Wandern auf Rügen: Auf dem Hochuferweg entlang der Kreidefelsen

Wandern auf Rügen: Auf dem Hochuferweg entlang der Kreidefelsen

Wandern auf Rügen: Auf dem Hochuferweg entlang der Kreidefelsen

Der Wind pfeift mir um die Ohren, bunte Blätter, glänzend nass und leuchtend, rascheln über dem aufgewühlten Meer… es ist ein Herbsttag wie aus dem Bilderbuch und damit perfekt für die aussichtsreiche Wanderung auf dem Hochuferweg im Nationalpark Jasmund. Denn auch, wenn es im ersten Moment widersprüchlich klingen mag, lässt erst solches Wetter die Wildheit der Kreidefelsen so richtig zur Geltung kommen. Dann, wenn die See rau gegen die Ufer schlägt, Meer und Himmel im Regen verschmelzen und das Grün des Waldes von einem Wasserschleier bedeckt leuchtet, dann ist sie unverkennbar – die Macht der Natur, wie sie hier an den riesigen Felsen wirkt und seit Jahrtausenden die Landschaft formt. 

In diesem Beitrag findest Du alle Infos zu deiner Wanderung auf dem Hochuferweg, Tipps zur Anfahrt mit Bus und Auto und spannende Infos zur Kreide und dem UNESCO-Weltnaturerbe der Alten Buchenwälder.

Anfahrt zum Wanderweg

Mit dem Bus von Sassnitz nach Lohme

LÄNGE: 13,5KM
DAUER: 4:30 H
HÖHENMETER: 500 POSITIV, 500 NEGATIV

TOUR BEI OUTDOORACTIVE

Im Gegensatz zu allen anderen Touren, die ich während meiner Wanderreise durch Mecklenburg-Vorpommern unternommen habe, ist diese Wanderung keine Rundtour. Ihr Anfangspunkt liegt direkt an der Küste im kleinen Ort Lohme und endet in Sassnitz. Das ist jedoch gar kein Problem, da auch in der Nebensaison regelmäßig Linienbusse zwischen den beiden Orten fahren. Um mich zeitlich nicht nach dem letzten Bus richten zu müssen, der gegen 16.00 von Sassnitz nach Lohme fährt, entschied ich deshalb, mein Auto in Sassnitz zu parken und von dort mit dem Bus zum Startpunkt zu fahren, sodass ich am Nachmittag alle Zeit der Welt (oder des Tageslichts) hatte, um zurück nach Sassnitz zu laufen. Direkt unterhalb des Busbahnhofs befindet sich ein öffentlicher, gebührenpflichtiger Parkplatz. Von dort aus fuhr ich mit der Buslinie 14 nach Lohme. Wer schummeln möchte, kann jedoch mit der Linie 23 auch gleich zum Königsstuhl fahren und so die ersten 4,5 Kilometer der Wanderung abkürzen.

Wichtig: Es ist nicht möglich, mit dem Auto direkt zum Königsstuhl zu fahren. Lediglich Busse dürfen die Straße passieren. Etwa drei Kilometer westlich des Königstuhls liegt jedoch der Großparkplatz Hagen. Dieser wird über Shuttlebusse mit dem Königsstuhl verbunden. Am Parkplatz Hagen hält ebenfalls die Buslinie 14. 

Fels aus Skelett Kaum vorstellbar, dass die weiß leuchtenden Kreidefelsen 70 Millionen Jahre alt sind! Die Natur schuf sie einst aus den Skeletten unzähliger einzelliger Lebewesen, die das kreidezeitliche Meer dort hinterließ. Der Königsstuhl ist mit 118 Metern der höchste aller Kreidefelsen auf Rügen. Nichtsdestotrotz ist Kreide sehr erosionsanfällig und bedarf deshalb besonderem Schutz. Aus diesem Grund ist die Zufahrtsstraße zum Königsstuhl seit Jahren nur noch für Busse, aber nicht mehr für Autos zugänglich. Auch am Königsstuhl selbst wird 2021 der Bau einer neuen Aussichtsplattform beginnen, mit der der Fels entlastet werden soll, über den jährlich 300.000 Besucher laufen.

Fels aus Skelett

Kaum vorstellbar, dass die weiß leuchtenden Kreidefelsen 70 Millionen Jahre alt sind! Die Natur schuf sie einst aus den Skeletten unzähliger einzelliger Lebewesen, die das kreidezeitliche Meer dort hinterließ. Der Königsstuhl ist mit 118 Metern der höchste aller Kreidefelsen auf Rügen. Nichtsdestotrotz ist Kreide sehr erosionsanfällig und bedarf deshalb besonderem Schutz. Aus diesem Grund ist die Zufahrtsstraße zum Königsstuhl seit Jahren nur noch für Busse, aber nicht mehr für Autos zugänglich. Auch am Königsstuhl selbst wird 2021 der Bau einer neuen Aussichtsplattform beginnen, mit der der Fels entlastet werden soll, über den jährlich 300.000 Besucher laufen.

Bergauf

Meine Wanderung beginnt am kleinen Hafen von Lohme, am Fuße der Kreidefelsen. Obwohl ich Mecklenburg-Vorpommern bis jetzt nur als flache, berglose Landschaft kennengelernt habe, steigt hier der Weg in fast schon knackigen Anstiegen stetig an und bringt mich Schritt für Schritt in Richtung des berühmtesten Kreidefelsens von Rügen. Natürlich sind diese Anstiege nicht ansatzweise mit denen in Mittel- oder Hochgebirgen zu vergleichen, doch hätte ich wirklich nicht gedacht, dass ich an diesem Tag insgesamt eintausend Höhenmeter erklimmen würde.

Gut so, denn trotz des stürmischen und regnerischen Wetters war mir schon nach kurzer Zeit so wohlig warm wie noch kurz zuvor in meinem kuscheligen Bett, sodass ich die wilde, herbstliche Atmosphäre in vollen Zügen genießen konnte.

Spektakuläre Aussichten

Das Nationalpark-Zentrum am Königsstuhl

Nach knapp vier Kilometern erreichte ich das Nationalpark-Zentrum am Königsstuhl. Neben der spektakulären Aussicht vom wohl berühmtesten Kreidefelsens selbst, wartet hier das Nationalpark-Zentrum mit seinen spannenden Ausstellungen. Das Wort “spannend” ist hier auch ganz sicher nicht nur so dahingesagt. In einer riesigen Erlebnisausstellung mit akustisch inszenierten Räumen, einem Multivisionskino und dem Außengelände lassen sich hier bei einer Zeitreise die Geheimnisse der Kreidelandschaft entdecken.

Richtig toll finde ich, dass die Ausstellung keine faden Kompromisse eingeht, die am Ende weder Kindern noch Erwachsenen so richtig gefällt. Ganz im Gegenteil: Die Ausstellung ist dank verschiedener Audioguides so konzipiert, dass die Kinder eine eigene aufregende Führung mit Maus Mimi und Rabe Krax erleben, während Erwachsene aus verschiedenen Themen wählen, aus deren Perspektive sie die Kreidelandschaft kennenlernen wollen – und das, während man sich trotzdem gemeinsam durch dieselben Räume bewegt.

Im Reich der Schatten Buchenwälder absorbieren mit ihren dichten, fast lückenlosem Blätterdach fast sämtliches Licht. In ihren Schatten können also nur angepasste Tiere und Pflanzen leben. Trotzdem sind Buchenwälder der bevorzugte Lebensraum mehrerer tausend Arten. Dabei sind die Buchen - wäre da nicht der Raubbau gewesen - besonders durchsetzungsfähig. Sie gedeihen auf Kalkböden und mageren Sandflächen ebenso wie an feuchten Standorten, im Gebirge und im Tiefland.

Im Reich der Schatten

Buchenwälder absorbieren mit ihren dichten, fast lückenlosem Blätterdach fast sämtliches Licht. In ihren Schatten können also nur angepasste Tiere und Pflanzen leben. Trotzdem sind Buchenwälder der bevorzugte Lebensraum mehrerer tausend Arten. Dabei sind die Buchen - wäre da nicht der Raubbau gewesen - besonders durchsetzungsfähig. Sie gedeihen auf Kalkböden und mageren Sandflächen ebenso wie an feuchten Standorten, im Gebirge und im Tiefland.

Durch den Urwald entlang der Klippen

Während ich zuvor noch etwas blind bloß durch einen Wald gestapft war, stolperte ich nun mit geschärfter Wahrnehmung buchstäblich aus dem Nationalpark-Zentrum heraus und hinein ins UNESCO-Weltnaturerbe der “Alten Buchenwälder”. Denn spätestens dann, wenn man vom Königsstuhl über die Klippen blickt, dürfte einem der Kontrast zwischen der weiß schimmernden Kreide und dem leuchtend grünen Blätterdach des Waldes auffallen.

Vor etwa 4000 Jahren bestanden mehr als 10% der Fläche Europas aus eben solchen Buchenwäldern, doch wurden sie durch den beispiellosen Raubbau seit Beginn der Industrialisierung auf gerade einmal 0,02% ihrer einstigen Ausbreitungsfläche zurückgedrängt. Damit ist der unberührte Buchenwald im Nationalpark Jasmund von so hoher Bedeutung, dass er 2011 von der UNESCO gemeinsam mit anderen ausgewählten Buchenwäldern zum Weltnaturerbe ernannt wurde.

Entsprechend ehrfürchtig setzte ich meinen Weg zwischen den mächtigen Stämmen der Buchen fort und dankte ihnen mehr als einmal, dass sie mich vor dem aufziehenden Sturm und dem kalten Regen schützten. Nur an den Aussichtspunkten wagte ich mich aus ihrem Schatten heraus, um immer wieder den Blick über die weißen Felsen und die raue See zu genießen. Diese sind mitunter so spektakulär, dass es kaum verwundert, dass schon Caspar David Friedrich diese Kulisse – wahrscheinlich die Wissower Klinken – zu einem seiner erwählten Motive machte.

Hinunter zum Strand

Ganz nach einem meiner Lieblingsmantras “Change your perspective” führt Dich der Weg in seinem Verlauf auch unweigerlich zu den beiden Treppenabstiegen an den Strand. Lass Dich dabei aber unter gar keinen Umständen von deiner Outdoor-App leiten, sondern achte nur auf die Beschilderung am Weg. Da immer wieder große Teile der Kreideklippen abbrechen, verändert sich immerzu das Terrain, sodass einige Abstiege, die vielleicht vor wenigen Jahren noch da waren, inzwischen aufgrund der drohenden Gefahr geschlossen oder bereits gänzlich der Erosion zum Opfer gefallen sind. Aus diesem Grund solltest Du auch besonders nach starken Regengüsse und bei Sturm darauf verzichten, den Abschnitt zwischen den beiden aktuell geöffneten Abstiegen am Strand zurückzulegen. Die vielen Bäume, die überall mit herausragenden Wurzeln und in beachtlicher Schräglage am Rand der Klippe hängen, sind Beweis genug, dass man diese Warnung durchaus Ernst nehmen sollte.

Einmal unten angekommen, ist die veränderte Perspektive aber schlichtweg spektakulär! Erst am Strand wurde mir so richtig bewusst, wie gewaltig die Kreidefelsen wirklich aus dem Meer emporragen. Über 100 Meter sind die Klippen mitunter hoch, am Königsstuhl sogar 118 Meter. Damit ist klar, dass der Wasserfall des Kieler Bachs, der sich am Abstieg plätschernd in die Ostsee ergießt, der höchste des gesamten Bundeslandes ist.

Weitere Ausflüge auf Rügen

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Hinter den Abstiegen zum Strand ist es nicht mehr weit bis nach Sassnitz. Natürlich gibt es auf Rügen noch sehr viel mehr zu entdecken, sodass ein Tag längst nicht reicht, um all die spannenden (Natur)-Sehenswürdigkeiten zu erleben.

  • Kap Arkona
  • das Ozeaneum in Stralsund
  • das Jagdschloss Granitz
  • das Fischerdörfchen Vitt am Kap Arkona 
  • der Baumwipfelpfad bei Prora
  • oder ein Kitesurfkurs bei ProBoarding

 … Da mir selbst jedoch während meiner Wanderreise durch Mecklenburg-Vorpommern leider nicht mehr Zeit blieb, verweise ich Dich wärmstens an meine Kolleginnen, die Dir auf Ihren Blogs Reisespatz und Lilies Diary tolle Ausflugsziele & Aktivitäten auf Rügen vorstellen.


Mehr Wanderungen in Mecklenburg Vorpommern? Entdecke hier alle anderen Touren meiner Herbst-Wanderreise durch das Land des Wassers:

HINWEIS ZUR TRANSPARENZ/// DIESER BEITRAG ENTSTAND IN KOOPERATION MIT DEM TOURISMUSVERBAND MECKLENBURG-VORPOMMERN E. V.. MEINE PERSÖNLICHE MEINUNG BLEIBT DAVON NATÜRLICH UNANGETASTET. IHR DÜRFT EUCH ALSO DARAUF VERLASSEN, DASS MEINE BEGEISTERUNG GANZ ECHT UND EHRLICH IST. INDIANEREHRENWORT.

2 Comments
  • 2 Wochen ago

    Sehr schöne Fotos! Der Hochuferweg hat uns auch sehr, sehr gut gefallen! Vielen lieben Dank auch für die Verlinkung.
    LG, Sabine

    • Magda
      7 Tagen ago

      Vielen Dank, liebe Sabine! Dein Artikel ist ebenfalls echt toll, deshalb hab ich ihn auch so gern verlinkt! Liebst, Magda

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