Immer wieder kamen Menschen infolgedessen hierher, um den Schauplatz der Geschichte zu besuchen. Da die hiesige Mühle in Privatbesitz ist, man das Interesse der Besucher aber ernst nahm, erwirkte die damalige Ortsvorsteherin 2006 eine Baugenehmigung für eine Neue Schwarze Mühle gleich in Sichtweite der ursprünglichen. Dank zahlreicher ehrenamtlicher Helfer und Wandergesellen wie Krabat selbst einer war, entstand ein ganzer Komplex aus Laubengang, Gesindehaus, Mühle, Scheune und Bäckerei, in denen man heute die Sage hautnah erlebt. Im Haus des Müllers und vor der Bauernstube werden zudem unter anderem sorbische Spezialitäten wie Tafelspitz, Hochzeitssuppe und Buttermilchplinsen serviert.
3. Radeln, Wolfs-Expedition, Töpfern und mehr auf dem Erlebnishof Rietschen
Länge: 40,5 km | Höhenmeter: 110 m +/- | Fahrräder und E-Bikes auszuleihen am Erlichthof | zur komoot-Tour | zur Website vom Erlichthof
Während in der Oberlausitz schon jedes einzelne erhaltene Schrotholzhaus ein kleines Highlight für sich ist, schmiegen sich die urigen Häuser und Scheunen am Erlichthof dicht an dicht. Die denkmalgeschützten Bauten, mitunter bis zu 300 Jahren alt, stammen allesamt aus Dörfern, die dem Braunkohleabbau weichen mussten. Behutsam wurden sie deshalb abgetragen und am Erlichtteich originalgetreu zu einem Museumsdorf arrangiert. Die dicke Staubschicht sucht man jedoch vergeblich: In den Holzhäusern findet man beispielsweise kleine Werkstätten, einen Hof- und Naturladen, die Steinofenbäckerei, das Scheunencafé, Ferienwohnungen und - nicht zuletzt - eine spannende Dauerausstellung zum Thema Wolf.




Nachdem 1998 das erste Wolfspaar nach Sachsen zurückkehrte, ist das Thema in der Region groß: 31 Wolfs-Territorien wurden 2020 in Sachsen gezählt - rund zwei Drittel befinden sich in der Oberlausitz und zwei von ihnen in unmittelbarer Nähe zum Erlichthof. Angst muss man vor den scheuen Tieren jedoch keine haben. Mehrmals pro Monat finden am Erlichthof neben vielerlei anderer Veranstaltungen Exkursionen ins Wolfsgebiet statt. Gemeinsam mit einem Ranger begibt man sich dabei auf die Spuren des einst gefürchteten Tiers und lernt nicht nur, seine Fährten zu lesen, sondern auch, wann und wie sich Wildtiere am besten beobachten lassen.
Eine sportlichere Möglichkeit, dem Wolf näher zu kommen, ist der Wolfsradweg zwischen Rietschen und der Neiße. Hat man kein eigenes Fahrrad dabei, kann man am Erlichthof eines leihen. Damit geht’s anschließend immer der Wolfspfote hinterher durch das idyllische Teichgebiet nach Daubitz, Walddorf und schließlich an die Neiße. Am Weg finden sich nicht nur herrliche Wasserlandschaften und Vogelbeobachtungsplätze, sondern auch scheinbar unendliche Heidelbeer-Teppiche!




4. Mit Volldampf zur Rakotzbrücke und dem Oberlausitzer UNESCO Weltkulturerbe Muskauer Park
Rakotzbrücke & Rhododendronpark: zur komoot-Tour | Fürst-Pückler-Park: zur komoot Tour
Man muss weder ausgesprochene*r Romantiker*in sein, noch einen besonderen Faible für Gärtnerei haben, um sich in Kromlau und Bad Muskau am Fürst-Pückler- und dem Rhododendronpark zu erfreuen. “Der höchste Grad der landschaftlichen Gartenkunst ist nur da erreicht, wo sie wieder freie Natur, jedoch in ihrer edelsten Form zu sein scheint.”, schreibt Hermann Fürst von Pückler-Muskau, Schöpfer des Parks, in seinen “Andeutungen über die Landschaftsgärtnerei”. Ganz nach seiner Überzeugung flaniert man in Bad Muskau durch weitläufige Parkanlagen, die harmonisch in die umgebende Landschaft übergehen. Im Zentrum der heutigen UNESCO-Welterbestätte: Das opulenten Neuen Schloss. Zum Schlosskomplex zählen außerdem das Alte Schloss, der Gartenpalais, die Orangerie und der Marstall mit Schlossvorwerk. Ganze 30 Jahre verwendete der Fürst auf die Anlage des Parks, bevor er sich dabei so sehr verschuldete, dass er seinen Landsitz 1845 veräußern musste.




Um auch den Kromlauer Park besichtigen zu können, braucht es entweder ein Fahrrad oder - besser - ein Ticket für die Waldeisenbahn. Zwischen April und Oktober verkehrt die Museumsbahn zwischen Weißwasser und Bad Muskau und Weißwasser und Kromlau. Wer nicht die gesamte Strecke fahren möchte, nimmt zunächst von Bad Muskau nach Weißwasser die Bahn und geht anschließend zu Fuß nach Kromlau. Bei dieser kurzen Wanderung streift man nicht nur den Waldsee, sondern kommt unweigerlich auf sandigen Böden zum Seerosensee, dem Picknickplatz am Eichenhügel und schließlich zur eigentlichen Attraktion des Parks: der Rakotzbrücke. Über 35 m überspannt sie den gleichnamigen See und spiegelt sich in ihm zu einem vollständigen Kreis. Lediglich im Frühsommer laufen die Rhododendren der Brücke den Rang ab: An hunderten Büsche blühen dann unzählige rote, violette, pinke und gelbe Blüten.




5. Salz & Pfeffer: Wandern rund um die Umgebindehäuser von Obercunnersdorf
Kommt man in den Denkmalort Obercunnersdorf wird man sich kaum des Eindrucks erwehren können, durch ein altertümliches Spielzeugdorf zu wandeln. Wohin man auch schaut, finden sich links und rechts der malerischen Gassen die aufwändig verzierten Umgebindehäuser mit ihren blumenübersäten Vorgärten. Als liebevoll erhaltene Zeitzeugen berichten sie noch heute von der ländlichen Lebensweise und der Entwicklung einer unvergleichbaren Architektur. Ganz besonders auffällig sind in Obercunnersdorf die kleinteiligen weißen Verzierungen in den sonst schwarzen Schieferfassaden - gern “Salz und Pfeffer” genannt. Wer einmal einen Blick ins Innere eines Umgebindehauses werfen möchte, kann das beispielsweise bei einem Stück Kuchen im Café Brumme oder im Museum des “Schunkelhauses”.
Wanderung nach Eibau
Länge: 15,7 km | Höhenmeter: 320 +, 280 - | Ausgangspunkt: Parkplatz in Obercunnersdorf | zur komoot Tour
Weil aber auch die Umgebung wirklich wunderschön ist, lohnt sich eine Wanderung nach Eibau. Die ersten beiden Kilometer führen zwar entlang einer schmalen und wenig befahrenen Landstraße doch alles Folgende ist dafür umso schöner: So streift der Weg zum Beispiel die alte Bockwindmühle in Kottmarsdorf (an ausgewählten Tagen finden in der Schaubackstube Backtage statt), Wiesen und Felder und später auch die drei Spreequellen.
Laut Sage entstanden diese, als der Riese Sprejnik drei Pfeile ins Land schoss, um zu sehen, wie weit er es verteidigen könne. Als man nun versuchte, in Kottmar, Neugersdorf und Ebersbach die Pfeile auszugraben, sprudelte auf einmal frisches Wasser aus dem Boden, das sich kurz darauf zu einem Fluss - der Spree - verband. Diese und andere Sagen erzählen die Tafeln entlang des Sagenpfads, dem man hier ein kleines Stück um den Berg herum folgt.






In Waltersdorf angekommen, nimmt man statt der Hauptstraße den kleinen Radweg, der parallel hinter den Häusern durch den Ort verläuft. Auf ihm kommt man unweigerlich zum Faktorenhof im benachbarten Eibau. Der restaurierte Dreiseitenhof beherbergt neben dem barocken Faktorenhaus und dem darin befindlichen Heimatmuseum auch ein uriges Brauhaus samt Sonnenterrasse. Ist einem der Sinn nach gutbürgerlichem Essen, findet man hier in ländlichem Charme die wohlverdiente Rast.
Wer lieber etwas modernere Küche mag, muss noch einige Minuten länger durchhalten: Auf dem Beckenberg befindet sich mit der Beckenbergbaude Sachsens erster Bio-Berggasthof. Als zertifiziertes Slow Food Restaurant werden hier Kreationen aus ausschließlich regionalen und saisonalen Zutaten serviert - auch vegetarisch und vegan.



Dir hat der Beitrag geholfen?
SUPPORT YOUR VIRTUAL TRAVEL GUIDE
Dann lade mich doch gern auf die nächste Flasche Mate ein. Man kann schließlich nie genügend Energienachschub zum Schreiben im Kühlschrank haben! Du entscheidest selbst, wie viel Du spenden möchtest.
Noch mehr Tipps für die Oberlausitz und die angrenzende Sächsische Schweiz
- (Kultur)Wandern in der Oberlausitz: Vom Schloss Rammenau zum Butterberg
- Wandern mit Alpakas in der Oberlausitz: Die ultimative Entschleunigung
- Durch die Wilde Hölle zum Carolafelsen: Die Sächsische Schweiz at its best
- Noch eine Lieblingswanderung: Auf den Rauenstein in der Sächsischen Schweiz
- Magischer Uttewalder Grund: Eine besondere Wanderung in der Sächsischen Schweiz
- Die Häntzschelstiege: Der aufregendste Klettersteig der Sächsischen Schweiz
- Durch die Schwedenlöcher zur Bastei: Ein Klassiker der Sächsischen Schweiz mit Geheimtipp
sharing is caring. teile diesen artikel mit deinen travel-buddies
